Nächster Weltrekord. Christin Ziehr ist vom Laufen besessen. Jetzt hat die Ultra-Wander-Weltmeisterin die nächste Bestmarke aufgestellt. Die Plauenerin ist über 406 Kilometer ein Herz in die mitteldeutsche Landschaft gelaufen. Schaffen wollte sie das in vier Tagen. Doch die extreme Wärme und die Unwetter der vergangenen Woche bremsten die 39-Jährige immer wieder aus.
Dienstag war es zu warm
Gestartet war Christin Ziehr bei schönstem Wetter. Plauens Oberbürgermeister Steffen Zenner schickte die Unternehmerin vom Altmarkt aus auf die Reise. „Es war eigentlich schon zum Auftakt viel zu warm. Meine Reserve ging schnell zur Neige. Ich musste bereits nach 30 Kilometern nachkaufen und in der Nacht war dann in Bad Klosterlausnitz alles alle“, berichtet die Extremsportlerin. Zum Glück hatte dort noch eine Gaststätte geöffnet, wo man der Vogtländerin mit reichlich Wasser und Cola weiterhalf.
Unwetter in der ersten Nacht
Kurz nach Mitternacht konnte Christin wieder starten. Doch dann kam das große Unwetter. Starkregen, Windböen und aufgeweichter Boden. „Es hat unglaublich geschüttet. Das hat meine Füße aufgeweicht. Blasenpflaster haben dadurch nicht gehalten. Durch die Stops habe ich viel Zeit verloren.“ Ans Aufgeben dachte die Plauenerin aber nicht. „Meinen Beinen ging es ja gut. Ich kam nur nicht so gut vorwärts wie erhofft.“
Zunächst keine Halluzinationen
Tagsüber war es unglaublich warm. Christin Ziehr lief und lief. Die befürchteten Halluzinationen kamen diesmal nicht. Doch die ersten 180 Kilometer zogen sich länger, als geplant. Dadurch war klar, es ist nicht an vier Tagen (Dienstag bis Freitag) zu schaffen. Bruder und Freundin versorgten die Ultra-Wandersfrau. Die letzten 73 Kilometer wich dann Freundin Susi nicht mehr von Christins Seite.
Dann wurde es richtig hart
„Ich hatte zuletzt mit meinen kaputten Füßen überhaupt keinen Halt mehr. Den Köhlersteig sind wir fast nicht mehr hochgekommen. Dort wo es extrem steinig und steil war, hat jeder Stein in den Fuß reingedrückt“, erzählt Christin.
Hinzu kamen in der vierten Nacht starke Halluzinationen. Doch Christin ist einfach immer weiter gelaufen. Und sie kam am Samstag dann tatsächlich doch noch in Plauen an. Die Eltern hatten sich unglaubliche Sorgen gemacht und nahmen ihre Tochter glücklich in Empfang.
Gibt es ein nächstes Mal?
Christin Ziehr aber konnte sich nicht so richtig freuen. „Weil mir die Zeit einfach nicht gefällt. Klar, 406 Kilometer und über 5.000 Höhenmeter zu meistern, das ist großartig. Aber ich wäre gerne schneller gewesen“, stellt die Vogtländerin klar.
Ganze 24 Stunden nach ihrer Ankunft sagt Christin Ziehr: „Beim nächsten Mal muss ich den Schuhwechsel anders organisieren, dass ich schneller an trockene Schuhe komme, um mir nicht frühzeitig die Füße zu ramponieren.“ Beim nächsten Mal? Was soll das heißen?
„Es geht noch weiter“
Muskulär würde sich Christin Ziehr noch viel mehr Kilometer zutrauen, sagt sie. „Ich hatte keine Probleme mit den Schultern, mit dem Rücken und dem schweren Rucksack, der nach jedem Auffüllen etwa 10 Kilogramm gewogen hat.“
Nur die anfänglich aufgeweichten Füße waren das Problem. Christin Ziehr mutmaßt: „Ich bin der Meinung, dass man noch viel weiter gehen kann. Ich glaube, da geht noch was“, sagt die alte und neue Nonstop-Weltrekordhalterin. Sie hatte 2025 die Bestmarke von Berlin nach Plauen auf 347 Kilometer hochgeschraubt.
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