Der Jüngste ist am schlausten

Weihnachtsmärchen Reichenbacher Verein hat Grimmschen Stoff variiert

Das Thema Altern ist heute aktueller denn je. Eine große Rolle spielt es auch im Märchen "Bremer Stadtmusikanten", denn es sind die gealterten Tiere, die plötzlich nicht mehr gebraucht werden. Frank Kiessig und Christoph Herrmann vom Verein "ars popularis" haben sich mit dem Stoff der Gebrüder Grimm befasst, ergänzt durch Neues und Altes weggelassen. "Wir wollten eine eigene Form entwickeln, thematisch mehr herauskitzeln", so Regisseur Christoph Herrmann. Das Neuberin-Ensemble führt das nun neu interpretierte Märchen in diesen Tagen als Weihnachtsmärchen für Groß und Klein auf.

"Der Bauer im Märchen ist radikal, als er auf Geheiß der Bäuerin die Tiere, die immer ihre Pflichten auf dem Hof hatten, vor die Tür setzt." Die wissen nun gar nicht so recht, was sie mit ihrer Freiheit anfangen sollen. Und verstehen sich auch nicht, sondern bilden eher eine Notgemeinschaft. "Der Esel wird von den andren als der Dümmste angesehen. Der Hahn hält sich für den Wichtigsten", so der Regisseur. Alle Tiere indes werden auf der Bühne zweibeinig dargestellt und wollen durch Gestik und ihren Charakter überzeugen. Bald schon merken sie, dass ihnen etwas fehlt. Der Katze das Futter, dem Hund der Befehlsgeber und dem Hahn die Hühner. "So sind sie alle grantig aufeinander." Nicht besser sieht es mit dem demografischen Faktor bei den Räubern aus. Tschaggeline, eine jüngere Räuberin will lieber in die Stadt und einen Computer haben anstatt im Wald zu hausen. Hänschen gar, der jüngste Räuber, weiß gar nicht so richtig, dass er ein Räuber ist und hat eigentlich Angst vor diesen. Zum Schluss aber ist er am schlausten von allen.