Oberes Vogtland will Leuchtturm-Position ausbauen

Corona Barbara Klepsch hört coronageplagten Kulturschaffenden zu

Bad Elster. 

Sachsens noch recht neue Ministerin für Kultur und Tourismus hat am Mittwoch mehrere Städte des Oberen Vogtlandes besucht und kam mit Akteuren der Kultur- und Tourismusbranche ins Gespräch. Während sich Landrat Rolf Keil (wegen eines Paralleltermins) und TVV-Chef Dr. Andreas Krauß (Urlaub) entschuldigen ließen, diskutierten der CDU-Landtagsabgeordnete Andreas Heinz, Chursachsen-Geschäftsführer Florian Merz, Musicon Valley-Marketingleiter Frank Bilz, Kurdirektor Gernot Ressler, die Chefin der Bikewelt Schöneck, Jennifer Braun, sowie die Bürgermeister Bad Elsters, Olaf Schlott, und Markneukirchens, Andreas Rubner mit der Ministerin.

Florian Merz berichtete aus Bad Elster, das in den vergangenen Jahrzehnten eine großartiger kulturelle und gesundheitswirtschaftliche Entwicklung genommen habe. Wir haben hier eine große Tradition und sieben historische Veranstaltungsstätten, in denen wir höchste Qualität bieten. Kultur als Erlebnis mit besonderer Note soll unser Markenzeichen sein", so Merz. Er zeigte sich stolz, dass die Chursachsen die Eigenerwirtschaftungsquote von 22 auf 66 Prozent binnen zwanzig Jahren gestiegen sei. Rund 3,2 Millionen Euro wurden zuletzt umgesetzt. Und einmal unabhängig von dem coronabedingten Einbruch in 2020 könnte sich Merz eine Zukunft als gut vernetzte Modellregion Oberes Vogtland vorstellen. "Wir brauchen nicht zwingend mehr Gäste, sondern Gäste, die bereit sind, mehr Geld im Vogtland auszugeben. Die Lokomotive des Tourismus sitzt im Oberen Vogtland. Hier finden siebzig Prozent aller Übernachtungen statt. Ich bin durchaus kritisch gegenüber der Kooperation mit Thüringen im Tourismusverband, der eher eine politische Struktur ist, als eine Gemeinschaft von Machern. Wir sollten uns auf unsere Stärken besinnen - Qualitätstourismus sollte in den Vordergrund gestellt werden - und natürlich müssen wir endlich eine bessere Kooperation mit potenziellen Partnern in Tschechien hinbekommen", zeichnete Merk spannende Strukturüberlegungen auf. Aber natürlich habe die Corona-Krise auch die Chursachsen gebeutelt, wobei man dennoch keine keine höheren Zuschüsse seitens der Gesellschafter erwarten könne und wolle.

Frank Bilz erklärte, dass die Corona-Pandemie die Branche völlig kalt getroffen habe. Daraus müsse man lernen. Er beklagte, dass die eigenwillige Förderung des Freistaates Sachsen viele Leistungsträger getroffen haben, die jetzt jahrelang kämpfen müssen Hier versprach Barbara Klepsch, dass der neue dreißig Millionen-Zuschuss für gemeinnützige Vereine und Gesellschaften helfen könnten. Zudem wolle man der Branche weiter mit Lockerungen helfen. "Wir versuchen, nach dem 17. Juli, die Abstandsregeln zu reduzieren, um wieder ein wenig mehr Normalität zu bekommen", so Klepsch. Gernot Ressler sah diese Ankündigung mit einem freudigen und einem achtsamen Auge. "Viele Leute kommen hierher, um gesund zu bleiben oder zu werden. Wir sollten nicht so tun, als sei die Pandemie schon Geschichte. Ein einziger Corona-Fall kann alles verändern", warnte der Chef der Sächsischen Staatsbäder.

Ganz ähnlich vom Duktus her waren die Ansinnen im Musikinstrumentenmuseum Markneukirchen. "Ein echtes Kleinod", staunte Barbara Klepsch und Andreas Heinz mahnte an: "Wir sollten etwas dafür tun, den Diamanten wieder zum Funkeln zu bringen." Bürgermeister Andreas Jacob erklärte voller Stolz, dass schließlich 1.400 Beschäftigte bis heute in der seit 1620 in Markneukirchen bestehenden Branche tätig sind. "Alles außer Orgeln, Klaviere und Trommeln wird bei uns gebaut, was ein Orchester braucht", so Jacob.

Heute werden im Musikinstrumentenmuseum rund 10.000 Objekte, darunter 4.000 Instrumente, gezeigt. Der Bauzustand des Museums sei überaus schwierig. Die Gestaltung der Ausstellung stamme aus den siebziger Jahren. "Wir brauchen bauliche Verbesserungen und natürlich eine inhaltliche Neugestaltung", meint Stefan Hindtsche, der Leiter des Museums. Geht es nach ihm, sollte die Musikinstrumenten-Tradition zum immateriellen Unesco-Erbe erklärt werden. Als letzte Station im Vogtland besuchte die Ministerin dann noch die neue Jugendherberge Schöneck und die toll gestalteten Containerlofts in der Ski- und Bikewelt unterhalb der "Hohen Reuth".