In Corona-Zeiten: Eine Praxis, zwei Masken?

Aufschrei Ärzte, Krankenschwestern und Therapeuten brauchen mehr Schutz

Plauen. 

Plauen. Viele Mediziner haben derzeit einen ganz dicken Hals. Keine Angst. Die Ärzte, Krankenschwestern und auch die vielen Therapeuten sind gesund und sie bereiten sich vor auf die Auswirkungen der Corona-Pandemie. Die Medizin hat bislang alles ganz gut im Griff. Trotz der vielen Einschränkungen. Allerdings sind viele im medizinischen Bereich tätige Menschen auf Eigeninitiative angewiesen oder gar relativ schutzlos der Infektionsgefahr ausgeliefert. Am Montagabend kam es dann in Sachsen zu folgender Begebenheit, die nachdenklich stimmt.

Es liegen nur zwei Masken für jede Praxis bereit

Dr. Karsten Albig leitet als Chefarzt das Zentrum für Orthopädie, Unfallchirurgie und Sportmedizin im Helios Vogtland-Klinikum in Plauen. Er hat dem BLICK bestätigt, was kaum zu glauben ist. Dazu muss man wissen, dass Dr. Albig auch im Praxisbetrieb tätig ist, wodurch er sozusagen beide Seiten -also großes Krankenhaus und den Praxisbetrieb - kennt. Dem BLICK berichtete der renommierte Sportarzt: "Ich habe eine E-Mail der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen bekommen. Es gibt jetzt für die Praxen zwei FFP-Masken zum Schutz der Mitarbeiter. Diese sollen wir dann auch noch selbst in Chemnitz abholen. Nachdem der Gesundheitsminister angekündigt hatte, diese Woche zehn Millionen Masken zur Verfügung zu stellen ist dies gelinde gesagt eine Frechheit." Das Kürzel FFP steht übrigens für "Filtering Face Piece".

Kassenärztliche Vereinigung bedauert fehlende FFP-Masken

Demnach hat der Bereitschaftsdienst der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen (KV) in einer Rundmail über die Ausgabe von Schutzausrüstung informiert. Die KV konnte auf Bundesebene als erste Lieferung nur eine geringe Menge an FFP-Masken entgegen nehmen. Und nach Abzug von Masken für Bereitschaftspraxen, Fahrdienst sowie Corona-Abstrichpraxen bleiben nur 16.000 Masken zur Verteilung zur Verfügung. Die KV schreibt in ihrer Rund-Mail: "Es gibt keine wirklich vernünftige Lösung zur Verteilung dieser Masken. Einfach zu warten, bis eine wirklich nennenswerte Anzahl Masken bei uns eingegangen ist, erscheint aber auch nicht vertretbar", heißt es in dem elektronischen Brief. Deshalb werden diese Atemschutzutensilien gestern und heute in den jeweiligen Bezirksgeschäftsstellen bei Abholung verteilt. Die KV entschuldigt sich bereits vorab: "Bitte haben Sie Verständnis für diese nach unserer Meinung noch beste unter allen schlechten Lösungen. Wir hoffen möglichst bald, Ihnen Masken in vernünftiger Zahl zur Verfügung stellen zu können", schreibt die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen (KV).

Auch die Therapeuten sind entsetzt

Ergotherapeut Danny Schmidt ist entsetzt darüber "was da auf Bundesebene abgeht. Es ist politisch gewollt, dass wir als systemrelevante Angehörige des Gesundheitswesens unsere Klienten weiterversorgen. Das mache ich gerne und sehe es auch als Selbstverständlichkeit. Aber wenn es dann darum geht, uns Schutzausrüstung zur Verfügung zu stellen, uns bei den extrem erhöhten Anschaffungskosten finanzielle Unterstützung und/oder finanzielle Unterstützung bei Umsatzrückgängen von bis zu 80 Prozent zu gewähren, werden wir politisch ins Abseits geschoben", erwartet der Vogtländer Hilfe und Unterstützung. Der Außenstehende fragt sich, weshalb erst jetzt die Beschaffung von FFP-Masken das Tagesgeschäft bestimmt. Seit vier Wochen ist im medizinischen Bereich klar, dass etwas Großes auf Deutschland zukommt.