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Die Taube in der Zodelsuppe

Zeitzeugen Plauenerin lebte nach dem Krieg im Turm der Burgruine

Elsterberg/Plauen. 

Elsterberg/Plauen. Mit der Burgruine Elsterberg verbindet Ilona Seifert eine ganz besondere Geschichte. Als kleines Mädchen wohnte sie zusammen mit ihrer Familie in einem der Türme des historischen Gemäuers. Kürzlich besuchte die in Plauen wohnende Rentnerin den Ort ihrer Kindheit. Damals war sie gerade mal fünf Jahre alt. Die Treppe zum Turmeingang weckte Erinnerungen. "Auf dem Treppengeländer sind wir Kinder auf dem Bauch runtergeruscht." Es waren die Folgen des Krieges, die die Familie 1946 nach Elsterberg führte. Weil das Mietshaus an der Plauener Hainstraße von einer Fliegerbombe zerstört wurde, suchten die ehemaligen Bewohner dringend eine neue Bleibe.

"Als ihre Mutter den gestrandeten Vogel erblickte, war es um ihn geschehen"

 

Der Aufenthalt bei Verwandten in Elsterberg blieb nicht von langer Dauer. Schließlich wies der damaliger Bürgermeister den Wohnungssuchenden den Turm als Notquartier zu. Dort zogen die Ausgebombten im Mai 1946 ein. Ohne die im Krieg gefallenen Ehemänner mussten die Frauen den Alltag allein meistern. "Alles spielte sich in einem Raum ab", erinnerte sich die heute 78-Jährige. Not macht bekanntlich erfinderisch. Was auf den Tisch kam, hing oft von Zufällen ab. Eines Tages fanden die Kinder im Ruinengelände eine verletzte Taube. "Die haben wir mit dem Puppenwagen ausgefahren." Als ihre Mutter den gestrandeten Vogel erblickte, war es um ihn geschehen. Die Taube landete fein zerkleinert als delikate Fleischbeigabe in der "Zodelsuppe". Das einfache Gericht war in der Nachkriegszeit weit verbreitet. Damals rieb man rohe Kartoffeln ins kochende Wasser. Verfeinert wurde die Suppe mit dem, was gerade vorrätig war.

 

 

 

Dieter Oberhauser kennt die Geschichten seiner Lebensgefährtin in- und auswendig. Er selbst kam in den Kriegswirren als Zehnjähriger auf der Flucht von Ostpreußen ins Vogtland. Für das Paar sind Ausflüge nach Elsterberg immer etwas Besonderes. Aktuell werden Mauerabschnitte des Wahrzeichens saniert. "Wir hoffen, dass hier bald wieder Feste stattfinden können."



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