Landrat Keil: "Zusammenhalten, aber auf Abstand bleiben!"

Interview Landrat Rolf Keil appelliert an die Vogtländer

Plauen. 

Plauen. Im aktuellen Interview hat der Landrat des Vogtlandkreises dem BLICK einige Fragen beantwortet. Was Rolf Keil zu sagen hat, lesen Sie hier.

BLICK: Herr Landrat, das Corona-Virus hat das Vogtland erreicht. Wie ist die aktuelle Situation im Vogtlandkreis?

Rolf Keil: Ja, die Atemwegserkrankung Coronavirus SARS-CoV-2 ist nun auch in unserem Landkreis angekommen. Da sich offenbar noch nicht viele Personen mit dem Virus infiziert haben, sind wir in der Lage, noch weitere Vorkehrungen und Maßnahmen für eine bevorstehende Pandemie einzuleiten. Im Vergleich zu anderen sächsischen Landkreisen hat der Vogtlandkreis momentan die wenigsten Corona-Patienten. Um die Gefahr der weiteren Virusübertragung zu minimieren, bitte ich alle Bürgerinnen und Bürger unseres Vogtlandkreises ihre sozialen Kontakte und privaten Aktivitäten zu minimieren und entsprechenden Abstand zu halten. Ich appelliere an die Vernunft unserer Mitmenschen. Nur wenn jeder dazu bereit ist, kann es uns gelingen, dass wir der Landkreis mit der niedrigsten Infektionsrate bleiben.

BLICK: Wie viele Personen sind im Vogtlandkreis an Corona erkrankt?

Rolf Keil: Momentan liegt die Zahl der positiv getesteten Personen im einstelligen Bereich, wobei Sie wissen, dass sich die Zahl stündlich verändern kann. Wir informieren die Bevölkerung jedoch regelmäßig zu den aktuell laborbestätigten Fällen auf unserer Internetseite.

BLICK: Welche Vorkehrungen sind im Vogtlandkreis für eine bevorstehende Pandemie getroffen?

Rolf Keil: Vorsorglich und vorausschauend wurden und werden durch das landkreiseigene Klinikum Obergöltzsch Rodewisch, das Helios Vogtland-Klinikum Plauen und die Paracelsus-Kliniken im Vogtlandkreis Vorkehrungen für die Behandlung von an Corona erkrankten Patienten getroffen. Die Gefährdung der Eintragung der Coronaviren in die Notaufnahmen oder den klinischen Bereich muss verhindert werden. So haben angesichts der Lage das Klinikum Obergöltzsch Rodewisch und die Paracelsus Klinik Reichenbach schnell reagiert und aus eigener Kraft, mit eigenen Mitteln und eigenem Personal Corona-Portalpraxen eingerichtet. Diese Portalpraxen arbeiten bereits angestrengt. Das Klinikum Obergöltzsch Rodewisch bietet bereits seit vergangener Woche in einem isolierten Bereich der Notfallambulanz mit gesondertem Zugang sowohl eine telefonische Beratung, eine Behandlungsambulanz mit gesondertem Zugang und Untersuchungsmöglichkeiten mit einem sogenannten Drive In zur Abstrichmöglichkeit an. Die Paracelsus-Klinik Reichenbach hat auf ihrem Klinikparkplatz ein Corona-Ambulanz-Zentrum errichtet. An dieses werden Patienten, bei denen ein konkreter Corona Verdacht besteht, umgeleitet. Für das Obere Vogtland wird angestrengt durch die Landkreisverwaltung nach einer Lösung gesucht. Gemeinsam mit dem Rettungszweckverband und den Paracelsus Klinikstandorten Adorf und Schöneck soll auch dort für die Region eine Anlaufstelle für begründete Verdachtsfälle eingerichtet werden.

BLICK: Wie sieht es in Plauen aus?

Rolf Keil: Das Helios Vogtland-Klinikum arbeitet mit der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen (KSV) angestrengt an der Öffnung einer Corona-Portalpraxis in Plauen. Dieses soll auf dem Gelände des 650-Betten-Schwerpunktkrankenhauses in privater Trägerschaft entstehen und wird durch die KSV finanziert und ausgestattet. Der Praxisbetrieb soll dann durch die niedergelassenen Ärzte des Bereitschaftsdienstbereiches Plauen abgesichert werden.

BLICK: Und was tun diese Portalpraxen konkret?

Rolf Keil: Die Corona-Portalpraxen behandeln Patienten, die in den Hausarztpraxen nicht versorgt werden können. In der Regel vermitteln die Hausärzte oder der Bereitschaftsdienst der Kassenärzte (Telefon 116117) die Bürger in die Portalpraxen. Behandelt werden nur Patienten mit einem begründeten Verdacht auf eine Coronavirusinfektion. Dies sind Patienten mit Erkrankungssymptomen, Rückkehrer aus einem Risikogebiet oder Personen welche Kontakt mit einem Covid 19-Infizierten hatten. Ausschlaggebend sind hier die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts, welche auf Bundesebene gelten und strikt eingehalten werden müssen.

BLICK: Welche Maßnahmen wurden außerdem getroffen?

