Psychische Krankheitsfälle leicht gestiegen

Gesundheit Angst macht den Menschen zu schaffen

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Dr. Dr. Niels Bergemann. Foto: Karsten Repert

Plauen/Rodewisch. In der Industrie werden inzwischen gute Leute abgeworben. Auszubildende sind rar. Die Zeit des Personalmangels hat begonnen. Gleichzeitig haben die Vogtländer unfassbar viel Angst auf Arbeit. Der psychische Druck sorgt für Aggressionen. Das Betriebsklima macht depressiv. Dazu kommen Übergewicht und Bewegungsarmut. Kranktage steigen. Herausgekommen ist ein Cocktail, der kreuzgefährlich ist. "Ich schaff' es nicht mehr" - diesen Satz hören die Psychiater, Heilpraktiker, Sozialpädagogen und die Zuhörer vom Sorgentelefon pausenlos. Was kann man tun? Auf diese Frage gibt es unfassbar viele Antworten, weil Medizin und Wissenschaft immer mehr komplexe Zusammenhänge erkannt haben.

In diesem Monat stellte der BLICK-Reporter eines ganz deutlich fest: Sogar die, die den psychisch labilen oder bereits erkrankten Menschen helfen wollen, sogar sie sind vollkommen überlastet. Professor Klaus-Dieter Waldmann hat nur eine Antwort. "Wir müssen neu lernen, die Ruhe zu erzwingen", sagt der Psychiater im Ruhestand. Herr Waldmann gilt als Pionier der Psychiatrie im Vogtland.

Dr. Dr. Niels Bergemann ist Ärztlicher Direktor im Sächsischen Krankenhaus Rodewisch. Der Experte findet: "Es ist höchste Zeit, darüber zu reden! Denn psychisch Kranke werden immer kränker, wenn sie die Krankheit im Stillen ausbrüten." Der Privatdozent stellt zugleich aber auch klar: "Die Zahl der psychischen Erkrankungen ist im Verhältnis gesehen gar nicht so sehr gestiegen." Steigende Ausfallzahlen aber geben Anlass zur Sorge. Betroffene sollten sich bei einer regionalen Seelsorge melden.