Reuth feiert 600. Bestehen

Jubiläum Erinnerung an Rittergut und Kindergartenzeit

Der Ort Reuth im Vogtland feierte 600. Bestehen. Foto: Simone Zeh

Reuth. Von der Reuther Historie haben die Einwohner und Besucher der 600-Jahrfeier viel Wissenswertes erfahren. Beim historischen Dorfspaziergang über die Häuser, ihre einstigen und jetzigen Bewohner. In der Pausa-Rösch-Ausstellung über den Reuther Maler, der neben dem Handwerk auch die Kunst ausübte. Und zum historischen Abend über das einstige Wasserschloss und das Rittergut. Dass ein Nachfahre der einstigen adligen Rittergutsbesitzer in Reuth den Weg zur 600-Jahre finden würde, war etwas Besonderes. Und was er zu sagen wusste, erst recht.

Eine Idee des Adligen

Jörg von Schönfels, mit der Familie in Fulda lebend, schaute sich das Programm zum historischen Abend im Festzelt an, dann trat er ans Rednerpult. Erinnerungen kamen auf, aber auch das Bewusstsein, dass heute in Reuth eigentlich kaum noch etwas ans Rittergut und die einstigen Bewohner erinnert. War doch seine Familie immerhin 200 Jahre mit Reuth verbunden gewesen. Und so unterbreitete der Hesse, der sich herzlich für die Einladung zum Fest bedankte, einen Vorschlag: "Die Kirche ist erneuert und die unter ihr befindlichen Familiengräber und Epitaphe überdeckt. Vielleicht könnte über die Idee nachgedacht werden, in der Kirche eine Grabtafel mit unserem Wappen und sämtlichen Namen und Lebensdaten derjenigen unserer Familienmitglieder anzubringen, welche in Reuth beerdigt wurden. Diese würden wir gerne stiften."

Das war noch nicht alles. Das fröhliche Kinderprogramm hatte den Adligen beeindruckt. Er sagte: "Über die Pfarrerin in Reuth werden wir künftig als Jahresspende 1.000 Euro zuwenden, damit die Kinder aus Reuth einmal im Jahr eine kleine Reise auf das Schloss Schönfels unternehmen. Dort sollen die Kinder nicht nur Bratwürste erhalten, sondern einen Bezug zu ihrer Landes- und Dorf-Geschichte herstellen. Sie sollen auch die in der unmittelbaren Nachbarschaft gelegene, kunsthistorisch einzigartige ehemalige Schlosskirche in Ruppertsgrün besuchen können und so die christliche Grundlage ihrer Kultur erfahren." In Ruppertsgrün wurden die Großeltern von Jörg von Schönfels in einer Gruft beigesetzt. Schloss Schönfels war der Stammsitz der Familie. Als Grundbesitzer, Gerichtsherren und Kirchenpatrone waren zudem die Rittergüter Tobertitz, Rodersdorf, Rodau, Thossfell, Weißenbrunn Eigentum der Familie.

Zurück in die Gegenwart

Er war schon lange vorher in Reuth gewesen, im Volleyball nämlich, wo es so manche Niederlage wegzustecken gab. "Ich hätte nie gedacht, dass ich als Bürgermeister zur 600-Jahrfeier hier stehe", meinte Steffen Raab, Bürgermeister von Weischlitz. Zu der Gemeinde gehört Reuth seit knapp einem halben Jahr. Raab lobte die Reuther für die Organisation der Festwoche, speziell den Gemeinderäten, den Vereinen und dem neuen Ortschaftsrat. Als Weischlitzer Anteil war die Trachtengruppe nach Reuth gekommen.

"Komm wir malen eine Sonne", erklang es, als die Jüngsten in Reuth, die Mädchen und Jungen der Kita "Zwergenland" in ihrem Programm einen Tag im Kindergarten verdeutlichten. Mit Märchen, Mittagessen, Spielen, Schlafenszeit, vor allem viel Spaß und Humor. Einen musikalischen Blumenstrauß überreichten die Instrumentalisten der Musikschule Fröhlich und die Grundschüler aus Krebes.

Bürgermeister lobt die Einwohner

Friedhold Morgner, Ortsbürgermeister von Reuth, lobte seine Einwohner. "Ich bin froh, solche Leute an unserer Seite zu haben." Speziell nannte er Bürgermeister Steffen Raab, Gerald und Martina Kaiser, die seit anderthalb Jahren das Fest allen voran mit vorbereitet haben sowie David Nagler. Und: "Ich danke allen Helfern und Sponsoren, die so ein Fest ermöglichen." Den Politikern vom Kreis und Landtag, die Grußworte sagten, gab Morgner kritische Worte mit auf den Weg: "Unser Ort liegt an der Bahnlinie, aber es hält kein Zug." Dass man wieder einen Bahnanschluss bekomme, darauf hoffen die Reuther.

Ganz weit zurück in die Historie nahm Dr. Andreas Krone die Gäste mit. Er berichtete vom Rittergut, von der einstigen Wehrkirche und der steigenden Einwohnerzahl in Reuth mit dem Eisenbahnanschluss. In den Jahren 1843 bis 1846 war es, als die Sächsisch-Bayerische Staatseisenbahn gebaut wurde und Reuth einen Anhaltepunkt erhielt. "Hatte Reuth vorher etwa 300 Einwohner, stieg die Zahl auf 400 bis 500." 245 Züge sollen damals am Tag durch Reuth gefahren sein. "So viele müssen es ja heute nicht mehr sein", knüpfte er an die Kritik des Ortsvorstehers an. "Aber wenn der eine oder andere halten würde, wäre es nicht schlecht." Reuth müsse früher den Leuten wie eine Insel der Glückseligkeit vorgekommen sein, so Dr. Krone. "Die Menschen lebten 60 bis 70 Jahre, also länger als anderswo, es gab mehr goldene Hochzeiten, gelobt wurde die gute Luft."

Luftballons zum Kinderfest

Viele bunte Luftballons stiegen am Samstagnachmittag in den Reuther Himmel. Der Ballonweitflug-Wettbewerb war eine der Attraktionen zum Fest anlässlich 60 Jahre Kindergarten in Reuth. Da die Kinder bereits zum historischen Abend ihren Auftritt hatten, stellten sich die Erzieher und Elternvertreter auf die Bühne, um die Drei-Schweinchen-Geschichte aufzuführen. Kita-Leiterin Ulrike Schubert dankte allen, die mitgeholfen hatten, das Fest zu gestalten. Erziehern und Elternvertretern. "Und natürlich den Kindern, denn ohne sie hätten wir nichts zu feiern." Die Tobertitzer Turnkinder zeigten ihr Können auf dem Schwebebalken. Draußen warteten Strohhüpfburg, Basteleien, Streichelzoo, Kinderschminken, Glücksrad und noch viel mehr auf die Mädchen und Jungen, die ausgelassen herum tollten.

Nicht nur Milena Hennig aus Mißlareuth ritt eine Runde auf Bendo. Amy Seiferth und weitere Familienmitglieder von der Vogtland-Ranch Pfony aus Reuth führten die Pferde. Erinnerungen wurden bei den Besuchern wach, wenn sie in der Kindergarten-Chronik blätterten, Fotos und Dokumente aus vergangenen Zeiten anschauten. Christina Mehlhorn war einst Kindergartenleiterin in Reuth. "Gleich nach der Ausbildung in Waldenburg kam ich 1967 nach Reuth." Zehn Jahre lang war sie hier tätig. Zum Jubiläum war die Plauenerin gerne nach Reuth gekommen.