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Musikinstrumentenmuseum zeigt historische Liedpostkarten

Kultur Neuestes Sammlerstück ist von 1904

Mehltheuer. 

Mehltheuer. Von ihm gibt es nicht nur viele sogenannte Liedpostkarten. Anton Günther hatte sie auch erfunden. Dem Leben und Wirken des erzgebirgischen Volksdichters, der in Gottesgab geboren wurde, widmet sich Karl-Heinz Teuschler aus Mehltheuer seit Jahren. Der Inhaber des kleinsten Musikinstrumentenmuseums der Welt, verewigt als solches im Jahr 2001, hat alles mögliche zu Anton Günther gesammelt und eine kleine Ausstellung aufgebaut. Mit Fotos, Liederheften, Noten und vor allem Liederpostkarten. Sein neuestes Sammlerstück stammt aus dem Jahr 1904. "Erst jetzt im März erhielt ich die originale Postkarte mit dem Lied "Da Draakschenk" mit der Unterschrift von Lilli Günther, der Schwiegertochter des Volksdichters." Besonders freut sich Karl-Heinz Teuschler, dass sein Name darauf erwähnt ist, denn der Vogtländer hatte der betagten Dame über sein Museum und seine Sammlung berichtet." Die historische Postkarte hat Teuschler jetzt von Familie Möbius aus Mühltroff, die ebenfalls den Erzgebirgler verehrt, geschenkt bekommen.

Lieder in erzgebirgischer Mundart

Immer wieder freut sich Karl-Heinz Teuschler, wenn er anderen Musikfans über Anton Günther erzählen und seine gesammelten Raritäten zeigen kann. So gab es einen Anton-Günther-Abend mit etwa 30 Leuten im Museum, welches damit wohl proppevoll mit Leuten gewesen sein muss. Gerne lässt der Mehltheuerer seine Besucher ins Gästebuch schreiben. Und auch wenn nicht jeder Anton Günther kennen mag, seine Lieder in erzgebirgischer Mundart (Da Draakschenk heißt auf hochdeutsch übrigens Die Dreckschenke) sind unvergessen und beliebt bis heute, werden über Generationen überliefert und gesungen. So etwa das Feiromd-Lied", eines der bekanntesten Lieder. "Wu da Wälder hamlich rauschn", "Vergaß dei Hamit net", "Mei Grußmütterla" oder auch "O seelicha Weihnachtszeit" gibt es neben vielen anderen - insgesamt 86 - als Liedpostkarte. Typisch für eine solche Karte sind einfache Notenbilder, Texte und Zeichnungen, die auf der Vorderseite abgebildet sind. Als ausgebildeter Lithograph fertigte Günther die Bilder auf den Karten selbst an. Als Postkarte wurden sie verkauft und in die Welt hinaus verschickt, was wohl den Bekanntheitsgrad der Lieder noch erhöhte.

Anton Günther hatte Auftritte in Prag, wo er auch eine Zeit lang lebte, aber auch Heimweh hatte. Ihm soll die Ehre zuteil gekommen sein, vor seiner Sr. Majestät dem König Friedrich August von Sachsen auf dem Fichtelberg zu singen. Er musizierte vor Publikum in Leipzig oder auch Plauen. Dokumente in Teuschlers Sammlung erzählen von den Auftritten. "Er spielte hauptsächlich Gitarre", weiß Karl-Heinz Teuschler über den musikalischen Erzgebirgler, dessen Auftritte als frisch und nicht als sentimental beschrieben wurden. Anton Günther, der verheiratet war und mehrere Kinder hatte, starb 1937.

"Das Feiromd-Lied" auf Polyphon fehlt mir noch in meiner Sammlung", sagt Karl-Heinz Tesuchler. Neu im Museum ist ein Trichter für den Phonograph, den Vorgänger der Schallplatte, "Den habe ich von einem Musiker aus Leverkusen." Auch die Lochplatten-Spieldose, die der Walzen-Spieldose folgte, findet man im Museum. "Sie wurde 1887 in Leipzig von Paul Lochmann erfunden.", sagt Teuschler. Er hatte schon Besucher aus Leipzig, die hörten erstmals davon. Dabei gäbe es sogar eine Straße in Leipzig, die nach ihm benannt ist. Hergestellt wurden die Spieldosen, auch das ist relativ unbekannt, unter anderem in Zeulenroda.

Insgesamt 350 Musikinstrumente und 1500 Exponate beherbergt das Musikinstrumentenmuseum in Mehltheuer. Dazu kommt der Wissensschatz von Karl-Heinz Teuschler, der sich freut, wenn er endlich wieder sein Museum öffnen und seine Musikleidenschaft mit anderen teilen kann.