IHK-Präsident warnt vor dramatischem Wohlstandsverlust

Wirtschaftsempfang Karsten Kroll spricht für die Unternehmen der Regionalkammer Plauen-Vogtland

Plauen. 

Plauen. Mit Mercedes Paulus & Christian Nestler startete der jährliche IHK Wirtschaftsempfang ganz harmonisch. Dann folgten kritische Worte. Karsten Kroll begrüßte 150 Vertreter aus der vogtländischen Unternehmerschaft. Und der Präsident der IHK Regionalkammer Plauen-Vogtland warnte "vor einem dramatischen Wohlstandsverlust." Karsten Kroll spricht im Vogtland für 20.000 Unternehmen, 13.000 Betriebe davon sind in der IHK organisiert. 82.000 Beschäftigte schaffen in der Region die Werte, den Wohlstand und sie sorgen für die Zukunft. "Die sich verschlechternden Rahmenbedingungen für Wirtschaft und Unternehmertum in Deutschland nehmen in der aktuellen Regierungsperiode leider weiter zu und werden auch sichtbarer", konstatiert Karsten Kroll.

 

Zukunftsforscher aus Wien zu Gast

 

Dazu passend hatte IHK-Geschäftsführerin Sina Krieger einen international renommierten Zukunftsforscher eingeladen. Der Impulsvortrag von Andreas Reiter vom ZTB Zukunftsbüro Wien zum Thema "Die zukunftsfitte Region" fand großen Anklang. Denn: "Die Regionen sind massiv im Umbruch - angetrieben von Digitalisierung, Dekarbonisierung und dem demografischen Wandel. Wenn wir den ländlichen Raum als neuen Chancenraum entwickeln wollen, dann müssen wir ihn mutig in die Zukunft denken - als Agglomeration der klugen Gedanken, innovativen Technologien und einer achtsamen Produktion. Als smarte Region, in der es sich ebenso gut leben wie wirtschaften lässt", betont der Österreicher. Darüber berichtet der BLICK in den nächsten Tagen. Heute geht's zunächst um das Kernthema der vogtländischen Wirtschaft.

 

Droht eine Insolvenzwelle?

 

Die Fragen lauten: Droht der Region eine Insolvenzwelle? Die Konjunktur stockt. Karsten Kroll, übrigens selbst Unternehmer, stellt aktuell fest: "Schwächelnde Nachfrage aus dem In- und Ausland, Umsatzeinbrüche, steigende Arbeitskosten und wettbewerbsfeindliche Energiekosten sowie steigende Regulatorik und Bürokratie belasten die Unternehmen schwer." Was ist los in Deutschland? Die Erträge haben sich branchenübergreifend negativ entwickelt. Ein Viertel der Unternehmen berichten von Eigenkapitalrückgängen. Insbesondere für kleine Unternehmen mit geringeren Rücklagen ist das existenzbedrohend. "Elf Prozent beklagen eine hohe Fremdkapitalbelastung sowie zunehmende Forderungsausfälle. Die Folgen sind teils massive Zukunftssorgen.", klagt Karsten Kroll.

 

Immer mehr Druck auf Unternehmen

 

Verschärft wird der Druck auf Unternehmen nach Meinung des IHK-Präsidenten durch viele, mittlerweile oft grenzwertige Forderungen von einigen Arbeitnehmern hinsichtlich Gehalt, Freizeit und Komfort bei dem Bemessen von Arbeitsaufgaben. Dies alles führt zu einer um sich greifenden Verunsicherung bis hin zu wirtschaftlichen Problemlagen, die aktuell zu spüren und zu sehen sind. "Wir reden von über 31,5 Prozent mehr Insolvenzen im Februar gegenüber dem Vorjahresmonat. Ein Alarmzeichen und Seismograf der Wirtschaft. Dahinter stehen Familien, Tradition, Existenzen und unser Wohlstand", warnt Karsten Kroll. Zurückhaltend zeigt sich auch das Gründungsgeschehen und die wichtigen Nachfolge-Aktivitäten. Beratungen gibt es eine Vielzahl, Gründungen finden jedoch eher im Nebenerwerb statt. Nachfolgen werden einmal mehr auf die lange Bank geschoben.

 

Es muss schnell etwas passieren

 

Karsten Kroll appelliert: "Die Politik darf nicht warten, bis noch mehr Unternehmen der Wind aus den Segeln geht. Sie kann unter anderem durch bessere Abschreibungsregeln, Steuern- und Abgabensenkung, Abbau von Regulatorik und Bürokratie unterstützen. Zudem braucht es eine verlässliche und berechenbare Politik - gerade im Bereich Energie- und Nachhaltigkeit." Eine weitere Forderung: Die EU muss sich auf ihren Grundgedanken und auf ihre eigentlichen Aufgaben konzentrieren und sich um einheitliche Rahmenbedingungen für den Wirtschaftsraum Europa und dessen Wettbewerbsfähigkeit, eine gemeinsame Außenpolitik sowie eine solide Finanzpolitik kümmern und für eine zuverlässige Sicherheitsarchitektur sorgen.

 

Verlust von einem Drittel des Arbeitskräftepotenzials durch Demografie

 

Karsten Kroll weiß: "Für unsere vom demografischen Wandel stark betroffene Region, bedeutet die anstehende demographische Entwicklung einen Verlust von einem Drittel des Arbeitskräftepotenzials innerhalb der nächsten zehn Jahre. Das ist dramatisch und wird neben der Automobilen Transformation eine generelle Transformation der Geschäftsmodelle und Unternehmen nach sich ziehen." Es gibt also eine Transformation der ländlichen Regionen, "hin zu was? Das ist aus unserer Sicht die alles entscheidende Frage", betont Karsten Kroll. Und der IHK-Präsident warnte wieder: "An dieser Stelle müssen wir als Vogtland aufpassen, nicht weiter in den Schatten von Dresden und der Lausitz zu geraten. Unsere Heimat hat so viele Potentiale! Wir möchten uns aktiv und mit Ideen einbringen, um an dem ländlichen Strukturwandel und auch dessen finanzieller Förderung teilhaben zu können." Karsten Kroll nannte auch ein konkretes Beispiel: Die Ansiedlungen der Chip-Industrie braucht Zulieferer. "Wer sagt eigentlich, dass diese sich nicht bei uns ansiedeln können?"

 

Aufruf: "Bitte gehen Sie wählen!"

 

Karsten Kroll verrät: "Ich gehöre noch zu jenen, die im Herbst 1989 auf die Straße gegangen sind, um Freiheit und Wohlstand zu erreichen. Auch unsere Kinder und Enkel sollen in Freiheit leben können." Der IHK-Präsident wendet sich an die Vogtländer: "Übermorgen sind Wahlen für Gemeinde- und Stadträte, den Kreistag sowie das Europaparlament. Alle diese Wahlen sind wichtig und richtungsweisend für unsere Region. In Demokratien ist das Recht der Wahl ein hohes Gut und es ist zugleich für mich auch eine Pflicht, sich zu beteiligen. Deshalb mein Aufruf - gehen Sie alle wählen - und stärken Sie die Demokratie!"

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