Sigmund Jähn ist tot: Das Vogtland trauert um ersten Deutschen im All

Kosmonaut Er bleibt als Himmelsstürmer und geerdeter Mensch in Erinnerung

Morgenröthe-Rautenkranz/Strausberg. Der 26. August 1978 war ein unvergesslicher Tag für einen Vogtländer, der als erster Deutscher mit einer sowjetischen Sojus-Rakete in den Weltraum flog. Nun ist der ehemalige Himmelsstürmer tot. Nach Angaben des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DRL) starb der frühere Kosmonaut am Samstag im Alter von 82 Jahren in seinem Haus in Strausberg bei Berlin. Dort lebte der ehemalige Jagdflieger der Nationalen Volksarmee schon mehrere Jahre. Die Verbindung in seine vogtländische Heimat in Morgenröthe- Rautenkranz blieb bis zuletzt bestehen.

Als Mitglied des Vereins Deutsche Raumfahrtausstellung war er regelmäßig bei Höhepunkten vor Ort. Dabei gab es immer wieder herzliche Begegnungen mit den Menschen, die den Raumfahrer als geerdeten Zeitgenossen kennenlernten. Voriges Jahr feierte er im Gelände der Ausstellung zusammen mit tausenden Besuchern sein 40. Flugjubiläum. Gänsehaut-Moment war die Live-Schalte in die Internationale Raumstation ISS. Mit den Worten "Wir fliegen auf deinen Schultern ins All", grüßte Alexander Gerst aus dem Orbit. Der ESA-Astronaut hatte Jähn bei seinen eigenen Flügen ins All in den Jahren 2014 und 2018 zum Start ins kasachische Baikonur eingeladen.

125 Mal die Erde umkreist

Vom Weltraum-Bahnhof startete Jähn einst mit seinem Kommandanten Waleri Bykowski zur Raumstation Soljut 6. Sein Flug dauerte 7 Tage, 20 Stunden und 49 Minuten. In dieser Zeit umkreiste der Vogtländer 125 Mal die Erde. Danach wurde er als Held der DDR gefeiert. Straßen und Schulen wurden nach ihm benannt. In Westdeutschland blieb der gelernte Buchdrucker unbekannt. Das änderte sich erst nach dem Fall der Mauer. Nach der Wende arbeitete der erste Deutsche im All für DLR und die Europäische Weltraumorganisation (ESA). Wissenschaftler und Politiker würdigen den Verstorbenen als "Brückenbauer zwischen Ost und West".

Wissenschaftsministerin würdigt Sigmund Jähn

Zum Tod Sigmund Jähns, des ersten Deutschen im All, erklärt Sachsens Wissenschaftsministerin Dr. Eva-Maria Stange: "Mit Sigmund Jähn verliert die Bundesrepublik nicht nur den ersten Deutschen im All, der mit seinem Aufenthalt im Orbit der Raumfahrt wichtige wissenschaftliche Erkenntnisse ermöglicht hat. Ich werde Sigmund Jähn auch als einen Menschen in Erinnerung behalten, der heldenhaftes geleistet hat und doch nie ein Held sein wollte. Er war bescheiden und seiner Heimat im Vogtland eng verbunden. Und er war mit seiner bodenständigen Art und seinem Raumflug eine Identifikationsfigur für viele Ostdeutsche. Viele Ostdeutsche waren stolz, dass der erste Deutsche im All aus ihrem Land kam. Ich bin froh und finde es angemessen, dass seine Nachfolger im All, Ulf Merbold und Alexander Gerst, Sigmund Jähns Leistung und Lebenswerk so hoch schätzen. Dies wird ihm absolut gerecht. Meine Gedanken sind bei seiner trauernden Familie und seinen Angehörigen."