Nach 79 Jahren taucht dieses Foto auf

Glücksfall Beim Durchstöbern des Vogtland-Jahrbuchs findet Sigrid Baumann die eigene Mutter

Mehr Zufälle gibt es nicht. Nach 79 Jahren ist jetzt ein Foto aufgetaucht, das zuvor wahrscheinlich kaum einer zu Gesicht bekommen hatte. "Das ist unsere Mutti. Unglaublich. Schau nur, wie hübsch sie war." Sigrid Baumann hatte das Vogtland-Jahrbuch eigentlich gerade ihrer Schwester Christine Guntz zum 77. Geburtstag geschenkt. Weil bei ihr zu Hause in Weischlitz aber zuerst die gesellige Kaffeerunde bedient werden wollte, hatte Christine für die 30. Ausgabe des Jahrbuchs zunächst gar keine Zeit. Also blätterte Sigrid darin und sie erschrak: "Schaut nur her: Das ist meine Mutti", wird Sigrid den 7. November 2012 nicht nur des Geburtstages ihrer Schwester wegen nie vergessen. Schnell ließ Christine alles liegen und stehen: "Das Bild habe ich ja noch nie gesehen. Schau nur, die Mutti war zu dem Zeitpunkt schon verlobt", sah Christine den Verlobungsring auf dem Titelbild im Einband. Schnell ermittelte die Runde die Jahreszahl: "1933, zum Erntedankfest ist das Bild entstanden. Zu sehen ist der Weischlitzer Weinberg." Margarethe Dölling hatte es dem unbekannten Fotografen in dieser Szene offenkundig angetan. Die damals 23-Jährige kommt auf dieser Aufnahme besonders gut weg. Verleger Jean-Curt Röder fiel aus allen Wolken, als die netten Damen von dieser einmaligen Geburtstagsfeier erzählten. Der Historiker schmunzelte: "Manchmal treibt das Leben wirklich seltsame Blüten." Natürlich bekamen die beiden Frauen das ziemlich kleine Originalbild vergrößert mit nach Hause.

Jean-Curt Röder liebt solche Kuriositäten. Der 67-Jährige hat diesmal 178 Kurzgeschichten, Anekdoten und Gedichte zusammengetragen und sein Vogtland-Jahrbuch zum 30sten Mal herausgegeben. Woher er so viele Storys hat? "Nun ich sammle Rezepte und bin eine Art Koch, der seinen Gästen stets etwas neues präsentieren möchte", kennt der Plauener den Geschmack seiner Leserschar, die auch in den alten Bundesländern zu Hause ist. "Wer jetzt im Westen lebt, der hat ein Stück Heimat verloren", glaubt der Inhaber des Vogtländischen Heimatverlages Neupert, wo im Archiv am Klostermarkt bestimmt noch viel Unglaubliches schlummert.