Ein Möbelhaus macht vor, was möglich ist

Erfolgsgeschichte Wie ein Plauener Einrichtungshaus zum Trendsetter wurde

Plauen. 

Plauen. Immer wieder gelingen Unternehmern im Vogtland scheinbar unerklärliche Leistungen. Zum Beispiel ist es heutzutage einem eher kleinen Einrichtungshaus nicht möglich, im Abverkaufs-Zeitalter mit den Großindustriellen Schritt zu halten. Das Möbelhaus Künzel steht jedoch so gut da wie noch nie in 98 Jahren Firmengeschichte. Wie das möglich ist, wollte der BLICK-Reporter von Inhaber Frank Roscher wissen. Der 45-Jährige spricht ganz offen über die Geschäftsphilosophie eines Betriebes, der in vier Gesellschaftssystemen Erfolg hatte und jetzt 30 Jahre nach dem Fall der Mauer sogar voller Optimismus in die Zukunft startet.

Mitglied in Europas größtem Möbelverbund

Frank Roscher ist der Ur-Enkel von Tapeziermeister Walter Künzel. Der Plauener gehörte im Jahr 1921 zur Gründergeneration, die den Deutschen jene "Goldenen Zwanziger" bescherte, wie diese Wirtschaftsepoche der 1920er Jahre in den Geschichtsbüchern genannt wird. Kaum eines der Unternehmen von damals existiert noch. "Es liegt immer an jedem Einzelnen. An der Kompetenz der Mitarbeiter und daran, ob man ständig mit der Zeit geht, damit man eben nicht mit der Zeit geht", sagt der geschäftsführende Gesellschafter. Möbel Künzel hat sich in der Marktwirtschaft nicht nur behauptet. Das Unternehmen ist zu einem Trendsetter und Mitglied in Europas größtem Möbelverbund geworden. Über 2.000 Händler gehören diesem EMV an. "Wir bekommen durch diese internationale Händlergemeinschaft ganz oft sogar günstigere Konditionen als der Großflächenhandel", verrät der Betriebswirt, der an der Möbelfachschule in Köln studiert hat und zudem einen Abschluss als Bankkaufmann vorweisen kann.

Passgenau nach Wunsch

Immer wieder betont Frank Roscher wie wichtig eine gute Beratung und somit die Kompetenz seiner Mitarbeiter ist. "Eigentlich will der Kunde Möbel kaufen, die zehn oder 20 Jahre halten. Manche sogar viel länger. Wir haben die und wir haben uns darauf spezialisiert, diese Möbel passgenau für das jeweilige Zuhause anzuliefern", geht Frank Roscher ins Detail. Im Klartext heißt das: Im 1997 eröffneten Möbelhaus an der Böhler 13 stehen ganz viele Beratungsmuster. Wie in einem Baukastensystem kann man dann das jeweilige Möbelstück variabel rechtsherum oder linksherum bestellen. Frank Roscher verrät: "Die Kunden bekommen bei uns zudem etliche verschiedene Bezüge zur Auswahl und/oder können auch sonst einige zusätzliche Highlights ein- oder anbauen lassen." Genauso ist Möbel Künzel demnach zum Spezialisten geworden.

"Wir können sicherlich nicht alles. Aber wir können eben mehr und wir bieten auch viel mehr Service, als es in der Branche Standard ist", betont die neunköpfige Mitarbeiter-Mannschaft. Man muss sich das so vorstellen wie beim Autokauf: Auf 2.000 Quadratmetern bietet das Möbelhaus Sofas, Küchen, Wohnwände, Kleinmöbel, Schlafzimmer und vieles mehr, von dem nichts vorgefertigt ist. Zusammen mit dem Einrichtungsberater kreiert der Kunde genau das, was er möchte und braucht.

Seit 98 Jahren in Plauen

Zur Historie: Am 10. Oktober 1921 eröffnete Walter Künzel sein Geschäft in der Pfaffenfeldstraße 4, direkt neben dem legendären "Tivoli". 1947 trat Sohn Werner Künzel in die Fußstapfen. Er gründete in der Böhlerstraße 10 eine Möbeltischlerei. Das Unternehmen überstand die DDR-Zeit, weil man im Jahr 1972 von der Zwangsverstaatlichung verschont blieb. Und am 1. Juli übernahmen zwei der Enkel - nämlich Ingrid Roscher und Wolfgang Künzel - das Unternehmen und führten es weiter. Frank Roscher hat im Jahr 2007 die Geschäftsleitung übernommen und führt diese Erfolgsära fort. Auch er setzt auf Bescheidenheit und Qualität.

Heute startet Möbel Künzel übrigens die große Frühjahrsputzaktion mit zahlreichen Verkaufsknüllern.