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Gegen die Panikmache: Kein erhöhtes Infektionsrisiko im ÖPNV

Wissenschaft Ausbreitungswahrscheinlichkeit von Aerosolen im Fahrgastraum untersucht

Auerbach. 

Auerbach. Nachdem Sachsens Gesundheitsministerin Petra Köpping in der zweiten Januarwoche öffentlich dazu aufgerufen hatte, angesichts der Coronapandemie Busse und Bahnen zu meiden, ist die Verunsicherung im Freistaat groß. Die fünf Verkehrsverbünde beantworten seither pausenlos die Nachfragen der Fahrgäste. Der Verkehrsverbund Vogtland weist ausdrücklich auf die widersprüchlichen Aussagen der Wissenschaft und der Politik hin. So kam das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt in seinen Untersuchungen zur Ausbreitungswahrscheinlichkeit von Aerosolen im Fahrgastraum von Schienenfahrzeugen am 10. Dezember 2020 zu einem anderen Ergebnis. Deren Wissenschaftler hatten nachgewiesen, dass beim Tragen der Mund-Nasen-Bedeckung so gut wie keine Keime in den Luftkreislauf der Klimaanlage gelangen. Auch wurde anerkannt, dass häufiges Lüften beim Öffnen der Türen in der Regel für saubere Luft sorgt.

Es liegen 20 Studien vor

Jörg Puchmüller ist Pressesprecher der Länderbahn mit Sitz in Dresden, zu der auch das Unternehmen Vogtlandbahn gehört. Er stellt zur Thematik fest: "Die ÖPNV-Branche hat als eine der wenigen Branchen wirklich wissenschaftliche Studien zu Corona durchgeführt: Mehr als 20 Studien weltweit belegen, dass eine Ansteckung im ÖPNV sehr bis extrem unwahrscheinlich ist." Die bekannten Gründe sind: Im ÖPNV ist die Reisezeit extrem gering, der Luftaustausch findet in wenigen Minuten komplett statt. Alle tragen Masken und die Fahrgäste halten automatisch Abstand. "Kurzum, es gibt kein erhöhtes Infektionsrisiko bei der Nutzung des ÖPNV. In unserem Unternehmen gab es zum Beispiel bisher noch nicht einen Ansteckungsfall eines Mitarbeitenden im Zug", gibt Länderbahn-Pressesprecher Jörg Puchmüller zu bedenken.

Es gilt, sachlich zu bleiben

Gleichwohl liegt keinem der befragten Verantwortlichen etwas daran, das Infektionsgeschehen "schön zu reden". Geschäftsführer Michael Barth betont für den Verkehrsverbund Vogtland: "Das aktuelle Infektionsgeschehen stellt alle Verantwortlichen vor große Herausforderungen. Am Ende geht es immer darum, die Fahrgäste sicher und pünktlich zu befördern. Der Verkehrsverbund muss dabei neben dem normalen Tagesgeschäft auch immer wieder auf kurzfristige Entscheidungen aus Dresden reagieren, beispielsweise bei den ab dem 18. Januar 2021 geplanten Massentestungen an den Schulen, wo man offenbar der Meinung ist, es sei ohne weiteres möglich, innerhalb kürzester Zeit einen Shuttel-Busverkehr zwischen den Stammschulen und den Testschulen einzurichten", gibt Michael Barth zu bedenken. Er stellt fest: "Dabei sind in diesem Zusammenhang erhebliche Probleme zu klären. Ich bin froh, dass das Landratsamt uns bei der Abstimmung einer Lösung konstruktiv zur Seite steht. Ebenso wenig hilfreich ist die Dresdener Forderung, man möge weniger Bus und Bahn fahren, um das Infektionsgeschehen besser in den Griff zu bekommen. Gerade im ÖPNV verhalten sich die Menschen sehr vorbildlich, tragen eine Mund-Nasen-Bedeckung und halten Abstand soweit möglich. Es ist auch überhaupt nicht belegt, dass Bus und Bahn besondere Infektionsherde darstellen", lässt VVV-Geschäftsführer Michael Barth wissen.

Verkehrsverbund bedankt sich bei allen Fahrgästen für Disziplin

Der Verkehrsverbund Vogtland bedankt sich heute ausdrücklich bei den Fahrgästen, die durch ihre Vernunft und ihr vorbildliches Mitwirken zu dieser ganz gewiss nicht selbstverständlichen Stabilität beigetragen haben. "Alle dem Verkehrsverbund angeschlossenen Partner haben uns gebeten, dieses Dankeschön in die Öffentlichkeit zu tragen", heißt es in einer Mitteilung. Fahrgastverband PRO BAHN Mitteldeutschland e.V.: hat sich zu den Aussagen von Politikern mit folgender Aussage positioniert: "Panikmache gegen Bus und Bahn unverantwortlich! Fahrgastverband PRO BAHN kritisiert ministerielle Aufforderung, den ÖPNV zu meiden." Bedenklich sehen die vom BLICK befragten acht ÖPNV-Experten vor allem, dass die politischen Äußerungen entgegen aller früheren Anpreisungen stehen. Der Staat investiert einerseits Steuergelder in neue ÖPNV-Modelle, um gleichzeitig das Vertrauen der Menschen, die mit Bus und Bahn fahren sollen, zu zerstören. Es steht vor allem die Frage im Raum: Wem darf der Bürger in diesen widersprüchlichen Aussagen-Gemenge glauben: Dem Wissenschaftler oder dem Politiker?

Auslastung der Busse im Vogtland bei 50 Prozent

In Sachsen sind nach Expertenschätzung gegenwärtig nur 80 Prozent der Busse unterwegs. Deren Auslastung liegt zwischen 40 und 50 Prozent. Im Vogtland beträgt die Auslastung der Busse aktuell in etwa 45 Prozent. Es kann eigentlich immer jeder zweite Sitzplatz frei bleiben. Dies bestätigt der Plauener Omnibusbetrieb: "In den Bussen des Linienverkehrs ist es fast immer möglich, Abstand zu halten." Betont werden muss, dass diese Aussage zum jetzigen Stand deshalb richtig ist, weil derzeit der Schülerverkehr ruht. An Schultagen nutzen die Schüler den Linienverkehr und in der Spitzenlast drängen sich die Schüler auf einzelnen Fahrten. Was man zum Thema Infektionsschutz im Bus wissen sollte: Durch die modernen Lüftungsanlagen kommt es zur permanenten Frischluftzufuhr in den Fahrgastinnenraum. Es erfolgt so ein fortwährender und zügig stattfindender Luftmassenaustausch, der durch das ständige Türen öffnen noch zusätzlich beschleunigt wird. Nach heutiger Erkenntnislage gibt es weder in Bussen, noch in Bahnen, ein erhöhtes Infektionsrisiko.

Weitere Informationen und Fahrpläne gibt es unter www.vogtlandauskunft.de oder bei der Tourismus- und Verkehrszentrale Vogtland (TVZ), Servicetelefon 03744/19449.