st denn im Februar Erntezeit? Im vogtländischen Wald ist es tatsächlich so, dass jetzt Saatgut geerntet wird - und das in purer Handarbeit. Etwa zehn Mitarbeiter des Forstbezirkes Plauen, der zum Sachsenforst gehört, sammelten in einem Waldstück bei Pausa, genannt Mittelhöhe, Zapfen der Vogtländischen Höhenkiefer per Eimer auf und füllten diese in Säcke. "Eine solche Ernte ist kein alltägliches Ereignis", stellte Lena Hupfer, Referendarin bei Sachsenforst, klar. "Zwar blüht die Kiefer regelmäßig, doch eine sogenannte Vollmast, bei der die Bäume genügend Zapfen für eine wirtschaftliche Ernte tragen, kommt im Schnitt nur alle drei bis fünf Jahre vor." Ziel sei es, hochwertiges Saatgut für die nächste Waldgeneration zu gewinnen.
"Ein wahrer Überlebenskünstler"
Was es mit der hier wachsenden Höhenkiefer auf sich hat? "Sie ist ein wahrer Überlebenskünstler. Im Gegensatz zu ihren breitkronigen Verwandten im Tiefland hat sie sich über Jahrtausende an die rauen Bedingungen der Mittelgebirge angepasst", so Lena Hupfer.
Unter strengen Regeln
"130 Bäume wurden gefällt", erklärte Revierförster Eric Specht. Dies sei im Zuge einer ohnehin notwendigen Durchforstung erfolgt. "Die Kiefer ist eine Lichtbaumart, die viel Platz braucht. Wir hatten im Sommer schon ausgewählt, welche Bäume gefällt werden." Das geschah in Abstimmung mit der unteren Forstbehörde. "Es wird nicht wahllos geerntet, sondern nach strengen Regeln: Nur amtlich geprüfte Bestände, die gesund und genetisch wertvoll sind, kommen für die Zapfenpflücker infrage", führte Hupfer weiter aus. "Durch die gezielte Auslese stellen wir sicher, dass die besten Eigenschaften an die nächste Waldgeneration weitergegeben werden." Gleichzeitig erhalten die verbleibenden Bäume mehr Licht und Raum.
Weiterverarbeitung in der Staatsklenge Flöha
Die Zapfen aus der Mittelhöhe traten anschließend ihre Reise zur Aufbereitung in die Staatsklenge (Samendarre) von Sachsenforst nach Flöha an. Deren Leiter Thomas Tschöpe war vor Ort. "Die Ausbeute war nicht sehr ergiebig", stellte er klar. "Aber man muss dennoch zufrieden sein, denn der Samen wird benötigt." Eingesetzt werden kann er im Vogtland sowie in vergleichbaren Höhenlagen in Sachsen.
Wichtiges Saatgut
In der Samendarre werden die Zapfen unter Wärmezufuhr getrocknet, damit sich die Schuppen öffnen ("Ausklengen") und die Samen freigeben. Nach der Reinigung wird das Saatgut eingelagert, bis es in Baumschulen ausgesät wird. "Das Saatgut wird gebraucht, es gibt momentan wenig", ergänzte Plauener Forstwirtschaftsmeister Ingo Fritzsche. "Wir rechnen bei der Ernte mit hundert Kilo Zapfen." Das ergebe etwa ein Kilo Samen - also rund ein Prozent. "Die 200.000 Sämlinge reichen für zehn Hektar Fläche."
Grundstein für klimastabile Mischwälder
Das Saatgut eigne sich besonders für Höhenlagen ab 400 Metern und werde deshalb auch im Vogtland bevorzugt eingesetzt. Vor allem aber ist der Samen wichtig für den Waldumbau - als Grundstein für stabile, klimarobuste Mischwälder im Vogtland.
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