Überraschung: Erster Fußballsachsenmeister der Neuzeit war der VFC Plauen

Mit nur 15 Spielern im Kader wurde der historische Titel gefeiert

Plauen

Der VFC Plauen steht seit 1903 für große Fußballtradition. Viele Erfolge hat der Verein gefeiert. Vor 35 Jahren eroberten die Plauener vollkommen überraschend den ersten Sachsenmeistertitel. Die beiden VFC-Historiker Volker Herold und Scott Heinrich erinnerten am Wochenende an diesen Triumph.

„Mit einem 2:2-Unentschieden gegen den SV Motor Grimma gewann der VFC am 11. Mai 1991 die Meisterschaft“, berichtet Volker Herold, der zusammen mit seinem Freund Scott Heinrichs den „VFC-Speicher“ betreibt.

Der VFC-Speicher ist ein digitales Fußballmuseum

Im digitalen VFC-Museum gibt es viele Fußballgeschichten. Über die Kanäle bei Facebook, Instagram und WhatsApp melden sich die beiden Historiker regelmäßig. Letzten Sonntag spielte der VFC just zum gleichen Zeitpunkt wieder gegen Grimma. Die 0:1-Niederlage tat weh. Wieder steht dem Verein in der Oberliga nun ein Neustart bevor.

Spieler werden den Verein verlassen. Mit Sven Köhler kommt ein neuer Cheftrainer nach Plauen. Er tritt die Nachfolge an von Interimstrainer Norman Zschach. Dieser ist übrigens nicht verwandt oder verschwägert mit Jens-Peter Zschach, der 1991 in der Meistermannschaft die Spielmacherrolle inne hatte.

Der VFC im Niemandsland

Rückblick: Unter Trainer Peter Weck und in den Nachwehen der Wendezeit startete der neugründete VFC im August 1990 mit gerade einmal 17 Spielern in die Saison. Der Verein hatte zwischenzeitlich kein Geld und keine Vereinsführung. Der erste VFC-Coach nach der Wende erinnert sich:

„Das war wie im Niemandsland. Die DDR war zu Ende. Der Beitritt zur BRD war noch nicht erfolgt. Keiner wusste, wie es weitergeht. Und ganz viele Spieler sind des Geldes wegen zu den benachbarten Westvereinen gegangen. Andere fanden in Plauen keine Arbeit mehr oder konnten aus beruflichen Gründen urplötzlich nicht mehr spielen“, berichtet Peter Weck.

Der kleinste Kader aller Zeiten

Der Meistertitel war mehr denn je ein Resultat des Willens und des Charakters. Trotz Verlockungen aus dem Westen blieb die kleine Truppe zusammen und vollbrachte Woche für Woche Großes. Vor 1.200 Zuschauern reichte letztlich ein Punkt gegen Grimma. Der VFC war der erste Sachsenmeister nach der politischen Wende, in den heute legendären „Plauener Spitze“-Trikots.

Bis heute unvergessen

Bis heute treffen sich die Männer um VFC-Keeper Henry Scheithauer regelmäßig. Der Schlussmann bringt zu jenen Traditionsabenden immer sein Torwarttrikot mit den Autogrammen der Spieler mit. Zuletzt versammelten sich die Sachsenmeister von 1991 zusammen mit den Spielerfrauen in der Juchhöh in Tirpersdorf.

„Wir sind einfach wie eine Familie geworden. Denn das war damals wirklich etwas ganz besonderes. Oft waren wir nur 14 oder 15 Spieler. Mit so einem Minikader aufzusteigen, da braucht es von jedem Einzelnen viel Disziplin. Da war ja alles auf Kante genäht“, schwärmt Peter Weck bis heute von seinen Jungs. Über die vielen Jahre wird er bis heute auf diesen Triumph angesprochen.

Das VFC-Aufgebot von 1991

Kader: Henry Scheithauer, Jens Golle, Kapitän Uwe Hahn, Lothar Goller, Stefan Häußler, Mathias Köhler, Jens-Peter Zschach, Jens Dick, Ron Orlamünder, Peter Georgi, Thomas Wolfrum, Jens Gühl, Robby Doege, Thomas Sesselmann, Mario Wülfert, Thomas Leutloff, Frank Wunderlich. Trainer: Peter Weck; Co-Trainer: Andreas Meyer; Manager: Peter Fränkel; Mannschaftsarzt: Dr. Normann Haßler. (kare)

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