Lehrer und Schüler sind sauer

Streik Die Rotstiftpolitik in Sachen Bildung kommt gar nicht gut an

Wenn 1.200 Schüler bei einem Lehrerauftritt grölen wie in einem Fußballstadion: "Dann läuft da aber einiges schief", blieb Markus Ritter verdutzt stehen. Der 38-jährige Plauener wollte gerade über den Klostermarkt laufen, als er urplötzlich vor dieser Menschenmenge stand. "Da darf man wohl von Missständen sprechen, wenn die Regierung pausenlos ihr Bildungspaket lobt, während Lehrer und Schüler streiken." Zu diesem Zeitpunkt stand Michael Schäfer auf der Bühne. Der 50-Jährige ist Lehrer an der Käthe-Kollwitz-Schule in Plauen. Als ein Sprecher des Sächsischen Lehrerverbandes konnte er seine Enttäuschung über die von den Anwesenden als Rückwärtsentwicklung gesehene Vergangenheit nicht verbergen. Der Mann wurde ziemlich laut: "Mit Taschenspielertricks will man uns ein millionenschweres Bildungspaket verkaufen. Wir aber fordern: Räumt endlich euern Laden auf." Seine Worte flogen mit ungebremstem Jubel nach Dresden, wo die Staatsregierung offenkundig zusätzliche Kritiker "gewonnen" hat. Gertrud Petermann hatte "diesen Lärm schon an der Elsterbrücke vernommen. Ich erinnerte mich an das Jahr 1989. Da gingen die Menschen hier auch auf die Straße", ließ die 82-Jährige ihren Gedanken freien Lauf. Das Jugendparlament der Stadt Plauen (JUPP) hatte bereits im Vorfeld der Kundgebung von "desaströsen Auswirkungen der derzeitigen Bildungspolitik" gesprochen. In der Praxis sieht der Unterricht inzwischen so aus: Unzählige Stunden in Prüfungsfächern werden wegen Lehrermangel nicht fachgerecht vertreten, verschoben oder entfallen sogar ganz. Klassen werden aus dem gleichen Grund mitten im Schuljahr zusammengelegt. Während die eine Seite demotiviert in die Schule kommt, geht die andere frustriert nach Hause. Deshalb gehen inzwischen Lehrer und Schüler gemeinsam auf die Straße.