Wenn gar nichts mehr geht: Verein hilft psychisch Kranken

Gesundheit Immer mehr junge Menschen schaffen den Alltag nicht

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Immer mehr junge Menschen fühlen sich vom Alltag überrollt. Foto: Karsten Repert/Archiv

Plauen. Immer mehr junge Menschen schaffen den Alltag nicht. Das liegt an der fortwährenden Überlastung. Im Vogtland sind die Kliniken voll, der Krankenstand wegen psychischer Probleme steigt unaufhörlich. Es hilft nur eins: Bremse treten!

Als es noch die Langeweile gab, litten keine vier Millionen Deutsche unter Depressionen. Nur noch selten hält unsere Gesellschaft kurz mal an. Weihnachten, Ostern, vielleicht noch im Urlaub. Aber sonst? Klaus-Dieter Waldmann - einer der bekanntesten Psychologen des Vogtlandes - sagte dem BLICK-Reporter unlängst bei einem der Paritas-Feste: "Wir können ja nicht einmal mehr in der Freizeit Ruhe halten. Manch einer kommt bereits abgehetzt auf Arbeit an, um dort weiter Vollgas zu geben." Es gilt der einfache Grundsatz: Fährt ein Auto ohne Pause 190 km/h auf der linken Spur, altert es deutlich schneller und geht kaputt.

Wie aber kommt man runter von der Überholspur? Weg von Tabletten oder Alkohol? Ganz oft mischen sich dieser "bösen Begleiter" mit ein in diesen Wahnsinns-Cocktail, den die Menschen täglich runterschlucken. Klaus-Dieter Waldmann hofft "dass die Gesellschaft endlich aufwacht. Wir müssen viel bewusster mit Zeit umgehen und sie verteidigen gegen den gesellschaftlichen Druck."

Die Paritas hat jeden Tag solche Probleme vor Augen. Durch den enormen Druck geraten immer mehr Leute aus der Bahn. Der unerbittliche Takt des Alltags macht aus zuvor kerngesunden Menschen Kranke. Ingenieure, Produktionsarbeiter, Muttis, Traumatisierte. Hier kommen alle zusammen, die aus irgendeinem Grund nicht mehr können.

Der Verein "Partner für psychisch Kranke e.V." kämpft seit 26 Jahren für geistig Erkrankte. In deren Tagesstätten und in den Kontakt- und Beratungsstellen werden weit über 100 psychisch kranke Vogtländer betreut. Jeden Tag. Genau dieser Verein aber ist noch weitgehend unbekannt. Er braucht mehr Öffentlichkeit und mehr Unterstützung. Gerade hier werden zum Beispiel Ehrenamtliche, aber auch Sponsoren gebraucht.

Rückblick: Vereins-Gründungsmitglied Angelika Waldmann erinnert sich an das Jahr 1996. "Nach Auslaufen der Bundesmodellförderung zeigte sich, dass trotz aller wissenschaftlichen Begleitung weder für unsere Tagesstätte, noch für die Kontakt- und Beratungsstelle eine anschließende dauerhafte Regelfinanzierung gesichert werden konnte. Kein Kostenträger fühlte sich zuständig." Das bedeutete: Die Tagesstätte musste 1996 nach fünf Jahren erfolgreicher Arbeit eine Zeit lang schließen. Ein Irrsinn war das damals.

Und heute? Heute möchten der BLICK, der Elster-Park und die Freizeitanlage im Syratal auf die Paritas-Spendenaktion aufmerksam machen. Bis Samstag steht im Einkaufszentrum eine Spendenbox. Im Obergeschoss (neben Trick-Pin-Ferienspiele) kann man einen kleinen Schein oder auch Münzen einwerfen. Die Shops und Märkte sowie das Centermanagement des Elster Parks haben sich dazu bereits zusammengetan. Ziel der Paritas-Spenden-Aktion ist es, den Verein zu entlasten. Ein großes Frühlings- und ein großes Herbstfest müssen finanziert werden. Dafür ist das Geld.

Hintergrund: Der Verein "Partner für psychisch Kranke e.V." hat sich aus Ärzten, Fachpersonal, Betroffenen und Angehörigen 1990 im Konferenzraum der damaligen psychiatrischen Klinik, heute das Helios Vogtland-Klinikum, gegründet. Der Verein ist Träger der Paritas-Einrichtungen und -Angebote. Gemeinsam mit dem Sozialpsychiatrischen Dienst am Gesundheitsamt und den psychiatrischen Kliniken sowie den niedergelassenen Ärzten werden die Versorgung von psychisch kranken Menschen im Gemeindepsychiatrischen Verbund sichergestellt und in der Psychosozialen Arbeitsgemeinschaft (PSAG) empfohlen.

Weitere Infos unter www.paritas-plauen.de.