"Kunst braucht Toleranz und Respekt"

Bilderstreit Maler Thomas Beurich ist fassungslos - Zwickauer OB lehnt Antiterror-Bild ab

Thomas Beurich kann sich vor E-Mails und Anfragen kaum retten. Seitdem die Zwickauer Bürgermeisterin Pia Findeiß sein Bild zum Thema Terrorzelle ablehnte, kochen die Emotionen hoch. Die Rathaus-Chefin stieß sich nach eigenen Aussagen an einem symbolisch nachempfundenen Hakenkreuz. "Ich habe wochenlang dafür recherchiert." Seit neun Wochen arbeitet der Plauener mit Acryl- und Ölfarben an dem großformatigen Bild. Auch vom Vorsitzenden des Zwickauer Kunstverein hagelte es harsche Kritik. Von "furchtbarer Kunst" war die Rede. Der Plauener Maler ist fassungslos, was in diesen Tagen über ihn hereinbricht. "Das Bild ist noch nicht einmal fertig." Er wollte Schumann keinesfalls vom Sockel stoßen. Im Gegenteil. "Unsere Absicht war eine gemeinsame Front gegen Rechts. " Zusammen mit Unterstützern aus der Wirtschaft und privaten Ideengebern sollte ein deutliches Zeichen gegen den gewaltbereiten Neonazi-Untergrund (NSU) gesetzt werden. "Das ist kein Zwickauer Problem."

Die schroffe Ablehnung gegenüber seinem Bild macht den Plauener sehr nachdenklich. "Kunst braucht Toleranz und Respekt." Im Vorfeld habe er die Entwürfe mit den Ideengebern intensiv besprochen. Der Zwickauer Kunstverein hielt sich heraus. So kam der 52-Jährige für dieses Projekt überhaupt erst ins Gespräch. "Wir wollten das Bild trotzdem zusammen mit dem Kunstverein als Geschenk an die Stadt übergeben." Gern hätte sich der Künstler auch mit jungen Leuten über den Inhalt seiner Arbeit auseinandergesetzt. Dafür ist Beurich in der Spitzenstadt bekannt. Wie die Stadt Zwickau mit dem Thema Terrorzelle umgeht, kann er nicht nachvollziehen. Im Gegensatz zu anderen Städten gab es dort keine Gedenk-Veranstaltung für die Menschen, die den rechten Gesinnungs-Tätern zum Opfer fielen. Verdrängung und Abschottung sei für ihn kein akzeptabler Weg. Von den Stiftern, bekomme er immer noch Rückendeckung. Allerdings wollen die aus Angst vor Repressionen im Hintergrund bleiben. "Egal, wie es kommt, ich male das Bild auf jeden Fall fertig."

Jetzt meldete sich auch ein Künstler-Kollege aus Dresden zu Wort. Alexander Neumann kennt den Plauener seit Jahren. "Ich bin erstaunt, dass wir immer noch mit Zensur konfrontiert werden, die an DDR-Kultur-Politik erinnert." Neumann kann nicht verstehen, dass Funktionäre und Amtsinhaber eine Art Gutachter-Rolle einnehmen. Im Übrigen sei die Verwendung von Zeichen und Symbolen üblich in der Kunst.