Für die Fußball-Liebe um die halbe Welt: Ein Vogtländer über die Traumreise zu „seinen“ Bayern in die USA

Begegnung mit Stars, Münchnern, Alligatoren, Feuerwehrmännern: Fußballfans jagen den Klub-WM-Traum

Vogtland/Rabenau/USA

René aus dem Vogtland reiste im Juni gemeinsam mit Freunden aus dem Bayern-Fan-Club Rabenau in die USA nach Miami. Anlass der Reise war ein besonderes Ereignis: der FC Bayern spielte in den USA um den Titel bei der Klub-Weltmeisterschaft. Für die begeisterten Bayern-Fans war das eine äußerst schöne Gelegenheit, ihren Verein auf internationaler Bühne hautnah zu erleben. Die Reisegruppe bestand aus acht Personen. Der BFC Rabenau bei Dresden zählt rund 400 Mitglieder und gehört zu den größten Bayern-Fan-Clubs im Osten Deutschlands.

Aus verrückter Idee wurde Realität

Maik, der Vorsitzende des BFC Rabenau, brachte die Reise ins Rollen. Schon seit Jahren organisiert er die Fahrten zu Bayern-Spielen, egal ob auswärts, in der Allianz Arena oder europaweit. Was zunächst wie eine verrückte Idee klang, wurde schnell zu einem festen Plan. Unter den acht Mitreisenden war auch eine Frau, die sich diese Chance nicht entgehen lassen wollte.

Begegnung mit ehemaligem Bayern-Spieler

Die Reise startete in Dresden, führte über Frankfurt am Main und endete nach zirka elf Stunden Flugzeit in Miami. Schon am Flughafen in Frankfurt hatte die Gruppe einen besonderen Moment: Sie begegneten Claudio Pizarro, einem ehemaligen Bayern-Star - ein Erinnerungsfoto war natürlich Pflicht.

Besonderes Erlebnis

Für die Fans war es eine einmalige Gelegenheit: den FC Bayern live zu sehen und gleichzeitig die USA zu erkunden. Neben dem Fußball stand für alle vor allem das Sammeln unvergesslicher Eindrücke im Vordergrund. An Tickets mangelte es nicht, die Nachfrage aus Deutschland blieb überschaubar. Am Ende waren es wohl zirka 250 Münchner, die sich auf die Reise gemacht haben. 15 von ihnen bleiben sogar das komplette Turnier dort, unter der Bedingung, dass es der FC Bayern ins Finale schafft.

Miami erkundschaften

Am ersten Tag erkundeten die Fans zunächst die Gegend und ihre Unterkunft in Miami. Alle blieben vom bekannten Jetlag verschont. Am zweiten Tag standen ein Strandbesuch und am Nachmittag ein Fanfest mit einem Wiedersehen mit Claudio Pizarro und Giovane Élber auf dem Programm. Am Abend folgte der sportliche Höhepunkt: Der FC Bayern spielte im ausverkauften Stadion gegen Boca Juniors.

"Fußballerisch gesehen war dieses Spiel das Highlight der Reise"

"Fußballerisch gesehen war dieses Spiel das Highlight der Reise", erzählt René. "Das Stadion war ausverkauft, was für dieses Turnier eine Seltenheit darstellt, leider. Wir haben schon viel in Europa an Stimmung mitbekommen, aber was zu diesem Spiel los war... einfach Wahnsinn und nicht zu beschreiben, wie über 50.000 Argentinier bereits weit vor dem Spiel durchgängig in einer Intensität hüpfen, tanzen und singen, wie es wahrscheinlich nur Südamerikaner können. So etwas hatte persönlich noch niemand erlebt und wir haben jeden Moment sprachlos genossen. Der zwischenzeitliche Ausgleich kam einem Orkan gleich und zeigt mir, was Fußball bewirken kann." Es war trotz 2:1-Niederlage für die Argentinier ein friedlicher Abend mit netten Menschen, die zusammen gefeiert haben.

Alligatoren im Everglades-Nationalpark beobachten

Am dritten Tag stand ein Ausflug in den Everglades-Nationalpark auf dem Programm. Mit einem Airboat fuhren die Fans durch die Sumpflandschaft und beobachteten dabei Alligatoren aus nächster Nähe. Am Abend spazierten sie über den berühmten Ocean Drive - "auch da alles prunkvoll und von einer anderen Welt", sagt René strahlend.

