Premiere war ausverkauft: Neuer RIAS-Freundeskreis gegründet

Zum 70. Wacker-Sommerfest trifft man sich am 11. Juli in Plauen wieder

Plauen

Zur Premiere meldete der neue RIAS-Freundeskreis „alle Sitzplätze ausverkauft. Unsere Radiofreunde kommen aus sechs Bundesländern.“ Dass der Rundfunk im amerikanischen Sektor (RIAS) in Plauen wirklich Spuren hinterlassen hat, man konnte es in der Wacker-Gaststätte spüren.

Gemeinsam feierten die Vogtländer, die Franken, die Anhaltiner, die Baden-Württemberger, die Thüringer und natürlich die Berliner den 80. Geburtstag eines Radiosenders, den jüngere Leute nie hören konnten, weil er 1993 abgeschaltet wurde.

Eine freie Stimme der freien Welt

Die freie Stimme der freien Welt hatte mit der Deutschen Einheit ihren Auftrag erfüllt. In Plauen ist nun ein kleiner Freundeskreis entstanden, der künftig immer zum Wacker-Sommerfest die alten Geschichten wieder aufleben lässt. „Wir bedanken uns beim Hotel Alexandra, bei der Sternquell-Brauerei und beim Globus Weischlitz, die als Partner dafür gesorgt haben, dass wir eine tolle Auftaktveranstaltung haben konnten“, freute sich Jürgen Stader (Hof).

Redaktionsleiter Alexander Tauscher (Germering/Oberbayern) von Radioreise.de staunte: „Unglaublich, was ihr hier an historischem Material zusammengetragen habt. Meinen aller größten Respekt dafür!“ Er saß neben Prof. Dr. Bernd Märtner als Vorsitzenden der Bürgerstiftung Plauen und den Landtagsabgeordneten Andreas Heinz und Jörg Schmidt, die das Projekt ebenso unterstützen.

In Plauen liefen RIAS 1 und 2 sowie Bayern 1 und Bayern 3

Was man zum RIAS wissen muss: Dieser Sender wurde betrieben, um die DDR-Bürger aber auch den Westen in den „Zonenrandgebieten“ mit frei zugänglichen Informationen zu versorgen. Wolfgang Dörschel aus der Plauener Ostvorstadt erzählt: „Wir haben alle RIAS gehört. Das war genau wie Bayern 1 und Bayern 3 unser Sender.“ Die DDR-Diktatur hatte den RIAS zum Feind erklärt. In Plauen gab es deshalb einen Störsender, mit dem der Staat versucht hat, die „feindliche Propaganda“ zu verhindern.

Der damalige Bürgerrechtler Frank Heidan bestätigt: „Der Störsender befand sich an der Festhalle.“

Funksignal kam aus Westberlin über Hof nach Plauen

Damit der Osten aber weiter den RIAS aus Berlin empfangen konnte, wurden an der Deutsch-Deutschen-Grenze riesige Sendemasten errichtet, die das Funksignal aus Westberlin verstärkten und ins Landesinnere der DDR schickten. „Wir hatten in Hof die große Verstärkeranlage. Dadurch fühlten wir uns lange vor der offiziellen Partnerschaft mit den Schwestern und Brüdern in Plauen verbunden“, verrät Jürgen Stader.

Der Hofer ist sozusagen der geistige Kopf vom neuen RIAS-Freundeskreis, der sich künftig über einen WhatsApp-Kanal organisieren wird. Dort werden dann auch Bilder und Geschichten ausgetauscht. Kontaktnummer: 0171 404 66 77.

RIAS-Quiz: Freundeskreis trifft sich am 11. Juli im Wacker-Festzelt

Zum 70. Wacker-Sommerfest veranstaltet der Freundeskreis ein RIAS-Quiz. Am Samstag, dem 11. Juli geht es von 16 Uhr bis 18 Uhr um Moderatoren, Technik, Musik und Wissenswertes. Es warten schöne Preise und Erinnerungsstücke. Der Eintritt zum Wacker-Sommerfest ist frei.

Apropos Erinnerungen: Torsten Sielmon (Show-Archiv Bernburg) und Albrecht Lenk (Amiga-Archiv Plauen) haben anlässlich des 80. RIAS-Geburtstages mit Rundfunkfreunden wie Gert Heidenreich (Band Minimax), Joachim Ott und Heinz Tonndorf (Schallplattenbörse Plauen) zusammengefunden. In der Antonstraße 47 in Plauen (Druckerei Ott) können Interessierte im Hofzugang freizugänglich eine kleine Ausstellung ansehen.

RIAS spielte die beste Musik

Der RIAS hat in Plauen das kranke DDR-System bloßgestellt. „Der RIAS hatte die beste Musik. Wir alle wollten den Sender hören“, berichtet Falk Forster, heute Stadtplaner in Plauen. Doch Radiomoderator Gerhard Kothy (unter anderem Treffpunkt) wusste: „Nur diese Relaisstation in Hof hat es überhaupt möglich gemacht, dass der Plauener RIAS-Störsender überhaupt in der DDR gehört werden konnte.“

Die DDR schaltete übrigens den Störsender irgendwann ab. Weil der Westen später sogar gegen Devisen ein geheimes Erdkabel verlegen durfte. Im Freundeskreis werden solche Geschichten tiefgründiger erörtert. Kontakt: [email protected]

Habt ihr eine Meinung zu diesem Artikel oder einen Fehler entdeckt? Dann weist uns gern darauf hin.

Auch interessant für dich