Grandios: Juniton-Festival lockt über 600 Besucher nach Syrau

Konzert Ein fantastischer Tag vollgepackt mit handgemachter Musik

Syrau. 

Syrau. Wer hört euch denn noch zu? Die Kleinkunst ist doch am Ende. Immer weniger Bühnen stehen den deutschsprachigen Interpreten offen. In einer Zeit, wo keiner mehr still sitzen kann und die großen Eventshows mit ihrer glamourösen Hülle den mitunter zweitklassigen Inhalt ummanteln. Kann man in so einer Welt ausgerechnet auf dem Dorf ein großes Liedermacherfestival aus dem Boden stampfen? Ja! Weit über 600 Vogtländer wollten dabei sein, beim "Juniton 5.0". Das Musikfestival der Rockpoeten war grandios. Acht Programmacts gab es in neun Stunden. Alles auf höchstem Niveau. Und mittendrin staunten die Großstadtmenschen einfach nur noch Bauklötzer...

 

Eine Fee aus Frankfurt verzaubert Syrau

Mit dem Zug aus der Mainmetropole Frankfurt gekommen war Felicitas Mietz. Die 28-Jährige startet gerade bundesweit durch. Und zwar als "Fee". Die Supporterin von Chris de Burgh, Angelo Kelly, Nena und Christina Stürmer zieht als lebensfroher Quirl immer mehr Fans auf ihre Seite. "Das ist eine coole Socke, obwohl die gar keine Strümpfe trägt", lachte einer im Publikum. Auch in Syrau musste "Fee" eine Zugabe spielen. Dabei hatte ihr Tag alles andere als spektakulär begonnen. "Die Zugfahrt schien endlos. Und dann bin ich als Einzige in Syrau ausgestiegen. Ich habe mich gefragt, ob ich richtig bin." Das Großstadtgirl hat aber gelernt, ganz genau hinzuschauen. Hinter die Fassade. "Ich bin unglaublich toll empfangen worden von den Leuten, die hier im Ehrenamt arbeiten." Dann bat "Fee" das Publikum an die Bühne vor. Und nach ihrem gefeierten Auftritt standen viele Musikfreunde Schlange, um sich eine CD zu kaufen und ein Autogramm abzuholen. Aber! Es kommt noch besser.

 

Drei Hamburger machen Appetit auf mehr

Aus Hamburg angereist waren Lisa Gutbier und Arne Vogeler. Die kühlen Nordlichter kamen "zum Aufwärmen hier nach Syrau. Wir haben die Drachenhöhle kennengelernt und sind begeistert von der tollen Lasershow. Ein Hauch von Rammstein unter Tage", lachte Lisa. Wie im seichten Nordseefahrtwind flogen die Songs des Duos im Abendrot von Syrau empor. Manch einer im Areal der Freilichtbühne kam jetzt endlich mal zur Ruhe. Der Stimmenklang von "Gutbier & Vogeler" hat etwas Ergreifendes. Das gilt erst Recht für den Headliner des Abends: Antje Schomaker! Die 27-jährige Hamburgerin landete mit Revolverheld bekanntlich einen famosen Radiohit. Das Songvideo zu "Liebe auf Distanz" haben im Internet weit über zehn Millionen User angeklickt. "Ich bin vollkommen überrascht, wie toll das hier ist. Syrau? Werde ich mir gut merken", freute sich Antje Schomaker über einen perfekten Livemusikabend. Die Drei Hamburger machten also Appetit auf mehr.

 

"Für 7 Euro Eintritt? Wir sind sprachlos!"

 

Die Frage, wie man solche Qualitätsinterpreten dazu bringt, nach Syrau zu kommen - sie beantwortete sich während des Abends ganz von alleine. Denn die 33 Dorfclub-Indianer mit ihrem Häuptling Mario Branse an der Spitze, sie vergoldeten ihr Mini-Budget mit Leidenschaft und der Liebe zum Detail. Genau diese familiäre Art hat in kurzer Zeit fremde Menschen beim Juniton-Festival zusammengeführt. Klasse! Jenny Priebe und Jakob Feist kamen aus dem Erzgebirge: "Danke Syrau! Dass man so etwas für 7 Euro Eintritt bekommen kann, wir sind sprachlos. Überall freundliche Menschen. Wir kommen wieder!"

Vielen Dank an alle, die mit anpacken!

 

Dieser Dank soll heute rausgehen an alle, die geholfen haben. Ganz besonders danken wollen die 600 Besucher dem Initiator und Juniton-Erfinder Christian Wenzel (www.redfaceproject.de). Der Singer-Songwriter ist Familienvati und Schichtarbeiter. Er verdient keinen Cent beim Festival, die Bands hat der Plauener ganz alleine organisiert. Und ein riesiges Dankeschön geht ebenso an die Bands R.M.P. Rail Music Project, JANH und ZAMI sowie Six No Five. Sie haben nämlich diesen Konzertmarathon zu einem qualitativ unglaublich hochwertigen Musikevent gemacht, ohne dafür die Hand aufzuhalten. Die beiden Hauptverantwortlichen Christian Wenzel und Mario Branse verabschiedeten die Menschen übrigens mit einem "Auf Wiedersehen in Syrau!" Denn der nächste Juniton, der wartet schon...