"Ich bin fassungslos": Freiberg jubelt in Plauen!

Handball SV 04 Oberlosa gibt Sieben-Tore-Führung aus der Hand

Plauen. 

Plauen. An dieses Spiel wird man sich beim SV 04 Oberlosa noch ewig erinnern. Denn die Plauener Handballer sahen bereits wie der sichere Sieger aus. Gegen die HSG Freiberg lagen die Spitzenstädter mit 20:13 vorne. Beim Stand von 22:16 (38.) passierte dann das Unfassbare. Ganze zehn Minuten später lag Oberlosa 22:24 zurück. "Einen 0:8-Gegentorelauf habe ich persönlich noch nicht erlebt. Ich bin fassungslos", entschuldigte sich Rückraumschütze Paul Richter, dem es zwar gelang, mit dem 23:24-Anschlusstreffer sein Team noch einmal ins Spiel zu bringen. Doch bis auf den 26:26-Ausgleich durch Marc Multhauf (55.) gab es nichts mehr zu bejubeln aus Sicht der Gastgeber. Letztlich endete das rassige Derby 27:29 (18:12).

Oberlosaer Fans sind verärgert

Der Ärger unter den Plauener Anhängern war verständlich. Natürlich gibt es jetzt Redebedarf. Den kündigte auch gleich während der anschließenden Pressekonferenz ein aufgebrachter Fan an. Als der die Trainerfrage stellte, stand SV-Coach Petr Hazl gewissermaßen am Pranger. "Das einfachste ist, jetzt wegzulaufen. Unsere Jungs haben zwei Jahre funktioniert und die Fans verwöhnt. Wenn es läuft, kann jeder feiern. Wir befinden uns in einer schwierigen Situation", antwortete Petr Hazl unter Beifall. Gleichzeitig startete hinter verschlossener Tür natürlich die Spielanalyse aller Verantwortlichen. Marc Multhauf gehörte zu jenen Akteuren, denen im entscheidenden Moment die Nerven versagten. Er ballerte sogar einen Siebenmeter übers Freiberger Tor: "Ich weiß nicht wie das passieren konnte. Das muss ich selber erstmal verdauen." Linksaußen Denny Mertig zeigte an seine Stirn: "Sowas ist Kopfsache. Das geht schon die ganze Saison, dass wir irgendwann aus dem Nichts einbrechen."

Viele Spieler sind nicht fit

Ursächlich könnte die fehlende Fitness vieler Spieler sein. Verletzungen, Krankheiten, Beruf und persönliche Probleme sorgten für erhebliche Trainingsausfälle. Petr Hazl versuchte sich in Sachlichkeit: "So lange wie der Akku voll war, hatten wir Kraft. Wenn ich im ersten Durchgang 18 Tore werfe und dann nach dem Seitenwechsel nur neunmal treffe, kann es nicht am mangelnden Können liegen." In der Tabelle bleibt der SV 04 Oberlosa übrigens trotz der vierten Heimniederlage auf Platz fünf. Doch die Plauener haben nun in der früheren Kurt-Helbig-Festung eine Negativbilanz, mit der sie ins nächste Jahr gehen.

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Unser Verein hat schon ganz andere Situationen gemeistert."

Auf BLICK-Nachfrage antwortete Vereins-Chef Prof. Dr. Bernd Märtner: "Das letzte Heimspiel des Jahres haben wir uns alle anders vorgestellt. Wir haben 40 Minuten sehr schnellen, hochklassigen Handball gespielt. Wenn ich dann im letzten Drittel nur fünf Tore mache, versteht niemand mehr die Welt", so der Vorsitzende, der hinzufügte: "Natürlich werden wir uns zusammensetzen. Aber unser Verein hat schon ganz andere Situationen gemeistert. Wir stehen nicht für blinden Aktionismus. Sondern unser Trainer hat Oberlosa letzte Saison zur Vizemeisterschaft geführt. So jemanden schickt man nicht einfach so weg!" Kommenden Samstag muss der SV 04 Oberlosa um 19 Uhr bei der HG Köthen antreten. Die Gastgeber kassierten zuletzt drei Niederlagen in Folge, stehen aber dennoch auf Platz vier. "Wir müssen in Köthen gewinnen", lautet die klare Oberlosaer Ansage.

Statistik

SV 04 Oberlosa: Klaus, Flämig; Kveton (3 Tore), Wetzel (1), Roth, Trommer-Ernst (1), Mertig (5/davon 1 Siebenmeter), Richter (6), Duschek (1), Hertel (4), Kolomaznik (3), Multhauf (3/2), Rahn.

Zuschauer: 544