Jeden Tag aufs Neue ein Spagat

Portrait "Weidagrund" hat mehrere Standbeine

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In der Fleischproduktion: Maik Busch (li.) und Wilfried Sturm beim Zerteilen. Foto: Simone Zeh

Unterreichenau. Zwei zukünftige Landwirt-Azubis weiß Stefan Pissors, Geschäftsführer der Agrargenossenschaft "Weidagrund" in Unterreichenau schon sicher. Einen als Fleischer auch. "Aber einen zweiten würde ich gerne noch nehmen", sagt er.

Man habe einen guten Ruf als Ausbildungsbetrieb im Vogtland. "Die Frage ist für uns eher, ob sie dann bleiben." Carola Bundoks hat mit ihrem Job den Sprung zurück ins Arbeitsleben geschafft. Sie war in der Altenpflege über 20 Jahre selbstständig, dann angestellt, hatte Familienangehörige zu pflegen. Bis sie am Boden lag.

"Ich bin angekommen"

"Nach der Reha wollte ich etwas anderes", erzählte sie. Durch das Förderprogramm Teilhabe am Arbeitsleben der Rentenversicherung wurde sie aufgefangen. "Ich bin glücklich", sagt sie. "Ich bin wunderbar angekommen in einem guten Team." Nach dem Praktikum wurde sie eingestellt.

Carola Bundoks ist in der Fleisch- und Wurstproduktion tätig, verpackt die Ware und macht sie fertig für den Versand. Weitere Mitarbeiter werden in diesem Bereich gesucht. Aktuell hat der Betrieb 90 Mitarbeiter. "Davon sind über 50 Prozent in der Direktvermarktung", erklärt der Geschäftsführer.

Fast wie ein Drahtseilakt

Die Direktvermarktung ist ein wichtiges Standbein. 1700 Hektar Fläche, 1800 Mastschweine und 620 Milchkühe hat der Betrieb. Und dann sagt er, was das Problem des ist: Die Gratwanderung zu schaffen zwischen Geldverdienen, Bevölkerungsakzeptanz und Idylle. Das ist ein Spagat, jeden Tag aufs Neue."

Da kommt es den Unterreichenauer Landwirten zugute, dass sie mehrere Standbeine haben: Milch, Acker, erneuerbare Energie mit der Biogasanlage und Direktvermarktung. "Das zusammen ist eine runde Sache."