Paukenschlag: Berufsakademie verliert Zeit und Studenten

Interview Direktor Prof. Dr. Lutz Neumann stand dem BLICK Rede und Antwort

Plauen. 

Zum Tag des offenen Campus lief dem BLICK-Reporter Prof. Dr. Lutz Neumann über den Weg. Der Direktor der Berufsakademie in Plauen wirkte verhaltenwortkarg wie noch nie. Wie sich herausstellte, scheint der Standort Plauen zum wiederholten Mal nur die Rücklichter anderer Studienhochburgen zu sehen. Karsten Repert unterhielt sich mit einem sehr ernsten Direktor...

 

BLICK: Trotz Corona-Pandemie veranstalten Sie einen Tag des offenen Campus'. Wie zufrieden sind Sie?

 

Prof. Neumann: Wir mussten zwangsläufig mit Voranmeldungen arbeiten, damit wir die Besucheranzahl kontrollieren konnten. Dadurch kamen natürlich nicht so viele Besucher wie in den vergangenen Jahren. Aber dafür waren es ausschließlich echte Interessenten, die bei uns studieren wollen. Deshalb sind wir mit dem Tag sehr zufrieden.

 

BLICK: Haben Sie noch viele Studienplätze anzubieten?

 

Prof. Neumann: Wir haben, wie in den vergangenen Jahren auch, mittlerweile ein deutlich größeres Angebot an Studienplätzen bei unseren Praxispartner-Unternehmen als wir Bewerber haben. Das ist sehr schade, da wir die hohe Nachfrage nicht mehr in ausreichendem Maße befriedigen können. Nur mal als Beispiel: Im letzten Jahr hatten wir 213 Studienplätze angeboten, immatrikulieren konnten wir mangels ausreichender Bewerber leider nur 140 Studierende, also gerade mal zwei Drittel des Angebots. In diesem Jahr haben wir trotz der Corona-Unsicherheit auch wieder über 200 Studienplätze im Angebot und leider nicht ausreichend Bewerber. Hier fehlen der Wirtschaft immer mehr die Nachwuchskräfte.

 

BLICK: Würde die Umwandlung in die Duale Hochschule, so wie im Koalitionsvertrag vorgesehen, die Situation ändern?

 

Prof. Neumann: Sicherlich würde uns dies helfen, bei der Zielgruppe, unseren Abiturienten, besser wahrgenommen zu werden. Dies hat sich auch in Baden-Württemberg und Thüringen gezeigt. Allein durch die Umwandlung der Berufsakademie in eine Duale Hochschule haben sich die Immatrikulationszahlen in beiden Bundesländern deutlich erhöht, in Baden-Württemberg um 32 Prozent und in Thüringen um 26 Prozent. Und hier muss man noch ergänzen, dass dabei nur bedarfsgerecht ausgebildet wird. Das heißt, nur wenn Praxispartner Studienplätze anbieten, kann man auch ein Studium aufnehmen.

 

BLICK: Vor zwei Wochen war Minister Gemkow auf Einladung des Landrats bei Ihnen zu Besuch. Hat er Ihnen diesbezüglich Neuigkeiten mitgebracht?

 

Prof. Neumann: Wir haben natürlich auch über dieses Thema gesprochen, insgesamt ging es um eine Stärkung des Bildungsstandortes, der mittelfristig mit neuen attraktiven Studieninhalten junge Menschen anziehen soll. Für eine erfolgreiche Entwicklung der Studienakademie Plauen wird innerhalb der BA Sachsen auch an der weiteren Profilbildung am Standort in Plauen gearbeitet. Als ein Schwerpunkt bieten sich weitere Studienangebote in den Gesundheits- und Pflegeberufen an.

 

BLICK: Hier gibt es nach meinen Informationen aber Probleme mit dem Pflegeberufegesetz?

 

Prof. Neumann: Ja, das ist korrekt. Nach derzeitigem Stand dürfen solche Studienangebote nur an Hochschulen eingerichtet werden. Deshalb wurde im letzten Jahr auch an der Evangelischen Hochschule in Dresden ein solches duales Studienangebot gestartet. An der Berufsakademie ist das leider nicht möglich. Um solche Angebote im Pflegebereich auch an der Berufsakademie zu ermöglichen, will sich das Ministerium beim Bund für eine Änderung des Pflegeberufegesetzes einsetzen.

 

BLICK: Wäre es da nicht einfacher den Koalitionsvertrag zügig umzusetzen und die BA Sachsen in eine Duale Hochschule zu überführen? Das Umsetzungskonzept dazu soll doch dieses Jahr entwickelt werden. Wie ist da der Stand?

 

Prof. Neumann: Eine zügige Umwandlung der BA Sachsen in eine Duale Hochschule wäre sicher schneller umsetzbar, allein schon deshalb, da man unabhängig von Entscheidungen des Bundesrates agieren kann. Letztendlich entspricht das auch den Vereinbarungen des Koalitionsvertrages. Zum aktuellen Stand des Umsetzungskonzeptes kann ich Ihnen nichts sagen, da ich nicht Mitglied der dazu eingerichteten Arbeitsgruppe im Ministerium bin.

 

BLICK: Und wie sehen das Ihre Kolleginnen und Kollegen Direktoren?

 

Prof. Neumann: In der Direktorenkonferenz besteht Einigkeit über die Umwandlung in eine Duale Hochschule. Alle befürworten diesen Schritt und die damit verbundene Weiterentwicklung, die natürlich vor allem der sächsischen Wirtschaft zu Gute kommt, wenn wir die angebotenen Studienplätze auch besetzen und damit den dringend benötigten Nachwuchs in den sächsischen Unternehmen auch außerhalb der Ballungsräume sichern können. 

 

BLICK: Vielen Dank.