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Chemnitz

Plauen: So kam die Ranch zu ihrem Namen

Nachgefragt Holzfassade sah der einer Ranch in Amerika ähnlich

Plauen. 

Plauen. Spannende Erzählungen bieten die Geschichten in Stein immer wieder. Gerade in Plauen ist in den vergangenen Jahrzehnten unglaublich viel passiert. Und manchmal schleichen sich im Laufe der Zeit bei den Zeitzeugen selbst Trugschlüsse ein. So geschehen in diesen Tagen, als die Oldie-Discotheker im legendären Tanzlokal "The Ranch" anrückten. Weil die Disco-Oldie-Nacht coronabedingt weiter pausieren muss, solange die Hygienebestimmungen in der Festhalle keine Party nach gewohntem Standard zulassen, trafen sich die Schallplattenerhalter kurzerhand zum Erinnerungsstammtisch in der besagten Ranch.

 

Hier ging es turbulent zu

 

DJ Gerd Schremmer schrieb dem BLICK im Nachhinein ein paar nette Zeilen. Und in dieser Post erläuterte der 65-Jährige auch, wie die Ranch zu ihrem heutigen Namen gekommen ist. "Die 'Rensch' nannte der vogtländische Volksmund vor 50 Jahren schon so, weil es dort immer turbulent zuging", schrieb "Gerdi". Die Erklärung leuchtet ein. Zu DDR-Zeiten rückte wohl auch schonmal das Überfallkommando der Volkspolizei an, wobei es den Erzählungen nach selbst die bewaffneten Organe im damaligen Eugen-Fritsch-Heim schwer hatten. Denn hier trafen sich schon immer hand- und charakterfeste Leute, die ungern nach der Pfeife der Staatsoberen tanzten. Doch Gerd Schremmer liegt mit seiner Annahme falsch. Thomas Kallenbach hat sich beim BLICK gemeldet und für Klarheit gesorgt. "Der Volksmund nannte das Lokal 'Ranch', weil die Holzfassade der einer Ranch in Amerika ähnlich sah und nicht wie berichtet, weil es dort immer turbulent zuging", schreibt "Kalle", der seit 1972 quasi mit der Ranch aufgewachsen ist.

 

Frieder Stephan hat das Lokal salonfähig gemacht

 

Frieder Stephan - seit 1993 der Wirt in dieser Gaststätte - bestätigt den Sachverhalt. Der DJ hatte zuvor 20 lang in der Ranch als staatlich geprüfter Schallplattenunterhalter aufgelegt. Für alle jüngeren Leser: Die Ranch war seinerzeit eine der angesagtesten Diskotheken. Der 70-Jährige weiß aus den Erzählungen zudem: "Die Ranch ist 1947 gebaut worden, weil es in Plauen keinen geeigneten Sitzungssaal mehr gab. Die Gaststätte wurde benannt nach dem ehemaligen SPD-Politiker und Plauener Stadtverordneten Eugen Fritsch." Ihn brachten die Nazis 1933 unter ungeklärten Umständen gewaltsam zu Tode. Die Leute aber nannten die Lokalität schon immer Ranch, wenngleich das natürlich von den DDR-Politkern gar nicht gern gehört wurde. Später wurde der Flachbau dann als Arbeiterpausenversorgung genutzt. 1993 übernahm Frieder Stephan das Gebäude zunächst als Pächter von der damaligen Gebäudewirtschaft. "Alles war marode und wir haben ewig gebraucht, bis die Räumlichkeiten wieder salonfähig waren", berichtet der Gastwirt, der den legendären Tanztempel dann 1997 kaufte und immer wieder tolle Bands nach Plauen auf die Bühne holte. Übrigens denkt Frieder Stephan inzwischen so langsam darüber nach, sich zur Ruhe zu setzen. "Ich suche einen Pächter oder Käufer, der zur Ranch passt", berichtet der Gastronom. Weitere Informationen gibt es im Lokal, Telefon 03741-223093. In eigener Sache: Der BLICK bittet den Fehler zu entschuldigen und bedankt sich bei allen Beteiligten für das angenehme Miteinander.