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Eine vogtländische Weihnachtsgeschichte

advent Das Gefühl von Heimat - Weihnachten zuhause

Mit einem lauten Quietschen fährt die überfüllte S-Bahn am Gleis 1 ein. Nur mit Mühen kann Katrin ein Gähnen unterdrücken. Die letzten Wochen haben ganz schön geschlaucht. Als sich die Türen der Bahn öffnen, schiebt sich mit ihr eine große Traube von Menschen in den stickigen Triebwagen. Aus den Lautsprechern dudelt irgendeine Weihnachtsmusik und versucht ein bisschen vorweihnachtliche Stimmung inmitten des Großstadtdschungels zu zaubern. Während sich die Bahn in Bewegung setzt, kündigt Katrins Smartphone den Eingang einer Nachricht an. Es ist eine Nachricht von ihrem Vater, eine Nachricht von zu Hause.

"Hallo ihr Lieben, wir haben eben die ganze Wohnung geschmückt, der Räuchermaaa pafft vor sich hin und Mama hat sogar schon Plätzchen gebacken. Es riecht verführerisch. Jetzt fehlt nur noch der Weihnachtsbaum. Aber den suchen wir gemeinsam aus, wenn ihr da seid. Wir freuen uns auf euch. Liebe Grüße, Papa." Ein Lächeln huscht über ihre Lippen und für einen Moment sind die übervolle S-Bahn und der Großstadtstress vergessen: Zu Hause. Drei Wochen später: "Sind wir bald daaaaa?", quengeln die Kinder schon seit Stunden vom Rücksitz des Autos. "Ja, es dauert nicht mehr lang", sagt ihr Mann Bernd und wirft einen Blick in den Rückspiegel. Katrin sieht aus dem Fenster und beobachtet die vorbeiziehende Winterlandschaft. Als sie endlich das ihnen vertraute Ortseingangsschild passieren, überfällt sie plötzlich dieses wohlig warme Gefühl, was sie jedes Mal empfindet, wenn sie ihre Eltern im Vogtland besucht: das Gefühl von Heimat. "Schön, dass ihr da seid! Wie war die Fahrt? Habt ihr Hunger? Und die Kinder sind aber groß geworden!", Katrins Mutter ist ganz aufgeregt. Sie muss eine Ewigkeit damit verbracht haben, das ganze Haus in diese weihnachtliche Wunderwelt zu verwandeln: es duftet nach Räucherkerzchen und Stollen, die Pyramide dreht sich und die Nussknackersammlung steht wie eh und je im Regal an ihrem gewohnten Fleck. Es ist so schön wieder hier zu sein. "Wir trinken jetzt erst mal schön Kaffee und dann gehen wir den Weihnachtsbaum aussuchen", sagt ihr Vater und drückt dabei seine beiden Enkel fest.

Eine Pferdekutsche bringt sie bis auf die riesige Plantage. Bäume überall wohin man sieht - kleine, große, breite, schmale - und dazu diese idyllische Ruhe. Mit einer Säge bewaffnet stapfen sie durch den glitzernden Schnee. "Opa, Opa...schau mal hier. Der ist schön.", sind sich die Kinder ausnahmsweise mal einig und zeigen freudig auf einen schön gewachsenen Baum. "Na dann, lasst ihn uns mitnehmen. Und morgen an Heilig Abend wird er angeputzt", freut sich ihr Vater nicht viel weniger als die Kinder.

Es ist der 24.Dezember  - Heilig Abend. Das sonst so herrlich grüne Vogtland ist von einer weißen Schneeschicht überzogen. In diesem Jahr hat es tatsächlich mal pünktlich vor den Weihnachtsfeiertagen geschneit. Gemeinsam spazieren Katrin und ihr Mann Bernd durch den Ort und betrachten die weihnachtlich geschmückten Häuser. Alles scheint noch ein bisschen ruhiger und idyllischer als sonst. "Alles in Ordnung, Schatz? An was denkst du?", fragt Bernd, als sie plötzlich stehen bleibt. ,ZU VERKAUFEN' steht in großen Lettern auf einem Schild. Das Häuschen wirkt im Lichterglanz der Nachbarhäuser umso verlassener. Und dennoch gefällt es ihr auf Anhieb. "Hast du nicht auch schon mal darüber nachgedacht, wieder zurück ins Vogtland zu ziehen?", fragt sie, noch immer ganz in Gedanken versunken. Er legt einen Arm um sie: "Sicher. Aber so einfach ist das nicht. Erst einmal müssten wir eine neue Arbeit für uns finden. Lass uns weiter gehen. Deine Eltern warten sicher schon.". Schweren Herzens löst sie den Blick und folgt ihrem Mann.

Der Heilig Abend und die Weihnachtsfeiertage vergehen wie immer viel zu schnell. Als wären sie eben erst angekommen, stehen sie schon wieder mit Sack und Pack im Flur ihres Elternhauses. "Hier, ein bisschen Proviant für die Fahrt. Und vom Stollen haben wir euch auch noch was eingepackt. Fahrt schön vorsichtig und sagt Bescheid, wenn ihr angekommen seid", ihr Vater drückt ihr einen vollgepackten Korb in die Hände. Nun heißt es wieder einmal Abschied nehmen. Abschied von ihren Eltern, Abschied von der Heimat. Sie stopft gerade die dreckige Wäsche der letzten Tage in die Waschmaschine, als ihr Mann aus der Küche ihrer Mietwohnung ruft: "Schau mal Schatz". Scheinbar hat er den prall gefüllten Korb ihres Vaters ausgeräumt. "Sieht so aus, als wenn uns deine Eltern eine Zeitung eingepackt haben". "Eine Zeitung?". Sie nimmt die Ausgabe und schlägt sie auf. "Mmmhhh...komisch". Sie blättert weiter und da springt es ihr schon entgegen: eine eingekreiste Anzeige. Daneben hat ihr Vater einen Smiley gemalt, dazu die Worte: "Vielleicht ist ja was für euch dabei?". Sie lächelt und muss prompt wieder an das schöne Häuschen denken, an zu Hause, an ihr schönes Vogtland. "Fachkräfte gesucht. Jetzt auf www.vogtlandjob.de aktuelle Jobangebote finden" wirbt die Anzeige für eine Stelle in ihrer Heimat...

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