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Fans feiern "Feine Sahne Fischfilet" in Plauen

Konzert Band kommt in die Kaffeerösterei - Publikum war bunt durchmischt

Plauen. 

Plauen. Zum Finale stand mehr Publikum auf der Bühne als es Musiker waren. Gemeinsam sang und klatschte man, umarmte sich. Nah an den Leuten dran, das war es, was das Konzert von Feine Sahne Fischfilet am Samstagabend so besonders machte. Die Band aus Mecklenburg-Vorpommern schien sich sehr wohl zu fühlen im alternativen Treff in Haselbrunn. Genauso wie die Fans, denn das Konzert war schon lange vorher ausverkauft.

Fans kamen von überall her

Etwa 350 Kilometer weit war Marco Buchal aus Hildesheim gefahren. Am Tag zuvor war er bereits in Saalfeld beim Konzert von Feine Sahne Fischfilet gewesen. "Die Band spricht mir einfach aus der Seele, politisch und auch emotional." Sein Ticket hatte der junge Mann über Umwege auf Facebook ergattern können. Auf dem Bartresen saßen stolz zwei Mädels, gerade mal acht Jahre alt. Mit Fanshirt von Feine Sahne Fischfilet bekleidet. Bei den ersten lauten Tönen bekamen sie von den Müttern Ohrenschützer aufgesetzt. "Die Kinder sind ganz große Fans", berichtete Mutter Anja. "Klara hatte sich ein Ticket extra zum Geburtstag gewünscht."

Aus Werda bei Greiz waren sie nach Plauen gekommen. Katleen Rödel ist ehemalige Vogtländerin: "Ich komme aus der Ecke." Mit Alexander Kretschmar war sie aus Wunsiedel zum Konzert nach Plauen gefahren. "Wegen des Themas und wegen der Band", sagte sie. Und: "Wir haben das Problem auch vor der Haustür." Damit meinte sie den Rechtsextremismus.

Karten waren schnell vergriffen

Weder davon noch von Linksradikalismus war etwas beim Konzert von Feine Sahne Fischfilet zu spüren. Die Veranstalter hatten eine Security aus Leipzig vor Ort, auch wegen der Größe des Konzertes. Es war für die Kaffeerösterei zweifellos das Highlight des Jahres. Das Konzert war lange vor der Bandauftritt in Chemnitz, vor dem Hin und Her von Bauhaus in Dessau geplant gewesen. Vor einem Jahr schon, heißt es von Röste-Veranstaltern, zu welchen 20 Vereinsmitglieder gehören und von den denen keiner mit Namen genannt werden wollte, stand der Termin fest. Die Online-Karten seien an einem Tag weg gewesen, an den Vorverkaufsstellen standen die Leute Schlange. 300 Leute passen rein in die Röste, mehr geht nicht. "Wir wollen uns auch nicht vergrößern,", heißt es vom Kulturverein. Die Atmosphäre, die Gemütlichkeit, die man in der Kaffeerösterei spürt, genau so soll sie als kleiner Club bleiben.

Musiker wurden gefeiert - nicht nur für ihre Songs

Mit der Düsseldorfer Hardcore Band "Myterror" und dem Tote-Hosen-Song "Halbstark" erlebte der Abend einen Auftakt, der das Publikum aufheizte. Kurz nach neun, alles wartete vor der Bühne, klang es im Sprechchor dann "Nazis raus". Und dann: "Wir sind zurück in unserer Stadt" von Feine Sahne Fischfilet. Von Anfang an sprang der Funke über zu den Zuhörern, mit jedem Song stieg die Stimmung, schien geradezu überzukochen.

Vor allem der charismatische Frontmann Jan Gorkow, auch "Monchi" genannt, wurde euphorisch gefeiert. So ein bisschen was hatte er was von einem Riesen-Kuschelteddy, ehrlich blickende Augen hat und einem Schutz gebend. Oder einem Monchichi - ganz gemäß seines Spitznamens. Dabei kommt er zugleich wie ein Fels in der Brandung rüber. Der Kraft hat, den nichts umhauen kann. Und der klare und deutliche Worte sprach. Genau das tat er in Plauen zwischen den Songs, unermüdlich, immer wieder. Worte von Menschlichkeit, die man ihm abnimmt, die er auch so meint. Etwa wenn er davon berichtete, als er in Lesbos war, im riesigen Flüchtlingslager. "Wir haben Respekt vor den Leuten, die Menschen vor dem Ersaufen retten."

Es seien in dem Moment keine Moslems, Juden oder Christen, Schwulen oder Lesben, sondern Menschen, den man helfen müsse, um sie zu retten. Als er zurück kam, hat er ein Lied drüber geschrieben. Und Leute von der Seenotrettung hatte er gleich mitgebracht nach auf die Tour samt Infostand und Spendenbox. "Damit sie mit den Leuten ins Gespräch kommen." Auch das Geld für die Abgabe der Garderobe ging an diesem Abend in Plauen in die Spendenbox.

Menschen sollten sich engagieren

Beim Crowdsurfen, auf den Schultern sitzend, klatschend und jubelnd, mitsingend, so erlebte man das Publikum. Dabei immer friedlich und mit dem Grundgedanken vereint: Gegen Rechts. Jan Gorkow, der gut gelaunt zwischendurch immer mal Wasser, Bier oder Pfeffi ins Publikum reichte, machte den Leuten Mut, nicht nur im Internet ein Häkchen machen, sondern sich zu zeigen, auf die Straße zu gehen. Mit Liedtexten wie "Ich vergesse nie die Tage", "Zuhause heißt, wenn dein Herz nicht mehr so schreit!" oder "Komm wir reichen uns die Hand und wir werden schon sehen, dass die zeitlosen Momente wirklich niemals vergehen" gelang es der Band, die Leute zu berühren. Der Hit "Komplett im Arsch" dann als Zugabe.

"Es ist ein Mutmacher-Konzert für die Leute, die sich gegen Rechts engagieren, es soll ein Dankeschön sein", hieß es vom Kaffeerösterei-Verein. Und Sänger Jan Gorkows betonte, als er den Machern und allen Helfern abschließend ein Riesendankeschön sagte: "Es war wunderschön." Solche Läden wie die Röste am Leben erhalten, das sei es. Die Band war vor fünf Jahren schon mal in Plauen war, beim Projekt Schuldenberg, damals sei nur ein Bruchteil vom jetzigen Publikum da gewesen. Die Schuldenberg-Leute indes waren vor Ort, boten in der Röste (auch vegane) Hotdogs an. Und luden dann zur After-Show-Party in ihr Domizil ein.



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