Wasservögel im Fokus

Vogelzählung Rückläufige Tendenzen an der Talsperre Pöhl

Kaum Wind und die Wasserfläche fast spiegelglatt. Ornithologen lieben solche Bedingungen. Vor allem, wenn es um die Wasservogelzählung geht. Am Samstagnachmittag luden die Experten anlässlich des internationalen Zugvogeltages an die Talsperre Pöhl ein. Bevor die Ferngläser und Spektive zum Einsatz kamen, führten die Vogelkundler in die Materie ein. Ornithologe Michael Thoß vom Natur- und Umweltzentrum Oberlauterbach beobachtet die rastenden und durchziehenden Vögel seit vielen Jahren.

"Wir tun das von Mitte Oktober bis Mitte April an den Talsperren Pöhl, Pirk und Dröda." In diesem Zeitraum gilt die Wasservogel-Schutzverordnung, die Bootsfahrten sowie Surfen untersagt. Jeden Monat schwärmen die Ornithologen an den genannten Schwerpunktgewässern der Region zur Vogelzählung aus. Alle registrierten Daten aus Sachsen und den anderen neuen Bundesländern werden in Potsdam gesammelt und ausgewertet. An der Talsperre Pöhl machen viele gefiederte Besucher Rast. "Bei extremer Nordwetterlage zieht es skandinavische Zugvögel her", weiß Thoß. Dazu zählen Eisente, Stern-, Pracht- und Gelbhalstaucher. "Das gibt Rückschlüsse auf die gesamten Bestände und die Bedeutung der Rastgewässer." Seit den 1960-er Jahren seien alle europäischen Wasservogelarten an der Talsperre Pöhl nachgewiesen worden. Mit etwas Glück kann man Zwergrohrdommeln, Wasserralle, Rohrweihe, Schwarz- und Rotmilan an der Talsperre sichten. Allerdings ist die Anzahl der Tiere rückläufig. Als Ursache vermuten die Beobachter die neuen Lebensräume rund um die aus Tagebauten entstandenen Seenlandschaften bei Leipzig.