"Schaut euch die Fans genauer an!"

Fußball Volker Herold sieht nach drei Jahren als Leiter des Fanprojektes vieles anders

Die Gewalt im Stadion ist kein Problem des Sports. Bald wird sich wahrscheinlich die ganze Gesellschaft mit diesem Phänomen befassen (müssen). "Es wird in nächster Zeit ein Umdenken geben." Das sagt Volker Herold, der drei Jahre lang die Pauschalverurteilungen von Fußballanhängern miterlebt hat. Volker beendete vergangene Woche seine Arbeit als Leiter des Fanprojektes in Plauen. "Ich habe eine neue, reizvolle Aufgabe. Aber ich möchte nicht wortlos gehen, denn es gibt eine Menge zu sagen", führte der 31-Jährige den BLICK-Reporter zum Abschied durch die Sternquell-Arena. Dort drängelten sich vergangenen Samstag 2.540 Menschen rund um das Spielfeld. Plauen gegen Zwickau (0:3), dieses Derby liefert jede Menge Zündstoff. Doch es blieb ruhig. Wie so oft. Als Diplom-Berufspädagoge befasst sich Volker ganz ruhig und sachlich mit seinem Job: "Wenn an einem Spieltag Tausende zum Fußball pilgern, dann steigt auch das Risiko. Das ist auf dem Oktoberfest in München übrigens genauso." Der ursprünglich aus Netzschkau stammende Wahl-Plauener will die Übergriffe von gewaltbereiten Fußballfans nicht verharmlosen. "Aber wir sollten endlich genauer hinsehen", fordert der Experte. Viele Menschen hätten noch gar nicht bemerkt, was da in den Fanszenen eigentlich passiert. "Dort treffen sich junge Leute, die eine Art Freundeskreis bilden, der wie eine Familie tickt und ihnen Identität bietet", erzählt Volker. In diesem Mikrokosmos vereinen sich zum Beispiel Berufspendler, Singles oder Scheidungskinder. Und Volker weiß: "Diese Leute investieren dann in ihren Verein viel mehr Zeit und Herzblut, als jene Altersklassen, die einfach nur als Zuschauer zu den Spielen gehen." VFC-Trainer Dirk Berger hat das nach dem 1:2-Pokalaus in Döbeln erlebt: "Dort kamen verzweifelte Fans auf uns zu. Für die ist eine ganze Welt zusammengebrochen. Manch einer hat dann total überreagiert", versucht der Coach Verständnis für das folgende Handgemenge aufzubringen. Lesen Sie dazu "Angemerkt".