Essen wir uns krank?

Ernährung Die Gesundheitspioniere im Vogtland zeigen, dass es besser geht

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Für Bäckermeister Rico Wagner von der Bäckerei Müller gehören das Backen und die Chemie nicht zusammen. Foto: Karsten Repert

Plauen. Nie in der Geschichte der Menschheit haben wir mehr über die Gesundheit gewusst als heute. Und trotzdem machen immer mehr Menschen Fehler. Und diese Fehler sind irreparabel. Denn das Leben ist kein Probelauf. Natürlich werden auch die Vogtländer im Durchschnitt immer älter. Die Frage ist nur wie. Dr. Otto Pecher stellte erst vergangenes Wochenende bei seinem Ärztevortrag in Treuen fest: "Die Medizin hat das Leben verlängert." Der Wissenschaftler aus dem Hause Physiotherm nannte zum Beispiel Antibiotika als eine der Wunderwaffen der Neuzeit. Und wohl genau deshalb mahnte Otto Pecher öffentlich: "Wir müssen wieder mehr rausgehen, mehr Wasser trinken und uns wieder selbst verstehen lernen." Dazu gehört ganz besonders der Faktor Ernährung.

Denn wer jetzt "schlecht" isst, dem wird es im Alter sehr wahrscheinlich nicht besonders gut gehen. Diese Vermutung belegen die Statistiken in den Krankenhäusern. "Wir sind, was wir essen. Und immer häufiger essen sich die Menschen krank", stellt eine der vielen landwirtschaftlichen Studien fest. Bäckermeister Rico Wagner freut es "dass dieses Thema jetzt endlich großformatig aufbereitet wird." Der Plauener gehört zu den Gesundheitspionieren im Vogtland. Er spricht gleich für seine Bäckermeisterkollegen mit: "Wir Bäcker können einfach nicht verstehen, dass der Vogtländer Nahrungsmittel kauft, wo noch nicht einmal der Verkäufer weiß, was darin ist."

Backen ohne Chemie heißt das Versprechen von Bäckermeister Rico Wagner. Er lässt inzwischen Purpur-Getreide anbauen. Seine Bäckerei Müller landete mit dem Chia-Samen-Brot einen Verkaufsschlager. "Unsere Philosophie heißt, wir wollen ohne Chemie backen. Und wir suchen immer nach dem besonderen Geschmack", betont der Bäckermeister aus Plauen. Die Franzmühle in Elsterberg hat demnach einen vogtländischen Bauern beauftragt, Purpur-Getreide anzubauen. Backen ohne Chemie bedeutet, in der Bäckerei Müller wird der Zusatz von Brotbackmittel konsequent abgelehnt. Die Qualität des originalen Dreistufen-Sauerteiges dürfte dabei die Discounter-Anbieter um Längen schlagen.

Das alleine aber treibt den Bäckermeister nicht zu derartigen Leistungen. "Es ist vor allem wichtig, nicht stehen zu bleiben und das Handwerk weiterzuentwickeln. Genau das hat nämlich unsere Zunft Jahrhunderte lang ausgemacht", weiß Rico Wagner, der die Bäckerei vom Opa übernommen hatte. Seine Angestellten versucht der Chef immer auf den neuesten Stand zu bringen. "Sollte eine unserer Fachverkäuferinnen die Frage eines Kunden nicht aus dem Stehgreif beantworten können, dann soll dieser Kunde bitte seine Telefonnummer hinterlassen. Ich rufe persönlich zurück", verspricht Rico Wagner.