Vogtländer haben durch Disziplin Leben gerettet

Coronakrise Lockerungen in der Region nur mit höchster Vorsicht

Plauen. 

Über die aktuellen Zahlen im Vogtlandkreis hat die Verwaltung am heutigen Samstag informiert. Stand 14.30 Uhr gibt es in der Region 277 bestätigte Covid-19-Fälle. 127 Personen gelten als genesen. Derzeit erkrankt sind 146 Menschen. Das Vogtland beklagt derzeit vier Todesfälle. Angesichts dieser vergleichsweise niedrigen Zahlen bedankten sich Landrat Rolf Keil und Amtsärztin Dr. Kerstin Zenker zur 3. Corona-Pressekonferenz "ganz herzlich bei allen Bürgern, die unseren Kliniken durch ihre Disziplin einen unglaublichen Zeitgewinn verschafft haben." Nur neun der vorhandenen 124 Corona-Intensivbetten sind gegenwärtig belegt. Von italienischen Verhältnissen ist das Vogtland derzeit weit entfernt. "Aber nur, weil alle Menschen mitgemacht und die Abstandsbestimmungen eingehalten haben. Wir müssen weiter so diszipliniert bleiben und wir werden unsere Reserve nicht aufgeben", kündigte Kerstin Zenker am Freitag an.

"Keiner von uns allen hat Erfahrung mit einer Pandemie"

Von nun an gelte es, ganz behutsam mit dem Virus leben zu lernen. Landrat Rolf Keil appelliert an die Vogtländer: "Keiner von uns allen hat Erfahrung mit einer Pandemie. Es fehlt uns auch an vielen Stellen noch die entsprechende Schutzausrüstung. Deshalb ist in dieser Phase höchste Vorsicht geboten. Keiner darf denken, dass wir schon gewonnen haben. Und jeder Fehler kann uns teuer zu stehen kommen." Die Amtsärztin fügt hinzu: "Mit den nun folgenden ersten Lockerungen werden die Fallzahlen bei uns vermutlich ansteigen. Zumindest bereiten wir uns darauf vor. Wichtig ist, dass wir die Infektionskette jederzeit zurück- beziehungsweise nachverfolgen können", erklärt Dr. Kerstin Zenker. Gerade die Infektionsausbrüche in den Pflegeheimen in Reichenbach und Falkenstein zeigen, auf welch dünnen Eis man sich bewege. "Es kann ruckzuck auch uns treffen. Bitte helfen Sie, liebe Vogtländer, weiter so vorbildlich mit, dass wir im Vergleich zu unseren Nachbarregionen sehr gut dastehen", ruft Landrat Rolf Keil die Bevölkerung auf.

Reproduktionsrate auf 0,7 gesunken

Virologen gehen davon aus, dass ein Infizierter ohne Schutzmaßnahmen im Durchschnitt 3,0 weitere Personen ansteckt. Das Ziel zu Beginn der Gegenmaßnahmen lautete, diesen Wert auf 1,0 zu drücken. "Dass wir in Deutschland inzwischen bei 0,7 liegen, ist ein Erfolg. Das heißt, ein Infizierter steckt inzwischen im Schnitt nur noch 0,7 Personen in seinem Umfeld an", erläuterte Kerstin Zenker die Zahlen. Weil im Vogtland am Montag die Abschlussklassen in den Berufschulen, Gymnasien und Oberschulen wieder den Unterrichtsbetrieb aufnehmen, gilt es nun auch in diesen Einrichtungen, den Umgang mit den Schutzmaßnahmen zu erlernen. Am 4. Mai steigen dann die Klassenstufen 11, 9 und 4 wieder in den Unterricht ein. Erst wenn diese Lockerungen in Verbindung mit der Einhaltung der Hygieneregeln ohne große Probleme anlaufen, kann man über weitere Entspannungen nachdenken.

Landratsamt bleibt für Besucherverkehr geschlossen

In Umsetzung der Verordnung des Sächsischen Staatsministeriums für Soziales und Gesellschaftlichen Zusammenhang zum Schutz vor dem Coronavirus Sars-CoV-2 und Covid-19 vom 17. April 2020 bleiben die Einschränkungen der Öffnungszeiten des Landratsamtes für den Besucherverkehr weiterhin zunächst befristet bis 10. Mai 2020 bestehen. Persönliche Beratungen und Termine in den Dienststellen am Postplatz 5 in Plauen, auf der Bahnhofstraße 42-48 in Plauen und in Oelsnitz, Stephanstraße 9 erfolgen ausschließlich nach telefonischer Terminvereinbarung. Die Außenstellen des Landratsamtes Vogtlandkreis in Auerbach, Reichenbach, Klingenthal und Adorf sind nur telefonisch unter der Rufnummer 03741-3003333 erreichbar.

Mund-Nasen-Bedeckungspflicht bei Einkauf und Fahrten mit ÖPNV

Auch künftig ist jeder Bürger angehalten, die physisch-sozialen Kontakte zu anderen Menschen als den Angehörigen des eigenen Hausstands auf ein absolut nötiges Minimum zu reduzieren. Für alle gilt eine Kontaktbeschränkung. Wo immer möglich, ist ein Mindestabstand zu anderen Personen von 1,5 Metern einzuhalten, um die Ansteckung zu vermeiden. Dies gilt für alle Lebensbereiche, auch für Arbeitsstätten. Die Sächsische Staatsregierung informiert: "Es wird dringend empfohlen, im öffentlichen Raum und insbesondere bei Kontakt mit Risikopersonen eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen, um für sich und andere das Risiko von Infektionen zu reduzieren. Verpflichtend ist das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung bei der Benutzung des öffentlichen Nahverkehrs und beim Aufenthalt in Einzelhandelsgeschäften.