Rolf Keil: Zur Bündelung aller fachspezifischen Fähigkeiten hat der Vogtlandkreis einen Krisenstab zum Corona-Virus eingerichtet. Ziel ist es, die Vogtländerinnen und Vogtländer so gut wie möglich zu schützen und Vorkehrungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie zu treffen. Der Krisenstab trifft sich regelmäßig und beschließt entsprechend der aktuellen Lage. Seitens der Landkreisverwaltung wurden alle Vorkehrungen für die medizinische Versorgung getroffen. Unsere Kliniken und Hausärzte tun ihr Möglichstes, Intensivbetten sind vorhanden und werden erweitert. Die medizinische Versorgung im Landkreis ist gewährleistet. Zur Eindämmung der Verbreitung des Corona-Virus werden persönliche Bürgerkontakte in den Dienststellen des Landratsamtes bis auf Weiteres auf ein Minimum reduziert. Details zu Beratungen und Kontakten erhalten die Bürger im Internet unter der Adresse www.vogtlandkreis.de

BLICK: Was müssen die Bürger noch wissen?

Rolf Keil: Beratungen und Termine in den Dienststellen Postplatz 5 in Plauen, auf der Bahnhofstraße 42 - 48 in Plauen und in Oelsnitz, Stephanstraße 9 erfolgen ausschließlich nach telefonischer Vereinbarung. Die Außenstellen des Landratsamtes Vogtlandkreis in Auerbach, Reichenbach, Klingenthal und Adorf sind seit Mittwoch für Besucher geschlossen, aber telefonisch unter der Telefonnummer 03741-3003333 erreichbar. Ebenfalls für den Besucherverkehr geschlossen sind die Führerscheinstelle und die Wohnraumberatungsstelle in Plauen sowie das Archiv in Oelsnitz. Diese Einrichtungen sind ebenfalls telefonisch erreichbar. Die KfZ-Zulassungsstelle in Plauen bietet Sprechzeiten ausschließlich für Händler und private Zulassungsdienste an. Letztere können von Bürgern zur Realisierung ihrer Anliegen genutzt werden.

BLICK: Zurück zu Corona. Die Menschen der Region sind verunsichert. Wer beantwortet deren Fragen?

Rolf Keil: Der Vogtlandkreis hat eine Corona-Hotline eingerichtet. Unter den Rufnummern 03741-3003570, 03741-3003571, 03741-3003572 können sich alle Bürger hier telefonisch zu einer möglichen Erkrankung durch das neue Corona-Virus beraten lassen. Unsere Mitarbeiter des Gesundheitsamtes sind montags bis freitags in der Zeit von 9 Uhr bis 16 Uhr zu erreichen. Auf Grund des hohen Anruferaufkommens und einer besseren Erreichbarkeit der Mitarbeiter wurde im Laufe dieser Woche das Hotline-Personal aufgestockt. Zusätzlich informieren wir auch über Internet, Newsletter und die sozialen Medien.

BLICK: Können sich die Bürgerinnen und Bürger mit ihren Fragen auch direkt an ihre Stadt oder Gemeinde wenden?

Rolf Keil: Vereinzelte Städte und Gemeinden haben bereits eigene Hotlines eingerichtet. Bürger können sich zu den Telefonnummern auf der Internetseite der jeweiligen Kommune informieren.

BLICK: Wohin können sich Unternehmen und Privatpersonen mit Fragen speziell zur Corona-Pandemie und ihren Folgen wenden?

Rolf Keil: Zusätzlich zu den bereits geschalteten Hotline-Nummern des Gesundheitsamtes Vogtlandkreis wurden weitere Hotline-Nummern vom Landratsamt zur Unterstützung beim Umgang mit der Corona-Pandemie und ihren Folgen für das tägliche Leben eingerichtet. Hier erhalten die Betroffenen unter anderem Auskunft zu Angelegenheiten wie Kinderbetreuung, Unterstützungsmöglichkeiten für Arbeitgeber sowie Auskünfte zur Absicherung der Pflege. Die entsprechenden Telefonnummern finden die User ebenfalls auf der Internetseite des Vogtlandkreises.

BLICK: Was möchten Sie den Menschen im Landkreis unbedingt noch sagen?

Rolf Keil: Liebe Bürgerinnen und Bürger, es ist wichtig, dass wir auch zukünftig vertrauensvoll miteinander umgehen. Unsere Bevölkerung bringt bereits jetzt Opfer, wie Quarantäne, Schul- und Kindergarten-Schließungen. Die Kinderbetreuung für Mitarbeiter in dringend notwendigen Berufen soll weiterhin abgesichert werden. Wir nehmen die Lage sehr ernst! Wichtig ist, dass nun keine Panik verbreitet wird. In diesem Zusammenhang möchte ich mich bei all denjenigen Menschen, auf deren Arbeit wir angewiesen sind, ganz herzlich bedanken. Ich meine Ärzte, Krankenschwestern, Menschen die in der Pflege arbeiten sowie Verkäuferinnen und Verkäufern und die vielen anderen Menschen, die ich jetzt nicht alle aufzählen kann. Danke! Vielen Dank für Ihre Arbeit, die Sie täglich leisten. Die getroffenen Entscheidungen tragen entscheidend dazu bei, potenzielle Infektionswege konsequent zu durchbrechen und einen sprunghaften Anstieg von Corona-Infektionen im Vogtlandkreis zu vermeiden. Wir alle müssen jetzt unser Verhalten disziplinieren, unsere Sozialkontakte auf ein Minimum reduzieren, denn nur so können wir uns vor einer potentiellen Ansteckung schützen.

Liebe Bürgerinnen und Bürger, in dieser angespannten Ausnahmesituation ist ein rücksichtsvolles Miteinander, Zusammenhalt und Solidarität wichtiger denn je. Ich bitte Sie: Bewahren Sie Ruhe und haben Sie auch ein Auge auf Ihre Mitmenschen. Vielleicht braucht eine Nachbarin oder ein Nachbar Ihre Hilfe, schauen Sie hin und helfen Sie bei Bedarf. Vielen Dank Ihnen allen für Ihre Unterstützung und bitte bleiben Sie gesund.