IHK-Wirtschaftsempfang: Nur 18 Prozent der regionalen Unternehmen bewerten ihre Lage als gut

Staatsmodernisierung muss schneller werden - Es geht bereits an die Substanz

Plauen

„Gute Rahmenbedingungen ermöglichen Erfolg - Unternehmergeist schafft ihn.“ IHK-Präsident Karsten Kroll bilanzierte zum Wirtschaftsempfang in Plauen mit Blickrichtung Zukunft: „Die Bedingungen für die Unternehmen sind noch immer nicht besser. Auch wenn wir als Industrie- und Handelskammer anerkennend zur Kenntnis nehmen, dass in Sachsen unter der Überschrift Staatsmodernisierung durchaus ambitionierte Schritte in die richtige Richtung vorbereitet werden. Es braucht dann dafür Mehrheiten und zügige Umsetzung.“ Der Tenor von über 100 Arbeitgebern: Es muss schneller gehen.

Karsten Kroll: „Wir erleben eine historische Doppelkrise“

Die Wirtschaft befindet sich in einer andauernden und tiefen Krise. Die aktuelle DIHK-Konjunkturumfrage aus dem Frühsommer 2026 zeichnet ein eindeutiges Bild: Geschäftslage, Investitionen und Beschäftigungsabsichten der deutschen Unternehmen befinden sich auf einem Langzeit-Tief. „Wir erleben derzeit eine historische Doppelkrise: Auf der einen Seite strukturelle Probleme am Standort Deutschland – auf der anderen Seite die globalen wirtschaftlichen Folgen der Kriege in Europa und im Nahen Osten sowie geopolitische Verwerfungen, hervorgerufen durch die USA und zunehmend auch durch China“, stellte Karsten Kroll in seiner Rede fest. Diese Kombination trifft auch viele Unternehmen im Vogtland mit voller Wucht.

Vielerorts leben die Unternehmen von der Substanz

Nach Jahren von Rezession und Stagnation sind viele Betriebe an ihrer Belastungsgrenze angekommen. Die Reserven sind aufgebraucht. Vielerorts leben die Unternehmen von der Substanz. IHK-Präsident Karsten Kroll warnt: „Gestiegene Kosten, hohe Abgaben, zunehmende Bürokratie – die Belastung ist in vielen Unternehmen kaum noch zu tragen. Die Folge: Investitionen werden verschoben oder ganz gestrichen. Einstellungen bleiben aus. Und damit gerät auch die wirtschaftliche Zukunft unter Druck“, gibt der IHK-Präsident zu bedenken. Nur 18 Prozent der Unternehmen in der Region bewerten ihre Lage als gut, 37 Prozent als schlecht. Die Erwartungen für die kommenden Monate sind mit 82 Prozent zum Großteil pessimistisch.

Wo muss die Politik ansetzen?

Die Lage ist ernst. Nur ein kleiner Teil der Betriebe plant noch Investitionsausweitungen. Viele reduzieren ihre Investitionstätigkeit oder verzichten ganz darauf. Die wirtschaftliche Entwicklung bleibt fragil. Eine Trendwende ist aktuell nicht in Sicht. „Vor diesem Hintergrund stellt sich unweigerlich die Frage: Wo muss Politik jetzt ansetzen?“ Mit dieser Frage öffnete Karsten Kroll in der IHK Regionalkammer in Plauen ein Diskussionsfeld, welches die anwesenden Wirtschaftsvertreter im Gespräch ausführlich erörterten. Erwähnenswert: Viele der anwesenden Gäste stellte das Fehlen einer Vertretung aus dem Plauener Rathaus in Frage. Immerhin tagte die vogtländische Wirtschaft in Plauen.

Erfolg muss sich endlich wieder lohnen

Karsten Kroll erinnerte in seiner Rede: „Politik ist verantwortlich für Rahmenbedingungen und diese müssen jetzt spürbar verbessert werden. Es geht nicht um kleine Korrekturen, sondern um konkrete, spürbare Reformen für die Wirtschaft.“ Dazu gehören konsequenter Abbau von Bürokratie sowie schnellere, planbare Verfahren. Es geht um Vertrauen statt übermäßiger Kontrolle. Und es geht um Fleiß, Leistung und Engagement. Erfolg muss sich endlich wieder lohnen. Die Regierungen auf Bundes- und Landesebene müssen die richtigen Prioritäten setzen.

Es gibt Hoffnung

Karsten Kroll fordert auf: „Die aktuellen Entwicklungen rund um den Masterplan Südwestsachsen zeigen: Unsere Region ist gemeinsam auf einem guten Weg – auch wenn nicht jeder Prozess sofort greifbar ist. Lassen Sie uns diesen Weg weiter unterstützen und aktiv begleiten.“ Ein besonders starkes Signal geht zum Beispiel von der Ansiedlung des international tätigen Weltraumunternehmens OHB in Schöneck aus. Durch engagiertes Handeln und belastbare Netzwerke ist es gelungen, innerhalb weniger Wochen einen international erfolgreichen Technologiekonzern für das Vogtland zu gewinnen.

Weltraumkommunikationstechnologien interessanter Absatzmarkt

Die Neuansiedlung hatte Gastredner Prof. Dr. Andreas Knopp angestoßen. Der Impulsvortrag des Universitätsprofessors für Satellitenkommunikation fand viel Beachtung. Andreas Knopp ist Vogtländer und er leitet seit 2014 den Lehrstuhl für Informationsverarbeitung an der Bundeswehr-Universität München. Er zählt zu den führenden Experten im Bereich moderner Weltraumkommunikationstechnologien. Hoch interessant das Thema des Tages: „Die Entstehung eines neuen industriellen Spielfeldes zwischen Visionen vom Mond und Mars und dem Aufbau großer Satellitenkonstellationen im Erdorbit“. Vielleicht kann das Vogtland hier bald Fuß fassen.

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