Was für eine verrückte Entscheidung

Menschen 2019 Warum hat Gourmetexperte Thomas Fritzlar den VFC Plauen übernommen?

Plauen. 

Plauen. Er ist ein unglaublich großer Fußballfan. Thomas Fritzlar (41) saß bei jedem Spiel seines Bruders auf der Tribüne. Strafraumstürmer Stefan Fritzlar (32) ist eigentlich der Jüngere. Der heißt aber inzwischen "Der alte Fritz". Weil er als Schlitzohr auf dem Rasen gilt. So begann diese Geschichte vor vier Jahren beim VFC. Doch der Reihe nach. Ziemlich schlau scheint nämlich auch der große Bruder zu sein. Thomas ist seit 2017 am Stadtrand von Plauen Geschäftsführer der Christel Knoll GmbH. "Wir beschäftigen 65 Mitarbeiter und beliefern mit unseren 17 LKW's täglich vom Imbiss übers Krankenhaus bis zum Gourmetrestaurant jeden, der auf Qualität und Frische schwört."

Das Kommen und Gehen nahm kein Ende

Thomas Fritzlar hat also gut zu tun. Denn der Familienvati ist verantwortlich, damit die 3.000 Gastronomen, die als Kunden bei diesem Lebensmittelgroßhändler einkaufen, auf 14.000 Artikel zurückgreifen können. Zuvor hat Thomas 19 Jahre beim Globus in Weischlitz gearbeitet und sich entwickelt. Die Vogtländer wissen: In beiden Firmen ist der gute Geschmack zu Hause. Doch mit der Zeit wurde es Thomas Fritzlar übel. Nicht auf Arbeit. Sondern im Vogtlandstadion. Das Kommen und Gehen beim VFC Plauen nahm kein Ende. Die Schulden wuchsen wieder einmal. Es gab Streit. Eigentlich geht das schon ewig so. "Das kann keiner ändern", hörte Thomas immer und immer wieder auf der Tribüne.

"Ich würde es sofort wieder machen"

Als dem Fußballoberligisten dann nach mehreren Rücktritten und wirtschaftlichem Schiefstand der Exitus drohte, nahm ausgerechnet Thomas Fritzlar sein Herz in beide Hände und sagte: "Ich mach's!" Ganz Plauen griff sich an die Stirn. Warum tut sich jemand, der von diesem Metier keine Ahnung hat, so etwas an? "Weil dieser Verein etwas besseres verdient hat. Es kann doch nicht sein, dass alle Welt auf dem VFC herumtrampelt." Mit diesen Worten trat der neue Vorstandsvorsitzende vor einem halben Jahr an. Und heute sagt er dem BLICK-Reporter: "Viele verstehen mich auch jetzt noch nicht. Aber ich würde es sofort wieder machen."

In Prekärer Situation das Steuer ergriffen

Es ist also die Liebe zum Sport und Heimatliebe. Die lebt sein Vati Jürgen Fritzlar als Chef des Fördervereins Plauener Spitzenmuseum vor. Die Fritzlars machen was für Plauen. Und so manövrierte Thomas den VFC Plauen aus der schweren See heraus in etwas ruhigeres Fahrwasser. Nein. Der Plauener Fußball ist noch lange nicht geheilt. Aber Thomas Fritzlar und seine wachsende Zahl an Mitstreitern haben dafür gesorgt, dass der VFC im Fahrstuhl nach unten angehalten hat. Wer sich in solch einer prekären Situation im Ehrenamt den Hut aufsetzt, der gehört zu den "Menschen 2019".