Über den Tellerrand geschaut

Auszeichnung Für jahrelanges Engagement mit Ritterschlag geehrt

Eine Ehrung wurde Ursula und Horst Spatscheck aus dem bayerischen Wörthsee zuteil. Von Kathrin Elias und Konstanze Schumann vom Verein Arbeitsloseninitiative (ALI) Sachsen erhielt das Seniorenpaar den Ritterschlag. "Familie Spatscheck engagiert sich seit vielen Jahren für unsere Kleiderkammer und schleppt kistenweise Bekleidung an", begründete Schumann.

Ursula Spatscheck, die aus Oberreichenau stammt, erzählt: "Im Jahr 1958, da war ich 21 Jahre alt, verließ ich die Heimat." Auch wenn sie jetzt schon lange in Bayern mit ihrem Ehemann, der aus dem Sudetenland stammt, lebt, die Verbindung zu ihrer Heimat war ihr immer wichtig. "Von einer Freundin lasse ich mir immer den Erdachsenkurier zuschicken." Im Pausa-Mühltroffer Amtsblatt las sie, dass der Verein ALI Kleider- und Spielzeugspenden entgegennimmt. Das war vor zehn Jahren. Im Wohnort der Spatschecks hat sich längst herumgesprochen, dass man gute erhaltene Kleidung lieber zu ihr bringt als sie wegzuwerfen. Mehrmals im Jahr packt das Paar das Auto voll und kommt ins Vogtland. Dem nicht genug, macht sich die agile Seniorin viel Arbeit. "Ich nähe Knöpfe an oder Reißverschlüsse ein, bleiche Babysachen, bügele sogar." Und sie schickt sogar große Pakete mit Kleidung. "Das Porto zahle ich von meiner Rente." Wenn man das Seniorenpaar, welches in sich ruhend und zufrieden wirkt, fragt, warum es das tun, erhält man keine Antwort in einem Satz. Vielmehr wird deutlich, dass Familie Spatscheck in ihrem Leben selbst immer über den eigenen Tellerrand hinaus geblickt haben, obwohl oder vielleicht auch weil beide in jungen Jahren selbst flüchteten.

Horst Spatscheck war zudem 20 Jahre als Entwicklungshelfer in Afrika, seine Frau dort zehn Jahre aktiv. Als Projektleiter reparierte er in Senegal Krankenhäuser, baute eine Lehrwerkstatt mit auf. Ursula Spatscheck sammelte in Deutschland gebrauchte Brillen für die Menschen in Afrika. Das ist nun 20 Jahre har. "Afrika hat uns geprägt", sagen beide. In ihrem bayerischen Wohnort spendeten sie ebenfalls, zum Beispiel für ein Kinderheim.