Kampf um junge Fachkräfte hat begonnen

Ausbildungsmarkt Der demografische Wandel sorgt für enormen Bewerber-Rückgang

Plauen. Wo in den besten Zeiten einst sogar von 3.500 Bewerbern die Rede war, da "schlagen" sich jetzt im Vogtland die Firmen noch um ganze 1.229 Auszubildende. In der Statistik von Andreas Fleischer steht: "Vergleicht man die letzten fünf Jahre, so ist seit 2008 ein Rückgang von 40 Prozent zu verzeichnen", so der Geschäftsführer von der Agentur für Arbeit in Plauen. Damit ist klar: Jetzt beginnt er wirklich, der lange prognostizierte Kampf um die Lehrlinge. Als Ausbildungsexperte ist Siegmar Degenkolb in der vogtländischen Industrie- und Handwerkskammer bestens im Bilde: "Im Hotel- und Gastronomiegewerbe, dem Bäckerhandwerk oder im Pflegebereich gibt es bereits große Probleme", gab der Referatsleiter für Berufsbildung preis. Bereits vor zwei Wochen hatte Hoteldirektor Thomas Jahn vom IFA-Ferienpark in Schöneck die Alarmglocken angestoßen: "Es gibt Gäste, die sprechen uns auf unsere ausländischen Arbeitnehmer an, die wir einstellen müssen, weil wir kaum noch deutsche Kräfte finden." Und Stephan Mehlis, Geschäftsführer des gleichnamigen Pflegedienstes, spricht in seiner Branche sogar von einem noch größeren Szenario: "Es gibt nicht einmal mehr schlechte Pflegekräfte." In der extra anberaumten Pressekonferenz von Arbeitsagentur und IHK kam dieser Gesellschaftskonflikt am Montag noch deutlicher zur Sprache. "In den Berufen, wo Arbeitszeiten oder Tätigkeitsprofil zu persönlichen Einschränkungen führen, gibt es längst große Sorgen", so Andreas Fleischer. Der Wettbewerb um junge Fachkräfte wird sich demnach noch erheblich zuspitzen. Weil das Vogtland in vielen Branchen eine Niedriglohn-Region ist, kann es zu Schieflagen kommen, in denen ein Azubi auf Gesellen-Niveau entlohnt werden muss. Jens Göhrisch vom Unternehmen Linhardt in Pausa: "Wir wollen 2013 neun Azubis ausbilden. Das wird schwer, sie zu finden."