Immer mehr Beziehungs-Zoff

Ehrenamt Die Telefonseelsorge ist wie ein "Seismograf der Gesellschaft"

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Auerbach. Eine Frau Mitte 40 meldet sich. Sie habe eine verlässliche Beziehung. Dennoch sei ein neuer Mann in ihr Leben getreten. Ihre Tochter erlitt während ihrer Ausbildung einen Zusammenbruch und trägt sich mit Selbstmordgedanken. Mit solchen Anrufen muss Tabea Waldmann jederzeit rechnen.

Die Top-Themen sind Beziehungsprobleme und Suizid

Die Leiterin der Auerbacher Telefonseelsorge und ihre ehrenamtlichen Mitarbeiter hören den Hilfesuchenden genau zu. "Wir haben in letzter Zeit sehr viele Anrufe zu Beziehungs-Problemen." Neben diesem Trend sprechen die Anrufer nach wie vor häufig über ihre Suizid-Absichten. "Das kommt durchschnittlich einmal am Tag vor", verriet die ausgebildete Lebensberaterin.

"Kinder und Jugendliche sprechen zehn Mal mehr über Suizid als Erwachsene." Die Seelsorgerin lernt am Telefon Menschen kennen, die nicht selten in Dauerkrisen feststecken. Was sie zu hören bekommt, sei so eine Art "Seismograf der Gesellschaft."

Vogtlandweit engagieren sich aktuell 54 aktive Telefonseelsorger. Laut der Diakonie-Mitarbeiterin dauern die Gespräche im Vergleich zu früheren Jahren länger. "Weniger Seelsorger sitzen insgesamt mehr Stunden am Telefon." Voriges Jahr verzeichneten die Verantwortlichen insgesamt 6550 Gespräche.

Freiwillige gesucht

Für das anspruchsvolle Ehrenamt sucht die Leiterin des Dienstes motivierte Kandidaten für einen Kurs, der im September beginnen soll. "Wir suchen Teilnehmer aus allen Regionen des Vogtlandes."

Die Ausbildung beinhaltet 150 Stunden und zieht sich über ein ganzes Jahr. "Das ist nötig, da die Fälle häufig kompliziert sind und man bei der Gesprächsführung vieles beachten muss." Das Kursangebot ist kostenlos. Nach erfolgreichem Abschluss verpflichten sich die Ehrenamtler zu einer dreijährigen Mitarbeit. Mehr Infos gibt es im Diakonischen Beratungszentrum Auerbach an der Blumenstraße 34 (Tel. 03744 217727).