Ein Jahr Ungewissheit

Manroland-Pleite Egal was kommt: Es geht immer irgendwie weiter

Wir ziehen Bilanz. Seit einem Jahr darf der BLICK-Reporter teilnehmen am Leben von Familie Schaarschmidt. Papa Jörg gehört zu den einst so stolzen "Plamagianern". Über 2.000 gab es früher von ihnen. Jetzt sind es gerade noch 300 Arbeiter, die in der Plamag in Plauen um ihre Jobs bangen. Der Rest ist längst gekündigt und hoffentlich woanders fündig geworden. Obwohl die Manroland-Insolvenz zum ersten Advent 2011 den Schaarschmidts einen schweren Nackenschlag versetzte und Vati Jörg noch immer in Ungewissheit lebt, spricht dieser Mann nicht schlecht: "Jammern darf keiner aus unserem Unternehmen. Wir haben viele Jahre gutes Geld verdient." Dass Jörg innerlich die vielen Brandreden der Manroland-Bosse und ihrer Nachfolger verurteilt, das hat der BLICK-Reporter in den abendlichen Telefonaten mit dem Schleifer durchaus mitbekommen.Die Führungskräfte aus dem Westen haben unglaublich viel verbrannte Erde hinterlassen im nun kalten Plauener Norden. Vor allem das Auf und Ab, das andauernde Hoffen, in das sich immer wieder neue Enttäuschung mischt, das ist offenkundig der eigentliche Skandal, den es zu kritisieren gilt. Jörg Schaarschmidt sagte dem BLICK am Montag während die Gläubigerversammlung erneut über die Zukunft debattierte: "Es geht so oder so weiter. Irgendwie." Vollkommen unklar ist von der Sache her, was nun passiert mit und in der Plamag. Der einstige Druckmaschinenhersteller mit Weltruf hat tausendfach für Enttäuschung gesorgt. Viele der Werktätigen hängen noch heute mit dem Herzen an diesem Betrieb. Verständnis für derartige Sentimentalitäten erwartet aber keiner mehr. Denn die große Masse aller Beteiligten verfolgt dieses traurige Kapitel der deutschen Wirtschaft sowieso nur noch aus der Ferne. Jörg Schaarschmidts Familie mit der kleinen Lena (6) und Fabian (13) feiert nun das zweite Weihnachtsfest in der Ungewissheit. Lesen Sie dazu auch "Angemerkt".