Jung, abgelenkt und höchst gefährdet

Verkehrsunfälle Nebentätigkeiten widerstehen

Zweifellos, Privileg der Jugend ist eine schier grenzenlose Unbeschwertheit. Sie sind jung, optimistisch, lebensfroh, mobil und in höchstem Grade gefährdet: Junge Menschen zwischen 18 und 24 Jahren, deren Erwachsenenleben gerade erst begonnen hat. Noch ehe sie ihre Lebenspläne in die Tat umsetzen können, werden viele von ihnen durch Verkehrsunfälle aus dem Leben gerissen. Allein diese Altersgruppe macht fast ein Fünftel der jährlichen Verkehrstoten aus.

Was läuft hier schief? Zumal die jungen Fahrer überproportional viele Unfälle mit Personenschaden ohne die Beteiligung weiterer Verkehrsteilnehmer verursachen, wie Dr. Christoph Lauterwasser betont. "Ihre Alleinunfallrate liegt fast sechsmal höher als die der 25- bis 64-jährigen Fahrer", zitiert der Leiter des Allianz Zentrum für Technik (AZT) aus einer aktuellen Allianz Studie. Für die Verkehrsexperten gibt es mehr als nur eine Ursache dieses traurigen Phänomens. Allein der Griff zu alten, preisgünstigen Fahrzeugen, die kaum über moderne Fahrerassistenzsysteme wie ABS oder ESP verfügen und modernen Crash-Normen bei Weitem nicht genügen, ist es nicht.

So ist jeder zehnte Verkehrsunfall maßgeblich einem abgelenkten Fahrer zuzuschreiben. Bei jedem dritten Unfall spielt Ablenkung eine Rolle. Egal, ob heißer Sound, angeregte Gespräche oder andere "Nebenbeschäftigungen" der Grund sind, nicht bei der Sache zu sein. Immerhin hört fast jeder zweite junge Fahrer doppelt so oft häufig oder sogar sehr häufig angeregt Musik beim Fahren wie die 25- 64-Jährigen (41 zu 25 Prozent) oder diskutiert mit Mitfahrern (34 zu 17 Prozent). Es wird gegessen (14 zu 3 Prozent), an Abspielgeräten hantiert (37 zu 16 Prozent), gebückt und getan ... Fast jeder achte der jungen Studienteilnehmer telefoniert häufig oder sehr häufig, und sogar SMS oder E-Mails schreiben noch vier Prozent regelmäßig. Das Fazit des AZT-Chefs: "Junge Fahrer lassen sich leicht ablenken. Sie bedürfen stärkerer selbstkritischer Einschätzung, um den 'Nebentätigkeiten' im Auto widerstehen zu können."