Die Menschen zum Nachdenken bringen

Flüchtlinge Situation zum 2. Weltkrieg und heute

Greiz. 

"Ängste blockieren uns. Angst ist berechtigt, aber sie darf nicht stärker sein als unser Mitgefühl." Wenn Rainer Koch, Museumsleiter in Greiz, diese Worte sagt, ist dies für ihn ein Statement zum aktuellen Thema Flüchtlinge. Er ist sich sicher: "Die Sehnsucht nach einem friedlichen Leben erfüllt fast alle Menschen und sollte sie verbinden, nicht trennen." Es ist eine Ausstellung zum Kriegsende vor 70 Jahren in Deutschland, die im Unteren Schloss von Greiz bei den Besuchern Emotionen weckt. Rainer Koch ist es indes gelungen, den Bogen zum Heute zu spannen. "Jeder Mensch, der die Strapazen einer Flucht auf sich nimmt, handelt aus vielfältigen Gründen oder wird dazu gezwungen. "Vielleicht sollten wir öfter unsere Existenzangst vergessen und wieder von den Kindern lernen: Kinder begegnen Menschen vorurteilsfrei und offen." Täglich kommen mehr Flüchtlinge in unser Land. "Damals nach dem Zweiten Weltkrieg wie auch heute sind es oft Familien, die voller Hoffnung zu uns kommen und eine friedliche Zukunft für ihre Kinder suchen", sagt der Museumsleiter. "Deshalb sollte Mitgefühl und Menschlichkeit unser Handeln bestimmen. Keiner muss heute Existenzängste haben."

Es gab zwölf bis 14 Millionen Kriegsflüchtlinge nach dem Zweiten Weltkrieg. "Hinter jeder einzelnen Zahl verbirgt sich ein Schicksal", so Rainer Koch. "Die Menschen wurden aus ihrer Heimat vertrieben oder flüchtete vor der nahenden Front des Krieges." Von der deutschen Bevölkerung schlug ihnen Hass und Missgunst entgegen." Keiner war willkommen. Und doch haben sich die damaligen Flüchtlingen integriert. "Die Situation wurde so nachhaltig gelöst, dass den nachfolgenden Generationen der eigene Migrationshintergrund aus den Folgen des Zweiten Weltkrieges oft nicht mehr bewusst ist", meint der Museumsleiter. "Heute wird dieser wichtige Baustein für eine stabile Bundesrepublik sowie ein friedliches Europa häufig vergessen. Fast jede deutsche Familie heute hat einen Migrationshintergrund." Die Ausstellung "Besetzung, Befreiung, Integration" ist im Unteren Schloss in Greiz bis zum 15. November zu besichtigen.