"Unsere erste Liebe" - Was ein Pfarrer in der DDR erlebte

Kirche Kirchgemeinde Reuth und Stelzen war die erste Liebe

Pfarrer Kreher, der von 1957 bis 68 Pfarrer in Stelzen war, sprach noch einmal zu den Besuchern. Links Pfarrer Gero Erber, der jetzige Pfarrer. Foto: Simone Zeh

Stelzen. Zur Neueinweihung der Kirche in Stelzen nach der Innensanierung konnte die Kirchgemeinde am Sonntag einen besonderen Gast begrüßen. Viele Erinnerungen wurden dabei wach.

Jüngere indes erfuhren so manches Neues übers Gotteshaus. Die Kirche hatte einst zwei Emporen. Das Kircheninnere machte einen traurigen, heruntergekommenen Eindruck, kann sich Martin Kreher noch gut erinnern. Er wurde 1957 als Pfarrer in Stelzen eingeführt. Der damals 24-jährige war für die Kirchgemeinden Reuth und Stelzen, die von alters her zusammengehörten, zuständig.

Am vorigen Sonntag kam er mit Ehefrau Herta zur feierlichen Neueinweihung der Kirche nach dem ersten Teil der Innensanierung aus Wilkau-Haßlau. Er erinnerte sich: "Aus Anlass der Einführung bekamen wir unter anderem 63 Eier von den Gemeindemitgliedern geschenkt." Immerhin gab es ja bis 1958 noch Lebensmittelmarken. Und ein Pfarrer in der DDR hatte nur einen mehr als bescheidenen Dienst. So war er meist mit dem Fahrrad unterwegs, denn ein Auto hatte man nicht. "Die Kirchgemeinden Reuth/Stelzen waren unsere ersten, in denen meine Frau und ich tätig waren und so unsere erste Liebe." Das vergesse man nicht.

Im Stelzener Gotteshaus waren im vorigen Jahr die Innenwände teilweise und die Decke im Schiff neu verputzt und danach mit einem neuen Anstrich versehen worden. Das war nötig gewesen, denn zuvor drohte der Putz von der Decke zu fallen. Mit Unterstützung des Kirchenkreises, der Politik, Spenden und Eigenmitteln der Kirchgemeinde gelang es, die Bauarbeiten zu bewältigen. Die Farbgebung wurde wieder hell gestaltet, so dass das Haus von Licht durchflutet ist.

Die Einwohner aus Stelzen und Spielmes packten dabei stets selbst an. So wurde etwa von den Männern der Putz im Inneren der Kirche abgehackt, der Bauschutt entsorgt, die Orgel und der Altar zum Schutz eingehüllt, die Bänke und die Heizung abgeklebt. Die Frauen versorgen die Männer mit Frühstück, reinigten in aufwändiger Arbeit das Gotteshaus nach den Arbeiten. "Dass alles so schön geworden ist, war nur gemeinsam möglich", unterstrich Anja Baumann, Vorsitzende des Kirchenvorstandes in Stelzen am Sonntag im Gottesdienst zur Neueinweihung. Über 900 Stunden an ehrenamtlicher Arbeit wurden geleistet. Dazu kamen viele Spenden. Pfarrer Gero Erber, der die Predigt hielt und sich dabei der neuen Jahreslosung widmete, dankte allen Helfern.

Pfarrer Kreher indes hatte in seiner Dienstzeit in Stelzen die vorhergehende Innensanierung mit erlebt. "Die Deckenbalken waren zum Teil wegen eindringender Feuchtigkeit abgefault. Deshalb senkte sich die Decke auf einer Seite leicht ab." Die beiden zweiten Empore, die jeweils geradlinig an den Seiten eingebaut waren und praktisch nie genutzt wurden, verdunkelten und verbauten den Innenraum. Und fürs Orgelspielen wurde ein Bälgetreter gebraucht. Schon damals hätten viele Stelzener und Spielmeser mit Hand angelegt.

Martin Kreher erinnerte sich: "Ein riesiger Balken wurde in den Innenraum verfrachtet, die sich absenkenden seitlichen Dachbalken wurden daran angehängt, die zweite Empore ausgebaut." Neuer Putz, Elektroanschluss, Wandleuchter und Kronleuchter kamen hinzu. Eine prächtige farbliche Ausgestaltung von Restaurator und Malermeister Thümmler aus Gera schloss sich an. Und da der Religionsunterricht aus der Schule verbannt wurde, wie es Martin Kreher ausdrückte, baute man die Sakristei zu einem kleinen Gemeinderaum aus. Architekt Höra aus Bad Elster lieferte den Entwurf. Heute freut sich das Ehepaar, bei dem dieses Jahr die Diamantene Hochzeit bevor steht, über sieben Enkel und sechs Urenkel.