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Eine erzwungene Aussiedlung

Aktuell Zeitzeuge will Kindern berichten

Ebersgrün/Mißlareuth. 

Zwangsaussiedlung, das Thema wurde bisher kaum aufgearbeitet. Die Reuther Hortkinder wollen dazu unter Anleitung von Doritta Korte, Leiterin der Kindertagesstätte, ein Denkmal für Mißlareuth errichten, wo die Zwangsaussiedlung vollzogen wurde. Karl Krauß aus Ebersgrün sagt: "Ich finde gut, dass so etwas gemacht wird." Der Senior, aufgewachsen in Dobareuth in einem Gasthaus, hat die Zwangsaussiedlung selbst erlebt. Die Ereignisse haben ihn geprägt. Er wird sie nie vergessen.

"Wir mussten 1962 weg", erinnert sich er sich, damals 16 Jahre jung. "Sie kamen am 3. Oktober früh um fünf. 20 Leute in Zivil. Sie kassierten die Ausweise ein, sprachen von einem vorübergehenden Wohnortwechsel." Die Familie wurde in einen Ort bei Jena gebracht. Warum es Familie Krauß getroffen hatte? "Wir hatten nichts Unrechtes getan", so Karl Krauß. Er glaubt, dass die Staatsmacht die Menschen abschrecken wollte. "Aus jedem Ort wurden zwei bis drei Familien ausgesiedelt. Familien, die als einflussreich galten. Gastwirte, Friseure und Bauern." Die Sehnsucht nach der Heimat war bei Familie Krauß immer da. Im März 1964 zog man nach Ranspach, später nach Ebersgrün. "Wir hatten immer gehofft, dass wir wieder heim dürfen", sagt Karl Krauß. Nach 1990 war es endlich soweit, es kam zur Rückführung des Eigentums. Karl Kauß heute: "Ich habe erlebt, wie es ist, in einer Gesellschaft zu leben, in der Willkür herrscht, dass Bürger einfach fortgebracht werden." Gerne würde er den Hortkindern in Reuth von damals berichten. Damit das Thema Zwangsaussiedlung nie vergessen wird.