Zwischenstopp in Palm Beach

Am vierten Tag begann die Weiterreise in Richtung Charlotte, denn da fand das nächste Bayern-Spiel statt. Zwischen Miami und Charlotte liegen etwa 1.100 Kilometer. Auf dem Weg legte die Gruppe Zwischenstopps in Palm Beach und St. Augustine ein - einem kleinen Ort mit traumhaftem Strand. In Palm Beach besuchten sie eine Feuerwache, die besonders "Icke", selbst Feuerwehrmann als Beruf, faszinierte. Für ihn ging damit ein Kindheitstraum in Erfüllung: einmal eine amerikanische Wache samt Einsatzfahrzeugen aus nächster Nähe zu erleben.

"Besonders aufgefallen ist uns hier die natürliche Freundlichkeit der Amerikaner"

René erinnert sich: "Besonders aufgefallen ist uns hier die natürliche Freundlichkeit der Amerikaner." Ganz selbstverständlich öffneten die Feuerwehrleute ihre Türen, führten die Gruppe herum und erklärten alles bis ins Detail. Am Ende bekam "Icke" sogar noch ein kleines Geschenk.

Charlotte - "das Frankfurt der USA"

Am fünften Tag ging es dann ohne Unterbrechung Richtung Charlotte weiter, etwa 650 Kilometer entfernt. "Die Stadt Charlotte war für alle die große Unbekannte und jeder musste googlen", schmunzelt René. "Aber alle wurden positiv überrascht. Es ist das Frankfurt der USA, das Finanzzentrum aller bekannten Banken und Versicherungen." Den Tag ließen die Fußballfans in einem typisch amerikanischen Burger-Laden und später in der Hotellobby ausklingen.

Fußballspiel bei über 40 Grad Celsius

Am sechsten Tag stand um 15 Uhr das nächste Bayern-Spiel in Charlotte an. Bei 37 Grad Celsius im Schatten und ohne Stadiondach wurde es zu einer schweißtreibenden Angelegenheit. Ohne Kopfbedeckung war es kaum auszuhalten. Gegner war diesmal Benfica Lissabon. René beschreibt die Fußballbegegnung mit den Worten: "Da merkte man gleich, dass man in einem Land war, welches Fußball nur als Randsportart wahrnimmt". Insgesamt waren um die 35.000 Zuschauer im Stadion, das für 75.000 Zuschauer ausgelegt ist. Die knappe Hälfte der Plätze war also nicht belegt. Stimmung kam aus dem diesem Grund nicht wirklich auf.

Eine riesige Auswahl an Verpflegung im Stadion

Immerhin waren viele Bayern-Fans aus den USA, Mexiko und Kanada angereist, doch das Flair blieb ungewohnt. Besonders fiel den Fans die riesige Auswahl an Verpflegung auf. "Allein im Stadion die ganzen Verpflegungsstände - in Deutschland wäre so eine Auswahl und Masse nur zu einem Street Food Festival möglich, Cocktailbars und eine Art Mini-Supermarkt. Alles ein bisschen zu viel für meinen Geschmack, aber eben typisch USA."

Spieler-Trikot von Konrad Laimer als Höhepunkt

Das Spiel verlor der FC Bayern, doch die Niederlage trübte die Stimmung der Reisegruppe nicht, denn einer erhielt das Spiel-Trikot von Konrad Laimer. Das war ihr Höhepunkt. Den Abend verbrachte die Gruppe noch in einer Kneipe, aber nicht in irgendeiner, sondern in der größten Fassbier-Kneipe der Welt. Sagenhafte 436 Sorten Bier bietet die Kneipe an. Am letzten Tag ging es schließlich wieder in die Heimat. Dieses Mal betrug die Flugzeit nur siebeneinhalb Stunden.

René zieht sein Fazit

"So verrückt es auch am Anfang klang, es war für alle mehr als nur eine Reise für zwei Fußballspiele", schmunzelt René. "Die ganzen Erlebnisse und Eindrücke sind nicht so einfach zu verarbeiten, aber bleiben für immer. Die Offenheit der Amerikaner mit ihrer ganzen Kultur ist einmalig und hat meine anfängliche Skepsis verfliegen lassen. Es gab keinerlei Probleme, wenn es nur nicht das leidige Thema Steuer und Trinkgeld auf den Quittungen wäre. Aber auch das ist typisch Amerika und wir konnten es verschmerzen. Für mich steht auf jeden Fall fest, das war nicht der letzte Besuch in den USA."

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