Selina singt, schwimmt und schafft ein Abi mit 1,0

Bildung Multitalent Selina Kaiser aus Dehles weiß genau, was sie will

Dehles/Plauen. 

Dehles/Plauen. Wenn Selina Kaiser aus Dehles am Freitag ihr Abizeugnis bekommt, weiß sie schon, dass sie einen Durchschnitt von 1,0 haben wird. Es gab erstens eine Vorinformation, und zweitens hat die 19-Jährige genau daraufhin gearbeitet. 839 Punkte hat sie insgesamt erreicht. So viel hat sonst keiner der diesjährigen 64 Absolventen an der Berufsfachschule "Anne Frank" in Plauen geschafft, auch im vorigen Jahr nicht.

"Ich hatte mir mit den Vornoten ein gutes Fundament gelegt", erklärt das Mädchen. "Ich wusste deshalb schon, wie viele Punkte ich brauche, das hatte ich mir ausgerechnet." Es sei ja auch so, dass man die Vornoten mit ins Abizeugnis einbringt, 600 maximal. Bei den Prüfungen sind es 300. Selina ist nicht nur die die Beste ihres Jahrganges an der Schule. Sie weiß auch genau, was sie will: Medizin studieren. "Das weiß ich, seit ich fürs Abi gelernt habe. Ich glaube, wenn ich nicht das Ziel vor Augen gehabt hätte, hätte ich es nicht geschafft."

Schwimmen, Singen, ein Halbmarathon und ein perfektes Abi

Dabei ist das Mädchen auch neben dem Lernen sehr aktiv, trainiert regelmäßig im Verein Schwimmclub Plauen 06, hat schon einen Halbmarathon absolviert und steht regelmäßig auf der Bühne mit ihrer Schwester. Zusammen sind beide Selina und Loreen, das Gesangsduo aus Dehles. Schwester Loreen, reichlich ein Jahr älter, studiert in Leipzig Biologie und Sport auf Lehramt, sie will Oberschullehrerin werden. Die jüngere Selina hat zu Hause gelernt und sich von Mutti Janet schon mal den Lernstoff abhören lassen. "Besonders in Geso, das war auch ein Leistungsfach." Geso steht für Gesundheit und Soziales, und genau wegen dieser Ausrichtung hatte das Mädchen die Bildungseinrichtung auch ausgewählt, um hier das Abitur zu absolvieren.

"Das Fach war nicht unbedingt schwierig, aber sehr lernintensiv." Ihr Ordner hierfür zählt mehrere hundert Seiten. "Hier habe ich am meisten Lernstunden reingesteckt." Es hat sich gelohnt. Und für die Mutti gab's als Dankeschön für ihr Mitfiebern eine Packung Giotto. "Die isst sie am liebsten. Am Freitag gibt es an der Schule eine zeremonielle Zeugnisübergabe in vier Gruppen, bei welcher die Eltern dabei sein dürfen. Selina ist froh wie sicher viele andere Absolventen, dass das Zeugnis nicht einfach per Brief nach Hause geschickt wird. Das war schon so geplant, wegen Corona. Der Abiball indes fällt aus, ob er nachgeholt wird, ist noch ungewiss.

Sich auf Lorbeeren ausruhen ist nicht das Ding von Selina Kaiser. "Am Samstag werde mich meine Bewerbung fürs Studium einreichen. Davor wird mit der Familie gefeiert." Geplant ist ein schönes Wochenende. Mit der Familie ihres Freundes, der ebenfalls am Freitag sein Abizeugnis entgegen nimmt, geht es nach Jena, mit der eigenen Familie und dem Freund wird in Weischlitz schön gegessen. "Wir lassen es uns richtig gut gehen."

Ihre Ziele sind genau abgesteckt

Wie es weiter geht, hat sich die Einser-Abiturientin schon genau ausgemalt und hofft, dass ihr das Zeugnis dafür die Türen öffnet. " Ich würde gerne in Dresden studieren. Dresden ist eine schöne Stadt und in der Nähe." Und auch der Freund wolle dort studieren, ein Studium zum Wirtschaftsingenieur ist geplant. "Wenn es klappt, wollen sich die beiden Vogtländer in der Landeshauptstadt zusammen eine Wohnung nehmen. Optionen wären noch Berlin, wegen der Charite, oder Aachen, die Uni dort sei schön. "Aber ich will gern in Sachsen bleiben. In Dresden war ich schon zum Hochschultag." Selinas Ziel ist nach dem Studium ist, Landärztin zu werden. "Eine Praxis übernehmen oder aufbauen.

Sachsen bietet für Landärzte gute Förderungen." Dass Landärzte fehlen, ist reichlich bekannt. "Ich bin auf dem Land aufgewachsen, da kann ich mir das gut vorstellen. Und ich komme mit älteren Leuten gut zurecht." Das sei bei den Auftritten mit ihrer Schwester als Gesangsduo der Fall, und das merke sie auch bei ihrer derzeitigen Tätigkeit im Helios-Klinikum in Plauen. "Hier absolviere ich ein dreimonatiges Pflegepraktikum. Das ist Voraussetzung fürs Studium." Es gefalle ihr, alle seien freundlich und sie erhalte einen guten Einblick in die Medizin. "Ich habe mich auch extra an der Hochschule erkundigt, ob ich das Praktikum schon beginnen kann, bevor ich das Zeugnis habe." Sie durfte und hat's in Angriff genommen. Denn unnötig warten, wenn man ein Ziel hat, das ist wirklich nicht das Ding der jungen Frau, die im September 20 wird.