Erste Großdemo: Wo soll das Infozentrum hin?

Diskussion Friedliche Revolution gegen das DDR-Regime begann in Plauen

Plauen. 

Plauen. "Ist das euer Ernst?" Diese Frage stellte Lennox Thomas erst kürzlich am Brandenburger Tor. Der Plauener erfuhr während einer Stadtführung von den Streitigkeiten um die Hauptstadtfrage. Am 20. Juni 1991 wurde in Deutschland diskutiert, ob Berlin oder Bonn der Regierungssitz sein soll. Die Debatte des Bundestags dauerte zwölf Stunden. Drei Jahrzehnte später zuckt Lennox mit den Schultern und schmunzelt. Der 18-Jährige kann nicht verstehen, welche Emotionen und verbissene Diskussionen zu einem ganz knappen Abstimmungsergebnis geführt haben. Berlin wurde Hauptstadt im wiedervereinten Deutschland. Heute ist das unstrittig.

"Ist das euer Ernst?"

Auch in Lennox' Heimatstadt geht es immer wieder heiß zur Sache, wenn über das Vermächtnis der "Wende in Plauen" gestritten wird. Nicht nur die Helden von damals: Auch die nachfolgenden Generationen freuen sich über das Denkmal zwischen "Tunnel" und Rathaus. Jener Ort, wo die erste Großdemonstration gegen das DDR-Regime stattfand. Heute weiß man auch in Berlin: "Am 7. Oktober 1989 schauten die Medien auf die Feiern zum 40. DDR-Geburtstag in Leipzig, Berlin und Dresden. Fast unbemerkt bleiben die 15.000 Demonstranten in Plauen. Bewaffnete Sicherheitskräfte versuchen, die Kundgebung zu beenden. Doch ohne Erfolg", schreibt die Bundesregierung auf ihrer Internetseite. Lange stand diese Tatsache zur Diskussion. Immer wieder gab es Gegenstimmen. Lennox Thomas fragt heute rückblickend: "Ist das euer Ernst?"

Plauen war 1989 die Stadt der ersten Großdemo

Auch der Verein Vogtland 89 muss sich gegen Widerstände wehren. Er startet jetzt eine Kampagne "Stimmen für ein IDZ". Es geht um die Errichtung eines Informationsortes zur Friedlichen Revolution in Plauen (IDZ). Dirk Heinze ist stellvertretender Vorsitzender: "Plauen hat im Herbst 1989 viel erreicht. Bekannt ist davon außerhalb der Stadt nur wenig. Das soll sich aber ändern." Passiert ist in den letzten fünf Jahren richtig viel. Plauen findet nach und nach Gehör. Und der Verein Vogtland 89 e.V. setzt sich jetzt erstmals richtig laut für die Schaffung eines Informationsortes zur Friedlichen Revolution in Plauen (IDZ) ein. Ende 2019 hat der Plauener Stadtrat dazu einen positiven Grundsatzbeschluss gefasst. Nun geht es um die richtige Entscheidung für den Standort der neuen Einrichtung. Zur Diskussion stehen ein kombinierter Neubau gemeinsam mit der Tourist-Information in der Melanchthonstraße 1A in unmittelbarer Nähe zum damaligen Ereignisort und zum heutigen Wendedenkmal. Alternativ dazu ist eine Sanierung des alten Brandschutzamtes im Oberen Graben 20 im Gespräch.

Der Verein Vogtland 89 positioniert sich

"Der Verein Vogtland 89 ist vom Standort Melanchthonstraße überzeugt und startet dafür nun eine Informationskampagne im Internet. Auf der Webseite www.vogtland89.de sowie auf der Facebook-Seite des Vereins erklingen jetzt "Stimmen für ein IDZ". Der Verein will mit dieser Aktion die Bürger informieren und ein Zeichen für die bevorstehenden Beratungen im Plauener Stadtrat setzen. "In Coronazeiten sind öffentliche Veranstaltungen leider eingeschränkt - im Internet glücklicherweise nicht", argumentiert Dirk Heinze. Was die Kinder von Lennox Thomas in 30 Jahren zu den aktuellen Diskussionen sagen werden? Man weiß es nicht! Aber man kann es sich denken...