Die Schweiz mal ganz anders

Folkherbst Band Doppelbock oszilliert zwischen Tradition und Moderne

Natürlich, auch Doppelbock aus der Schweiz verzichtete am Freitagabend bei ihrem Folkherbst-Wertungskonzert im Malzhaus Plauen nicht ganz auf Klischees. Denn als die Künstler das Publikum gedanklich auf die Höhen ihrer heimatlichen Berge entführten, erkannte die Band im Tal plötzlich eine Bank. Und alle fünf Musiker machten aus dieser "überraschenden" Beobachtung selbstverständlich kein Geheimnis... Insgesamt sorgte dieser Anwärter auf den "Eisernen Eversteiner" im Gewölbe für eine extrem lebendige Vorstellung. Die war so gut, dass es zum Finale eine regelrechte Zugabenstaffel gab. Gnadenlos wurden von den musizierenden Gästen die alten Tanzmelodien und Lieder ihrer Heimat aufgepeppt und dadurch entstaubt. Insbesondere der abwechselnde Einsatz von Helvetischer Sackpfeife, Drehleier, Blockflöten, Schäferpfeifen und E-Bass empfanden die Zuhörer als recht angenehm. Humorvoll und eigensinnig sang und jodelte Christine Lauterburg dazu die oftmals auch witzigen Stücke. Zu erleben war eine Frau, die schon bei den diesjährigen Stelzenfestspielen auftrat und welche zwischendurch schon einmal mit dem Hexenbesen forsch durch die Zuschauerreihen ging. Damit wollte die Frontdame signalisieren, das Doppelbock in punkto Repertoire weit in die Geschichte der deutschsprachigen Schweiz zurück ging. So konnte das Publikum Lieder erleben, die bereits im 16. Jahrhundert entstanden und modernisiert wurden.

Einer der dieses muntere Konzert auf der Bühne wohlwollend verfolgte, war Rüdiger Müller. Ein Mitglied der Folkherbst-Jury der ersten Stunde. Das Interesse für den Kulturanbieter Malzhaus entstand bei ihm einst durch die eigene Tochter. Ihr gefielen schon die dortigen Angebote vor der in den 1980er Jahren von Amts wegen angeordneten Schließung. Sie sei seinerzeit dort Dauergast gewesen. Während der Wendejahre kümmerte sich Rüdiger Müller als neu gewählter Stadtrat sowie Mitglied im Bau-und Kulturausschuss um die Wiederbelebung des kulturellen Lebens an diesem Standort. Da musste viel hergerichtet werden und die Stadt Plauen half dabei kräftig. Als dann die Initiatoren des Folkherbstes im Rathaus Plauen fragten, ob er nicht als Juror diese Veranstaltungsreihe begleiten möchte, musste Müller nicht lange überlegen. Zwar sei er inzwischen fast 70 Jahre alt. Aber bei so einer Musikstaffel, wo jedes Jahr im Herbst unterschiedlichste Bands aus ganz Europa auftreten, bleibe man einfach jung, sagt der Juror abschließend.