Soziale Netzwerke als Jobkiller

Recht Mit sauberen Argumenten dem Unmut Luft verschaffen und Übersteigerungen vermeiden

Wir ehren die alltäglichen Dinge, die uns zusammenbringen, und feiern, dass sich die Menschen überall verbinden", so das Motto von facebook. An der virtuellen Geselligkeit, die dahinter steckt, ist im Prinzip nichts auszusetzen. Die Plattform nimmt einen immer größeren Raum im Leben vieler ein. Über facebook werden "die Leute aus der community" zu einer Party eingeladen oder Schüler werden über nicht vorgesehene Unterrichtsausfälle informiert.

Nun gehört zum Leben auch die Arbeitswelt. Unzufriedene Mitarbeiter hat es in dieser relativ realen Welt stets gegeben. facebook wird nun offenbar aber immer häufiger genutzt, um seinem Unmut Luft zu verschaffen. Jedenfalls liegen den Arbeitsrichtern vermehrt Fälle vor, in denen sich Auszubildende, Bank-Mitarbeiter oder Pflegekräfte über ihren Chef auslassen. Eine Auswahl:

Menschenschinder und Ausbeuter

Ein Auszubildender zum Mediengestalter beschrieb seinen Arbeitgeber in seinem facebook-Profil als "Menschenschinder und Ausbeuter" und sich selbst mit der Bezeichnung "Leibeigener - Dämliche Scheiße für Mindestlohn". Sein Arbeitgeber sah sich damit unzutreffend beschrieben und feuerte den Azubi fristlos. Das Landesarbeitsgericht Hamm bestätigt die Kündigung und folgte den Argumenten des interaktiv vorlauten Azubis nicht, er habe die Ausdrucksweise "überspitzt" und "lustig" gemeint. Es handelt sich bei den Äußerungen um eine lupenreine Beleidigung. Eine Abmahnung brauchte nicht ausgesprochen zu werden. Der Auszubildende hätte um die "Verbreitungswirkung" wissen müssen. Das gelte auch dann, wenn dem Azubi eine "unreife Persönlichkeit" und ein "Mangel an Ernsthaftigkeit" attestiert werde. Mit 27 Jahren müsse er die Konsequenzen tragen. Der Ausbilder habe dann nicht mehr in der Form die Pflicht "zur Förderung der geistigen und charakterlichen Entwicklung", wie er sie zum Beispiel für einen 16 oder 17 Jahren alten Auszubildenden hätte (AZ: 3 Sa 644/12).

Eine Arbeitnehmerin beschimpfte in einer privaten facebook-Community einen Telekommunikationsanbieter, Kunde ihres Arbeitgebers (einem Sicherheitsdienst) mit den Worten "Boah, kotzen die mich an, da sperren sie mir einfach das Handy, obwohl man schon bezahlt hat. Solche Penner. Ab nächsten Monat habe ich einen neuen Anbieter." Sie kassierte die fristlose Kündigung, doch gewann vor Gericht. Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof hält den Wutausbruch der Frau als von der Meinungsfreiheit gedeckt, zumal sie nur privat über die Telefongesellschaft hergezogen sei. Hier kam hinzu, dass die Arbeitnehmerin schwanger war und ohnehin nur unter besonders strengen Auflagen gekündigt werden kann (AZ: 12 C 264/12).