Gegen das Vergessen von Millionen Kriegsopfern

Sonderschau Ende des Fürstentums Reuß älterer Linie vor 100 Jahren" in Greiz

Greiz. 

Greiz. Eindrucksvoll ist die Sonderausstellung "Die unblutige Revolution in Greiz - Das Ende des Fürstentums Reuß älterer Linie vor 100 Jahren", die gegenwärtig im unteren Schloss in Greiz zu besichtigen ist. Ausgangspunkt in der Schau ist der Erste Weltkrieg. Den Opfern ein Gesicht geben, sie als Mensch darzustellen, um so die grässliche Fratze des Krieges zu offenbaren, dazu trägt bei, wenn man das Schicksal von Curts Nestmann liest.

"Ohne den Ersten Weltkrieg hätte es nicht die Revolution gegeben"

Nach seiner kaufmännischen Lehre diente der junge Mann aus Schleiz, 1890 geboren, als Flieger im Krieg. Er wurde nur 26 Jahre alt. Und da ist noch das dicke Buch in der Vitrine. Es ist Teil eines nicht mehr existierenden Gedenkschreines. Albert Gottschow, ab 1919 Zeichen- und dann Oberlehrer in Greiz, hatte hier für jeden im Ersten Weltkrieg gefallenen ehemaligen Schüler des Greizer Gymnasiums eine Seite gestaltet. Die vielen, vielen Seiten sprechen Bände über das Ausmaß der Todesopfer. "Wir wollen auch die Propaganda des Krieges darstellen", sagt Rainer Koch. Kriegssekt gab es, der Krieg wurde verherrlicht. Zu Kriegsbeginn herrschte Euphorie. Bis die Ernüchterung kam, vier Jahre später, im Jahr 1918, als der schreckliche Krieg ein Ende fand.

Die Schau widmet sich auch den Ereignissen zwischen 1918 bis 1919 in der Landeshauptstadt Greiz. "Ohne den Ersten Weltkrieg hätte es nicht die Revolution gegeben", stellt Koch klar. Wie verliefen die revolutionären Ereignisse in Greiz, der Landeshauptstadt des Fürstentums Reuß älterer Linie? Es war eine unblutige Revolution. Die Fürstliche Landesregierung trat zurück. Aus dem Fürstentum Reuß älterer Linie wurde der Freistaat Reuß älterer Linie. Analog war dies auch in Reuß jüngerer Linie so geschehen. Beide Freistaaten vereinigten sich zum Volkstaat Reuß, der 1920 Bestandteil Thüringens wurde.