"Ländlicher Raum rückt mehr in den Blick"

Interview Der vogtländische Landtagsabgeordnete Sören Voigt steht Rede und Antwort

Falkenstein. 

Falkenstein. Der vogtländische Landtagsabgeordnete Sören Voigt (CDU) hat sich Zeit genommen für den BLICK und hat folgende Fragen in unserem aktuellen Interview beantwortet.

Sie haben viele Jahre die Leuchtturmpolitik kritisiert. Vor allem den Stellenabbau der Polizei in der Fläche. Sind Sie jetzt zufrieden?

Sören Voigt: Der ländliche Raum ist endlich mehr in den Blick einer zukunftsorientierten sächsischen Politik gerückt. Das ist der richtige Weg und bestätigt unsere Meinung. Auf den Erfolgen ruhen wir uns aber nicht aus, sondern arbeiten weiter daran. Da gehört die Sichtbarkeit von mehr Polizisten auf der Straße dazu. Der Stellenabbau ist gestoppt und wir bilden jährlich 700 neue Polizisten aus, bis wir mindestens die 1.000 zusätzlichen Stellen besetzt haben.

Täuscht der Eindruck oder erleben wir gerade eine ziemlich heftige Wende? Die Landesregierung ist ja derzeit quasi pausenlos im Vogtland präsent. Alleine mit Wahlkampf lässt sich das sicher nicht begründen.

Sören Voigt: Richtig. Das Vogtland findet, wie andere ländliche Regionen viel stärker Beachtung, als es vor drei Jahren noch der Fall war. Auch der gute Kontakt von uns CDU-Landtagsabgeordneten und dem Landrat zu unserem Ministerpräsidenten Michael Kretschmer und den Ministerien spielt da eine Rolle. In Dresden haben wir kurze Wege, können am Rande von Sitzungen auf Mitglieder der Regierung zugehen, persönlich Einladungen aussprechen, konkrete Probleme und Themen benennen. Vielleicht ist die Landesregierung einfach gern bei uns im Vogtland, weil es hier ja auch schön ist!

Den Vogtländern geht es statistisch gesehen so gut wie nie. Gleichzeitig gab es in den letzten Jahren ständig Bewegungen, die einen politischen Wechsel anstreben. Welche Ursachen sehen Sie? Woher kommt das?

Sören Voigt: Im ganzen Land ist Bewegung in die politische und gesellschaftliche Diskussion gekommen, weil "die Politik" zu weit weg war und nicht genug auf die Menschen gehört hat. Die Flüchtlingssituation war dann aber ein entscheidendes Ventil. Ich möchte das aber nicht darauf reduzieren. Wir haben auch an anderen Stellen Fehler gemacht, die zu korrigieren waren und weiterbearbeitet werden. Manchmal ist es aber auch die Flut an Informationen, medial zum Teil sensationell aufbereitet, die uns verunsichern und auch Angst machen. Meist geht es aber um konkrete Anliegen der Bürgerinnen und Bürger. Daher ist es mir wichtig, mit dem Ohr bei den Menschen zu sein und zu bleiben. Es sind oft nicht die "globalen" Dinge, die es zu lösen gilt, sondern die Probleme, die direkt vor der Haustür oder im persönlichen Umfeld zu finden sind. Ich bin hier für pragmatische Lösungen, die die Interessen der Vogtländer berücksichtigen.

Hat die Politikverdrossenheit zu- oder abgenommen?

Sören Voigt: Die Leute wollen reden und unsere Aufgabe ist es, ihnen zuzuhören. Anfang 2015 sind wir für unsere Veranstaltungsreihe "Dialog Gesellschaft" dafür noch belächelt worden. Es mag seltsam klingen: Aber weil die CDU in Sachsen über die Jahre etwas träge geworden ist, war das Ergebnis der letzten Bundestagswahl, das Beste, was uns passieren konnte. Mit unserem neuen Ministerpräsidenten kam auch frischer Wind, neue Energie. Das steckt die eigenen Mitglieder und unsere Mitbürger an. Das Interesse an Politik wächst spürbar, neue Ideen entstehen und das Interesse am gemeinsamen Meinungsaustausch nimmt mehr und mehr zu. Das erlebe ich jeden Tag bei meiner Arbeit vor Ort.

Stichwort Umwelt! Deutschland hinkt seinen eigenen Klimaschutzvorgaben hinter her. Im Vogtland gibt es zum Beispiel noch keine 200 zugelassenen Elektroautos. Steuern wir direkt in die Katastrophe?

Sören Voigt: Wenn wir über Elektroautos und Klimaschutzziele reden, sollten wir aber auch die Frage nach der ökologischen Bilanz eines E-Autos stellen. Welche Umweltschäden verursacht die Rohstoffgewinnung? Welchen Nutzen haben E-Autos, wenn der Strom dazu aus Atomkraftwerken aus Frankreich oder Tschechien kommt? Im Vogtland steuern wir nicht in eine Katastrophe. Es ist richtig, dass es im Vogtland die wenigsten Elektro-PKW in Sachsen gibt. Aber das hat Gründe: Stichwort "Ländlicher Raum". Elektroautos werden dann attraktiver, wenn die Anschaffungskosten geringer, die Reichweite größer und auch die entsprechenden Ladestationen geschaffen werden. Für Pendler, wie mich, wird es also auf absehbare Zeit keine wirtschaftlich vernünftige Alternative zum Diesel geben.

Viel wichtiger ist für mich ein moderner Öffentlicher Personennahverkehr, der das Vogtland auch an die Zentren anbindet. Der Freistaat Sachsen hat hier mit den Landkreisen das Projekt Bus+ entwickelt, das im Herbst auch im Vogtland startet. Überregionale Ticketangebote, etwa für Schüler, Studenten und Auszubildende werden sicher interessant.

Welche Themen sind Ihnen noch wichtig in den nächsten Jahren?

Sören Voigt: Speziell auf das Vogtland bezogen geht es darum, dass mehr Menschen ins Vogtland zurückkommen oder erst gar nicht fortgehen. Wir müssen zeigen, dass sie hier Arbeit haben, eine Familie gründen und damit ein Heim und Heimat finden können. Bildung, die unsere Zukunft sichert, heißt unsere Schulen personell und technisch fit zu machen. Digitalisierung, Ärzteversorgung und die Pflege sind außerdem wichtige Themen für die Region. Und dann stehen selbstverständlich auch die Themen auf dem Plan, die mir die Vogtländer für Dresden mitgeben! Als Innenpolitiker geht es mir um eine gute Finanzausstattung unserer Kommunen, damit sie ihre Pflichtaufgaben erfüllen und investieren können. Mit mehr Pauschalen können wir außerdem Bürokratie abbauen. "Starker Staat" heißt für mich, im Sächsischen Landtag dafür zu sorgen, dass unsere Polizisten und Einsatzkräfte den richtigen gesetzlichen Rahmen erhalten, um uns alle zu schützen.

Vielen Dank.