"Die Kontrolle verloren haben wir nie!"

Interview Sebastian Köhler spricht über die Olympiaverschiebung und Coronakrise

Plauen. 

Plauen. Sebastian Köhler würde sich jetzt eigentlich auf die Olympischen Spiele vorbereiten. Der Plauener gehört zum medizinischen Betreuerstab der U21-Fußballnationalmannschaft. Doch nach Tokio reist der Physiotherapeut von DFB und DOSB nun erst 2021. Über die Coronakrise hat sich BLICK-Reporter Karsten Repert mit dem Inhaber des inmotio-Therapiezentrums in Plauen unterhalten.

BLICK: Herr Köhler, sportliche Highlights, wie die EM-Qualifikationsspiele im März 2020 wurden abgesagt und die Olympischen Spiele auf 2021 verschoben. Da bricht für jeden Spieler und Betreuer eine Welt zusammen, oder?

Sebastian Köhler: Ja. Natürlich war auch ich sehr traurig. Andererseits trägt mein Unternehmen Verantwortung für über 50 Beschäftigte und deren Familien. Von dieser Perspektive aus gesehen war es gut und wichtig, dass ich vor Ort die Ärmel hochkrempeln konnte. Es galt Tag für Tag, einen klaren Kopf zu bewahren. Das tägliche Krisenmanagement im Unternehmen, um sich gerade am Anfang der Corona-Krise auf alle neuen Situationen einzustellen, bedeutete von Freitag, dem 13. März an Ausnahmezustand. Wahrscheinlich jedem Heilmittelerbringer in Deutschland wird es so ergangen sein. Nie standen wir vor einer größeren Herausforderung. Mir blieb keine Zeit, mich lange über die Olympiaverschiebung zu ärgern. Es gibt schließlich viel wichtigere Dinge im Leben.

BLICK: Wie sahen denn für Sie die Herausforderungen aus?

Sebastian Köhler: In der Medizin ist normalerweise alles perfekt geregelt. Wir mussten von einem auf den anderen Tag "auf Sicht" fahren. Wir mussten täglich eine neue Planung erarbeiten. Insbesondere durch die Kontaktsperre und die Ausgangsbeschränkungen standen unsere Telefone nicht mehr still und bei den Patienten herrschte eine große Verunsicherung, die leider zum Teil auch jetzt noch spürbar ist, wobei man das natürlich aufgrund der inflationären Nachrichtenflut verstehen kann.

BLICK: Das klingt nach einer unlösbaren Aufgabe...

Sebastian Köhler: Es war kein Spaß. Da stand einiges auf dem Spiel. Unsere Mannschaft, bestehend aus Rezeption, den Therapeuten und sämtlichen Organisationskräften hat aber toll funktioniert! Wie in einem Uhrwerk haben alle Zahnräder in einander gegriffen und es wurden stets alle Abläufe so angepasst, dass wir die Krise in den Griff bekommen haben. Das Churchill-Zitat "In der Krise beweist sich der Charakter" passt auf uns besonders gut. Ich habe meinem Team versprochen, dass wir gemeinsam die Krise schaffen und es keine einzige Entlassung geben wird, wenn wir zusammenhalten und jeder alles tut für unsere Gemeinschaft. Die Kontrolle verloren haben wir nie!

BLICK: Und das hat so einfach funktioniert?

Sebastian Köhler: Das war ganz sicher für niemanden einfach. Existenzangst ist für jeden Menschen grausam. Aber ich habe schnell zu spüren bekommen, wie sehr die Mitarbeiter zum Unternehmen stehen und das war letztlich auch für mich eine unglaubliche Antriebsfeder. Wir haben uns gegenseitig geholfen. Ich glaube übrigens, dass wir im inmotio-Therapiezentrum keine Ausnahme sind. Wie viele andere Unternehmen in Sachsen, die bislang von jeglichen Sofortzuschüssen ausgenommen sind, haben wir einen Teamgeist entwickelt, der mich begeistert und der unserem Land in dieser schweren Zeit besonders hilft.

BLICK: Aber aus diesen Worten klingt auch Kritik?

Sebastian Köhler: Es scheint so, als dass in Sachsen unternehmerischer Fleiß und unternehmerisches Wachstum nicht so anerkannt werden, wie es in anderen Bundesländern praktiziert wird. Dort ist durchaus eine Förderung auch von Unternehmen über zehn Mitarbeiter möglich. Mehr will ich dazu nicht sagen.

BLICK: Und wie geht es jetzt für Ihr Haus weiter.

Sebastian Köhler: Nach Ostern hat sich die "neue Normalität" langsam eingespielt. Die Hygienemaßnahmen sind auf höchstem Niveau. Aufgrund einer Großbestellung hat das inmotio-Therapiezentrum ausreichend Masken für alle Angestellten und Patienten und selbstverständlich auch ausreichend Desinfektionsmittel. Das ganze Team ist auf die nächsten Schritte sehr gespannt, vor allem auf die Möglichkeit der Präventionskurse und Rehasportgruppen freuen sich viele Teilnehmer und das Team.

BLICK: Vielen Dank für das Gespräch.