Plauen. Der FC Erzgebirge hat diesmal den Spieß umgedreht. Drei Tage nach dem 0:4 der Auer Fußballer gegen Regionalligist ZFC Meuselwitz hieß es beim Aufsteiger VFC Plauen 4:0. Schon im Pauseninterview verriet der Auer Sportdirektor Matthias Heidrich: "Dass wir uns heute ganz anders präsentieren, als gegen Meuselwitz, das ist eine klare Forderung." Die "Veilchen" führten zu diesem Zeitpunkt durch Tore von Kilian Kakob (20./22.) und Marcel Bär (43.) bereits klar mit 3:0. Beim VFC Plauen fand Cheftrainer Karsten Oswald klare Worte: "Leute! Wir müssen deutlich präsenter werden. Da muss viel mehr kommen von uns, auch wenn wir eine Spielklasse niedriger spielen."
Szenenapplaus für den Auer Cheftrainer Pavel Dotchev
Gut, der VFC wurde im zweiten Abschnitt etwas mutiger. Als der Plauener Stürmer Johann Martynets durchbrach, musste Mirnes Pepic im Vollsprint seine Kameraden vor dem Einschlag retten. Der Auer grätschte im letzten Moment dazwischen. Noch deutlich mehr Szenenapplaus bekam FCE-Cheftrainer Pavel Dotchev für einen exzellenten Ballstop an der Rasenkante. Dort standen urplötzlich acht frische Plauener Nachrücker. Der VFC war mit insgesamt 26 Leuten am Start. Die Wechselorgie sorgte wie in Testspielen üblich für Unordnung, denn auch die Erzgebirger ließen 21 Kicker im Trikot erscheinen. Nicht alle waren zum Zuge gekommen. Am Ende aber bekamen letztlich 42 Spieler aus beiden Vereinen Einsatzzeit. Nicht dazu gehörte in Plauen Martin Männel. Die Auer Torwartlegende durfte nach dem anstrengenden Trainingslager in Bad Blankenburg frei machen. "Martin sitzt auf der Tribüne. Wir hatten das bereits vorneweg so abgestimmt", ließ Sportdirektor Matthias Heidrich wissen.
Das 4:0 war ein Zungenschnalzer
Die 600 Zuschauer im Vogtlandstadion erlebten noch das toll herausgespielte 4:0 für Erzgebirge Aue. Boris Tashchy (64.) zeigte seine ganze technische Raffinesse, als der Ukrainer unter Bedrängnis ganz cool blieb und mit einem gefühlvollen Lupfer für einen Zungenschnalzer sorgte. "Da muss man aber dazu sagen, dass Ball zuvor von Mika Clausen super gespielt wurde", hob FCE-Coach Pavel Dotchev an der Seitenlinie den Daumen. Das mögliche Ehrentor verpassten die Plauener, als VFC-Rückkehrer Lucas Will (kam gestern vom FSV Zwickau zurück) nur haarscharf eine Charlie-Spranger-Eingabe verpasste. "Hhhhhhmmmm", grummelte Pavel Dotchev, "das war wieder unsere linke Abwehrseite", sah der Übungsleiter durchaus auch Schwächen seiner Teams. Erzgebirge Aue empfängt am Mittwoch, 18 Uhr, den Bundesligisten Borussia Dortmund. Die Saisonzielstellung der Auer in der 3. Liga fasste Matthias Heidrich so in Worte: "So schnell wie möglich die nötigen Punkte holen, dass wir nichts mit dem Abstieg zu tun haben. Erst dann können wir uns über mehr unterhalten."
VFC-Coach Karsten Oswald erwartet klare Steigerung
Scharfe Worte flogen derweil beim Gastgeber über den Rasen. "Ich hoffe, dass jetzt auch der Letzte bei uns gemerkt hat, dass wir nicht mehr Oberliga spielen. Das wird kein Zuckerschlecken", stellte VFC-Coach Karsten Oswald voran. In aller Deutlichkeit ließ der VFC-Trainer wissen: "Wir müssen jetzt mal aus dem Arsch kommen, uns den Hintern aufreißen. Sonst rennen wir nur sinnlos hinterher." Die Plauener Philosophie für die kommende Saison leuchtet ein. "Wir haben nur wenige Schüsse zur Verfügung. Die müssen sitzen. Weil wir den Kader mit bezahlbaren Spielern vergrößert haben, gibt es mehr Konkurrenzkampf. Und so hoffen wir am Ende, schnell regionalligatauglich zu werden", verdeutlicht Thomas popp (Sportlicher Leiter) das Konzept. Das Problem: Der VFC muss nach zehn Oberliga in nur vier Wochen das Tempo in der höheren Spielklasse verinnerlichen. VFC-Präsident Thomas Fritzlar: "Ja, das wird schwer. Aber es ist nicht unmöglich. Was wir nicht machen werden: Wir werden nicht am Wettrüsten teilnehmen und auch nicht nachladen, wenn wir die Munition nicht bezahlen können", kündigt der Präsident an. Die Plauener spielen am Samstag, 13 Uhr, gegen den Regionalligisten Spielvereinigung Bayreuth.
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